Steckboard-System(e) mit Röhrenadapter


Stephan H. schrieb mich im Zusammenhang mit der Forumdiskussion an, er hätte Röhrenadapter für 7-polige Miniatur- und 9-polige Novalröhren entwickelt.
Ich war natürlich sehr interessiert, passte es doch hervorragend zur im Forum besprochenen Thematik, mittels Steckbordsystemen Testschaltungen aufbauen zu können.
Stephan sandte mir dann die beiden Platinen, die jeweils zwei Fassungen aufnehmen konnten, samt Fassungen exclusiv für die Röhrenbude zu.
Ich habe die Fassungen eingelötet, das ganze sieht erst einmal so aus:




Die Maße einer solchen Platine beträgt 100mm x 30mm; sie enthalten, nach Trennung in der Mitte, dann jeweils einen Adapter. Das folgende Bild zeigt eine aufgetrennte Platine mit einer 7-poligen Fassung mitsamt einer Röhre:


Im Zip-File - welches ich hier zum Herunterladen anbiete (es stammt ebenfalls von Stephan) befinden sich die Layouts beider Platinentypen, in unterschiedlichen Formaten, incl. PDF-Format (ca. 345 kByte).

Ich habe von Stephan nun auch einige ältere semiprofessionelle Testbords, die er von seinem Vater erbte, zugesandt bekommen. Diese sind mit einem hervorragendem trapezförmigen Verbindungssystem allseitig versehen, um die einzelnen Boards sicher zusammenzufügen:


Stephan sandte mir auch dieses Foto zu, es zeigt ein von Pollin erhältliches großes Steckbord, worauf Stephan zur Demonstration eine bestückte Platine zeigt:


Ich habe mir nun eine Platine mit Novalfassung vorgenommen, sie mit Anschlussdrähten versehen und sie in ein, von AK MODUL-BUS vertriebenem, kleinerem Steckbord gesteckt. Es ist das in diesem Link zu Modul-Bus zu sehende Steckbord, welches für nur 9.- Euro unter der Bestell-Nr. SB840 erhältlich ist.





Hier erkennt man nun eine PCL86 in der Fassung:


Die folgenden Fotos zeigen nun die Röhre-Adapterplatine mit der PCL86 auf dem anderen Steckbordsystem, der Hersteller dieser Bords ist mir leider unbekannt; aber bis auf die trapezförmige Verbindung der Bords untereinander sind sie mit dem Modul-Bus-System sehr ähnlich:








Es ist ganz sicher unnötig, mehr hierzu zu schreiben - ein jeder kann sich selber bestens, da bin ich mir sicher, die grossartigen Möglichkeiten ausdenken, die ein solches System zum vorherigen Testen von Schaltungen bietet...

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Weitere Ideen ergaben sich im Forum, Joachim Dahm machte den Vorschlag mit den bei Aka-ModulBus erhältlichen Stiftleisten.
Joachim schrieb dazu:
Wahrscheinlich wären die Stiftleisten von AK-ModulBus besser geeignet und eine stabilere Halterung, als Drähte, wenn man im Lötbereich jeden 2. abkneift oder zusätzlich "blinde" Löcher bohrt.

- Daraus entstand dann die folgende Bilderserie von mir:





Auf richtige Länge gekürzt und - erst mal mit der Schere - jeden zweiten abgeschnitten:





Beim suchen im Keller nach den Stiftleisten ist mir diese Platte mit Mossgummiquadraten untergekommen:



Da sie ja von einer Seite eine Klebefläche besitzen, habe ich einfach links und rechts je eins der Quadrate auf die Adapterplatine geklebt und, siehe da - der Abstand passt!


Danach machte ich im Forum den Vorschlag, hatte die Idee, ob man nicht auch diese abgewinkelten Stiftleisten verwenden könne:


Ich schrieb noch dazu, ich wolle am folgenden Tag Versuche anstellen. Die Ergebnisse dazu finden sich hier:







Ergebnis: Ein Röhrenadapter (mit einer EF89, fürs Foto), welches so gut wie keinen Platz mehr belegt.




