Der UKW-Detektor
von Uwe Thomas


Auf die Idee für den UKW-Detektor kam ich beim Stöbern in verschiedenen Internetseiten.
Kurzum, schnell den alten Zweifach-UKW Drehko gesucht, aus Silberdraht eine Schleife von vielleicht 15 cm Durchmesser gebogen, an ein Paket des Drehkos gelötet, eine zufälligerweise vorhandene AA138 ans heiße Ende des Schwingkreises angeschlossen, mit einem 100kOhm Widerstand und dem Kristallhörer verbunden.
Drehko durchgedreht. Bei fast herausgedrehtem Drehko rauscht etwas. Irgend eine Musik ist auch zu hören. Mehrere Sender übereinanderliegend. Ganz leise. Alles noch ohne Antenne. Scheinbar wirkt die Schleife schon wie eine Rahmenantenne. Alles sehr unbefriedigend.

Versuch 1: Ersatz der AA138 durch eine BAT48. Nichts mehr zu hören. Warum?
Das Datenblatt sagt mir: bei 0V über 20pF Diodenkapazität. Bei MW ohne Bedeutung, für UKW nicht brauchbar.

Versuch 2: Ersatz der AA138 durch eine 5082-2835 von HP.
Ergebnis: doppelte Lautstärke, drei Sender sind teilweise voneinander trennbar. Bin scheinbar auf dem richtigen Weg.
Als nächstes bessere Empfangsposition in der Wohnung gesucht. Mit Erfolg.

Versuch 3: An eine Anzapfung der Schleife nahe dem kalten Ende ungefähr 50 cm Draht als Antenne angelötet.
Ergebnis: Es rauscht nur noch, Sender sind keine mehr zu hören.
Drahtantenne Stück für Stück kürzer gemacht, kein wirklicher Erfolg.

Neuer Ansatz: Ersatz der Schleife durch eine Luftspule aus Silberdraht mit obengenannter Drahtantenne, welche fast am kalten Ende angeschlossen ist.
Scheinbar war die Induktivität dieser Spule etwas zu hoch. Im letzten Viertel des Absimmbereiches vom Drehko staut sich der gesamte UKW-Bereich. Empfang deutlich besser. Große Handempfindlichkeit.

Versuch: Schwingkreisspule bleibt, wie sie ist(L-C Verhältnis), Diode an Mittelanzapfung der Luftspule angelötet, Drahtantenne mit einer extra Koppelspule verbunden, die schwenkbar ist. Drehkokapazität durch Reihentrimmer verkürzt. Abgestimmt wird ungefähr zwischen 2 – 4pF.
Ergebnis: An bester Empfangsposition sind 5 Sender sauber voneinander trennbar; die Lautstärke ist ebenfalls befriedigend. Überall in der Wohnung sind mindestens drei Sender hörbar.
Entschluß: Dieses Gerät wird sauber in ein Gehäuse eingebaut.


Zwischenzeitlich Überlegungen: kriege ich‘s nicht doch noch‘n bischen lauter?
Im Gedächtnis gekramt (da war doch mal was). Natürlich!
Anschluß der Diode über eine Parallelschaltung 100kOhm/0,47µF an die Primärwicklung eines 220V-Trafos mit Mittelanzapfung, Kristallhörer an die 110V gegen kaltes Ende. Verschiebt den Frequenzgang des Kristallhörers in Richtung mehr Höhen. Ergebnis: Sprachverständlichkeit besser, wirkt einfach irgendwie lauter.

Dann hatte ich Pech. Bei der von mir sehr oft benutzten 5082-2835 brach das Glasgehäuse. Die beiden anderen Dioden gleichen Typs waren natürlich unauffindbar. Wie meist... - bei Segor auch nicht mehr lieferbar.
Dieses Mistgeschick stellte sich allerdings in der Folge als sehr hilfreich heraus: Ich war gezwungen, nach Datenblättern entsprechender Dioden zu suchen, die gleichzeitig auch noch lieferbar sind. So kam ich über BAT17, BAT19 und BAT29 auf die Superdiode BAT15-03W, lieferbar bei Conrad. Kurzdaten: Uf (1mA): 250mV, Cdiode(0V): 0,4pF, Usperr:4V, Sperrstrom höher als andere Schottkys, aber immer noch Größenordnungen unter dem der besten GE-Diode. Diese Diode ist auch hervorragend für den MW und KW-Bereich geeignet! Habe ich getestet. Einziger Nachteil: SMD.

