Dieter Wolbarts Kommentar im RAT als Antwort auf Eric Babours Artikel im Vacuum Tube Vallay



In den USA gibt es das Magazin "Vacuum Tube Valley" - hier ein Link zu der URL dieser Zeitschrift: Link zu VTV.
Wichtig ist die Ausgabe (Issue) 16. Bitte folgt dem Link zu dieser Ausgabe.
Man erkennt, daß diese Ausgabe sich mit der EL 34 befasste. Der Author der den in dieser Ausgabe enthaltenen Artikel über die EL 34 schrieb, war Eric Barbour.
Dieter Wolbart, der mir schon unglaublich mit seinem Wissen für die EL 34- und 6L6-Story half, las sich diese Ausgabe durch und postete dann am 15.07.2001 auf dem Board der Newsgroups von rec.audio.tubes, dem RAT, zeigte alle die fundamentalen Fehler, Behauptungen und Irrtümer auf, die Eric Barbour - der von Svetlana USA kam und als Verfasser zu VTV ging nachdem Svetlana USA Pleite machte - in diesem Artikel veröffentlichte.

Hier der Link zu Dieters Posting.
(Die deutsche Übersetzung folgt weiter unten.)

Die empörte Antwort Eric Barbours folgte auf dem Fuße... - hier der Link zum zweiten Thread mit Barbours Reaktion... - er ist aber sehr schnell von den anderen RATs abgeschossen worden, wie es zu erwarten war... ;-). Link zu Barbours Antwort.

Es folgt nun die Übersetzung. Dieter schrieb mir zu seiner Übersetzung noch dies:

Ich habe in der Einleitung bemerkt, dass die Information im deutschen Sprachraum so nicht sehr nuetzlich ist, da es sich um meine Erwiederungen auf einen aktuellen Artikel im VTV handelt.
Ohne ihn im gesamten Umfang zu kennen, ist vieles aus dem Kontext gerissen. Wie Du sehen wirst haben ich immer nur den einleitenenden Originalsatz, auf dem ich meine Erwiederung gegeben habe, kurz zitiert.
Es fehlt damit also die weiterfuehrende Information des Originals. Das habe ich natuerlich dem Leser ueberlassen, dass im VTV selbst nachzulesen... (Copyright...)



Hallo Jochen,
Hier ist die Uebersetzung meines Artikels, den ich seinerzeit im RAT abgesetzt hatte. Der war in Erwiederung auf einen Artikel im Vacuum Tube Valley Magazin, den der Eric Barbour "verbrochen" hatte und der einige fundamentale Fehler aufwies. Aus diesem Grunde kann man wohl nur einige Teile davon verwenden, da, ohne den VTV gelesen zu haben, das eine oder andere nicht so den rechten Zusammenhang ergibt. Ueberhaupt ist es Vorteilhaft, wenn man mit VTV und deren Hintergrund vertraut ist. Das gilt natuerlich auch speziell fuer Eric, der von Svetlana USA kam – eine Menge seiner Veroeffentlichungen sind auf deren Webseite zu finden – und als Verfasser zu VTV ging, nachdem Svetlana USA Pleite ging.

So, hier kommt es ..

Nachdem ich den Artikel in VTV#16, "Life and Times of the EL34" gelesen habe, muss ich gestehen, dass ich, gelinde ausgedrueckt, geschockt bin ueber die Vielzahl der darin erhaltenen Missinformationen.
Obwohl eine grosse Menge der Informationen korrekt ist, zuviel ist einfach zu falsch, und damit kann man dieses Werk nur als nicht vorteilhaft fuer irgendjemanden ansehen. Tatsache ist, die inkorrekten Anteile in diesem Artikel qualifizieren ihn als "1 A Bullenscheisse".

Ich moechte die Aufmerksamkeit auf einige der in Frage gestellten Paragraphen richten. (Es tut mir leid, aber es wird lang werden, um es korrekt darzustellen...)

Seite 16:
"Herstellung von Gitter-ausgerichteten BPT (z.B. EL37), die..."
Dies ist voelliger Unsinn. Die EL37 ist, war, und wird immer eine echte Pentode bleiben, mit dem dafuer typischen, weitmaschigem Bremsgitter (G3), wie bei allen anderen Pentoden auch; nicht den ausgerichteten Strahlbuendelformern, die es nur bei BPT wie der 6L6/KT66, 6550/KT88, 7591 usw. gibt.