Falk Schaar griff diese Idee gestern noch im Forum auf und erstellte einen Adapter mit solchen abgewinkelten Stiftleisten, für russische Miniaturröhren wie z.B. 1SH24:


Im Forum-Wiki schrieb Joachim diesen interessanten Artikel dazu, zur Geschichte der Breadboards: BreadBoarding
Breadboarding bzw. Breadboard bezeichnet eine Aufbautechnik für elektronische Schaltungen, die aus den frühen Zeiten des Selbstbaus einfachster Rundfunkempfänger herrührt, vorwiegend in den USA. Die Detektoren (Crystal Sets) oder meist mit nur einer Röhre bestückten Audionempfänger (Grid Leak Detectors) wurden auf einem einfachen Holzbrett aufgebaut, das von Form und Größe einem Schneidbrett für Brotlaibe nahekam oder sogar oft ein solches war.

Wenn es vor allem um den Preis ging, wurden auch weitere haushaltsübliche Dinge für das Basteln benutzt: Nägel als Stützpunkte, um die der Draht nur fest herumgewickelt war, Holzschrauben, mit denen man ihn immerhin festklemmen konnte, sinnig gebogene Büroklammern als Kontaktfedern an der Röhrenhalterung, die ihrerseits aus passend zu den Sockelstiften gebohrten Löchern im Brett bestand. Kondensatoren wurden aus Dosenblech oder Metallfolie mit Papierzwischenlage gefertigt, der Gitterableitwiderstand aus einer Pappe mit Bleistiftauftrag, der Heizwiderstand aus allerdings 'speziell' gekauftem Widerstandsdraht. Spulen wurden aus Lackdraht auf Pappröhren gewickelt, ein Variometer entstand durch Einsetzen einer drehbaren kleineren Spule. Ein ganz charakteristisches Bauteil war der Fahnestock Clip, eine sinnreich gestanzte und gebogene Blechklammer, die mit einer Holzschraube fixiert wurde und dem Anklemmen der Kopfhörer-, Antennen- und Erdleitung diente, weniger der Stromzuführung, die eher über festgeschraubte, farbige Litzen erfolgte (wegen der Verwechslungsgefahr).

Es bedurfte also nicht unbedingt eines Lötkolbens zum Aufbau und dieser war leicht modifizierbar, aber dennoch stabil genug zum längerfristigen Einsatz. Bessere Konstruktionen verwendeten industriegefertigte Röhrenfassungen, Variometer, Kondensatoren und Zwischentransformatoren mit Schraubanschlüssen, Hochohm-Widerstände in Sofittenlampen - Form, die in Federklemmen gehalten wurden (ähnlich heutigen Glasrohrsicherungen) und Schraubklemmen als Stütz- und Anschlußpunkte. Bekannt wurde z. B. Atwater Kent für seine Abstimmkreise (Coupled Circuit Tuner) und Detektor- und Verstärkermodule (Detector n-Stage Amplifier), die auch von der Firma selbst zu kompletten Breadboard Radios assembliert wurden. Sie hatten alle keine Rückkopplung, um die Armstrong-Patente nicht zu tangieren, diese konnte aber durch ein weiteres Variometer (Vario Coupler) vom Kunden selbst realisiert werden - ein Vorteil der offenen Bauweise. Das wurde jedoch von der Firma niemals selbst erwähnt und schon garnicht abgebildet. (Aber auch Händler bauten aus den Einzelmodulen individuelle Empfänger zusammen.)

Die charakteristischen Fahnestock Clips fanden sich viel später in leicht oder stärker modifizierter Form selbst in deutschen Experimentierkästen wieder, je nachdem, ob sie geschraubt wurden (spätere Kosmos Radio & Elektronik-Kästen und Elektronik Labor X) oder gesteckt (Radiomann mit Plastik-Grundplatte). Vollmessing Schraub- oder Druckklemmen blieben den älteren Kästen vorbehalten (Radiomann mit Holzplatte, erste R & E-Versionen). Erhalten bis heute hat sich die Bezeichnung Breadboard(ing) für schnelle, leicht modifizierbare Testschaltungen, wenngleich sich die Technik mit der Miniaturisierung der Bauteile und den umfangreicheren Schaltungen doch stark verändert hat.