Zehn Stück bei Conrad bestellt, wurden geliefert, Karton geöffnet.
Mit Pinzette vorsichtig versucht, eine Diode aus dem Plastikdings herauszubekommen. - Zwei Stück waren sofort verschwunden; ich suchte gar nicht erst. Die sind wirklich extrem klein.
Ich schaffte es dann doch irgendwie, zwei Drähte an die Pins zu löten.

Die Diode mußte sofort ausprobiert werden. Ergebnis: noch bessere Trennschärfe, stärkere Sender sind etwas lauter als vorher. Es sind jetzt auch schwächere Sender hörbar. Das macht die niedrige Flußspannung.

Jetzt geht’s los, jetzt wird die Schaltung ordentlich auf Platine aufgebaut. Natürlich GFK.
Zeichnen, Ätzen, Bohren, Bestücken, Testen. - Danach ab in den Mülleimer (natürlich Drehko und Trafo entfernt).

Ich habe mich wirklich, so gut es ging, an den vorherigen Luftaufbau gehalten. Der Empfang war grottenschlecht, kein Vergleich zu vorher. Scheinbar hat die Platine die steile Resonanzspitze des Schwingkreises durch ihre Dämpfung zunichte gemacht. Ich empfehle deshalb für den Nachbau unbedingt freie Verdrahtung.

Endgültiger Aufbau: siehe Fotos. Die Drahtantenne wurde durch eine Teleskopantenne ersetzt, welche mittels Keramikpaßringen für Schmelzautomaten so in das Gehäuse eingeklebt wurde, daß die Antenne über den Heißkleber keine Verbindung mit dem Plastikgehäuse hat. Isoliert vielleicht besser (ich habe dabei an die negativen Erfahrungen mit der Platine gedacht).
Auch der Drehko und der Trafo wurden mit Heißkleber ins Gehäuse geklebt.
Die Lage der Ankoppelspule zur Schwingkreisspule ist für den Empfang nicht ganz unwichtig. - Nicht anders als bei Mittelwelle.






Empfangseigenschaften dieses Gerätes: 88-106MHz
Empfangsstandort: Berlin-Lichtenberg, Altbau, 3.Obergeschoß
Antenne halb herausgezogen
Fünf Sender sehr gut zu empfangen, weitere vier etwas leiser, einige weitere sind zu erahnen.
Die richtige Länge der Antenne ist dabei wichtig. Ist sie voll herausgezogen, überdecken die starken Sender die schwächeren und es rauscht. Eine saubere Flankendemodulation ist dann nur noch bei zwei Sendern möglich.
Dieses Gerät wird wohl nur in relativer Nähe zu starken Ortssendern funktionieren.
Viel Spaß beim Nachbau
Uwe Thomas

Nachtrag:
Ich habe mit diesem Gerät einige Empfangsbeobachtungen in ganz Berlin durchgeführt.
Ich war selbst überrascht. Zu ebener Erde konnte ich fast im gesamten Stadtgebiet Berlins mindestens einen Sender empfangen. Das trifft sogar auf Empfangsorte zu, an denen auch andere Empfänger Schwierigkeiten hatten.
Etwas mehr Höhe tut Wunder. Ich hatte im Siemens Hochhaus, 9. Flur, Balkon (Nonnendamm, U-Bahnhof Rohrdamm) nur dann einen sauberen Empfang wenn ich die Antenne fast ganz eingeschoben hatte. Sonst war alles übersteuert. Ansonsten lauter und deutlicher Empfang von acht Sendern.
Interessant wäre es jetzt noch festzustellen, inwieweit ein Empfang außerhalb Berlins möglich ist. Werde ich noch probieren.
Könnt ihr euch vostellen, wie komisch das aussah als ich mit diesem Gerät durch die Straßen Berlins gegangen bin? Anfangs kam ich mir' n bischen blöd vor...
Hat sich allerdings schnell gegeben. Durch guten Empfang. Ich überlege, ob man das Gerät noch verbessern kann. Zweikreis-Flankengleichrichtung (einer oberhalb, einer unterhalb der Frequenz) an einer Antennenspule?
Gruß, Uwe

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