Heute werden gelochte Plastik-"Bretter" verwendet, unter deren Lochung sich Kontaktfedern befinden, die die eingesteckten Bauteile miteinander und mit Drahtbrücken verbinden (SBB - Solderless Bread Board). Ein großer Nachteil sind die vergleichsweise hohen Kapazitäten zwischen benachbarten, voneinander getrennten Kontaktstreifen, die hochohmige oder hochfrequente Schaltungsentwürfe erschweren und die Festlegung auf einen engen Bereich der möglichen Drahtstärke, sowie auf ein starres 2,54mm-Raster und die Single oder Dual In Line Kontaktierung mehrpoliger Bauelemente.
Das schließt i. A. die Verwendung älterer oder spezieller Bauteile ohne Adapter oder zusätzliche Bedrahtung aus.

Bis heute konnte sich auch noch das Wire Wrapping im professionellen Bereich (sogar Luft- und Raumfahrt) als lötfreie Verbindungstechnik erhalten, wenn auch weniger für das Breadboarding. Es erinnert zwar an die vorerwähnten Nägel, wurde aber schon früh durch entsprechende Materialien und Werkzeuge zu einer Perfektion entwickelt, die eine höhere Zuverlässigkeit ermöglichte, als die damalige Löttechnik.

Im Zuge der Elektronik- oder Radiobastelei mit kleineren Bauteilen und der Transistor-Technik entstanden noch einfache lötbasierte Verfahren. Das simpelste ist wohl die Verwendung von Reißnägeln als Lötstützpunkte. Ähnlich ist das Aufkleben kleiner Stücke kupferkaschierter Leiterplatten auf eine größere oder das Freifräsen solcher Lötinseln aus der Kupferschicht, sowie das Verwenden von Lochplatten zum Einfädeln der Bauteile mit Verlötung auf der Rückseite anhand ihrer Bedrahtung. Fortgeschrittener, aber auch "endgültiger" ist die Verwendung von Streifenleiter-Lochrasterplatinen in verschiedensten Anordnungen kleinerer oder mit Unterbrechen langer, durchgehender Kupferbahnen. Diese gibt es auch passend zu den oben erwähnten SBB's, was eher einer dauerhaften Umsetzung solcher Steckschaltungen dient.

Für Versuche in der Röhrentechnik ist aber auch noch die Verwendung von Lötfahnen-Leisten oder Lötösen wie in der endgültigen "Freiverdrahtung" üblich, da ohnehin meist unterschiedlichste Fassungen für gesockelte Röhren verwendet werden und seltener ungesockelte Röhren mit Drahtanschlüssen. Als Träger dient dabei ein Blech-Chassis mit unterschiedlichen Lochungen für die Fassungen. Auch ein "historischer" Fernlehrgang bediente sich dieser Technik für Versuchsaufbauten, während kupferkaschierte Platinen den Endprodukten vorbehalten waren (Euratele). Näher am alten Vorbild ist die Montage der Röhrenfassungen auf Abstandshaltern wiederum über einem Holzbrett, wie sie gerne für historisierende Projekte verwendet wird.

Mit der massiven Verbreitung der Computertechnik ging man zur vollständigen Schaltungssimulation direkt im Verlauf der Entwicklung über und stellt für die ersten echten Prototypen aus den Programmsystemen heraus direkt gedruckte Schaltungen her, zum Teil im Photopositiv-Verfahren, aber auch durch Fräsen. Billigste Massenprodukte werden ohnehin strikt nach Applikationsvorschlägen der IC-Hersteller und mit wenigen zusätzlichen Bauteilen verwirklicht, sodaß Gehäuse und Platine nahezu das einzig individuelle der Geräte sind, gegebenenfalls noch eine Firmware, sodaß Prototyping sich nicht mehr auf das eigentliche Schaltungsdesign erstreckt. Breadboarding wird also wahrscheinlich wieder zu einer Nische des Selbstbauens und Bastelns bzw. in lötfreien Versionen diverser Spielzeuge und Lehrmittel.

Ein sehr guter, eindrucksvoller Link zu diesem Thema ist dieser: Kontexis-AH104.pdf
Inzwischen habe ich alle Adapter auf diese senkrechte Bauweise umgebaut, mit den abgewinkelten Pfostensteckern.
Zusätzlich habe ich oben den Heizungsanschluß doppelt herausgeführt - somit muß ich nicht unten auf dem Bord stecken und komme leichter an die Heizungsanschlüsse heran - habe es auch leichter, eine Reihenschaltung vorzunehmen, wenn ich z.B. mit P-Röhren arbeiten will:





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