Seite 17:
"aggressives Marketing, so die zulaessigen 800V erscheinen,..."
Nicht nur Philips, sondern beide, Telefunken und RFT erlauben die gleichen 800V fuer Class B PP Anwendung. Somit quetschte man effective 100W bei 5% Harmonischer Verzerrung aus nur zwei Roehren! Es gab jede Menge kommerzieller Anwendungen, die diese Konfiguration benutzten. Funkenueberschlag zwischen Anschluss 2&3 trat vereinzelnd auf, speziell in feuchter Umgebung, aber nicht zwischen Anschluss 4&5, wie behauptet.
Es scheint, die 800V sind in der Praxis weniger ein Thema, da anderenfalls die anderen beiden Hersteller es nicht unterstuetzt haetten. Nebenbei, Svetlana unterstuetzt es nach wie vor ..

Seite 19:
"Herstellungsdatum fuer Eindhoven Xf2 ist: Xf2 X7H."
Das ist falsch. Der Fabrikcode "X" gibt den Philips Standort Sittard an, genau im Herzen von Limburg – ja, das ist dort wo der beruehmte Limburger Stinkekaese herstammt ;-)

Sittard ist sogar sehr nahe bei dem anderen Philips Standort in Heerlen gelegen, direkt gegenueber der Grenze zu Deutschland. Eindhoven dagegen liegt weiter Nordwestlich. Es waere das gleiche, als wenn man sagen wuerde RCA Roehren wurden in Newark gemacht – oh Verzeihung, TungSol – anstelle in Harrison, nur weil es auch in NJ liegt!
(Anm.: TungSol’s Standort war natuerlich in Newark, NJ. RCA hatte selbstverstaendlich dort keine Aktivitaeten, die waren in Harrison, NJ angesiedelt.)

So nebenbei, die Einhovener Roehrencodes sind T, 1, 2, 3 (auch 6, 7, 8 fuer Spezialanwendungen).

Weiter auf Seite 19:
"wahrscheinlich von Tungsram hergestellt."
Unsinn, Tungsram hat niemals eigene EL34 hergestellt. Tungsram war nur ein anderer der vielen Vorkriegsmarken – als waren Mullard, Pope, Valvo usw., usw. – mit vielen der Fabrikstandorte in Oesterreich, England, Frankreich und Ungarn.
Nach dem Krieg blieb der Name noch fuer die Produktverteilung eine Weile im Westen erhalten, wogegen die Fabrik in Ungarn in Staatsbesitz ueberging, nachdem der eiserne Vorhang fiel..

Tungsram in Ungarn verblieb in den Jahren danach einer der groessten Hersteller des Ostblocks und produzierte wahrlich feine Roehren – die wundervollen E80CC oder EL84 kommen da einem in den Sinn. Allerdings wurden keine EL34 gefertigt, diese, komischerweise, waren Tesla’s und RFT’s Gebiet, aber darueber mehr..

Weiter auf Seite 19:
"Telefunken gekennzeichnete Roehren (anm. er spricht von den fruehen 50er Jahren) wurden aktuell in Eindhoven gemacht. "
Wo in aller Welt kommt diese Information her, tss, tss... TFK hat bald nach Philips mit der Fertigung von Metallsockel-EL34 begonnen. Die erste Version hatte die schraegen Doppelgetter, nicht unaehnlich der haeufig anzutreffenden bei GE oder Sylvania, allerdings in einem schlankeren Kolben. Alle spaeteren Ausfuehrungen hatten dann die Getteringe horizontal angeordnet. EL34 von TFK sind deutlich unterschiedlich von den Philips Versionen, und koennen einfach nicht verwechselt werden. Nebenbei bemerkt, es scheint, dass Philips und TFK die einzigen westeuropaeischen Hersteller der EL34 waren. Aus diesen Grunde gilt für jede westeuropaeische EL34, egal ob gestempelt als Siemens, Lorenz (SEL/ITT), oder was sonst immer, sie kamen von einem der beiden Hersteller.

TFK hatte natuerlich, weil dies eine normale Handlung war, Philips Roehren (spaeter RFT) unter dem eigenem Namen verkauft wann immer notwendig, um den Bedarf zu decken. Man muss bedenken, dass TFK weitaus geringere Stueckzahlen fertigte, da sie nur zwei Werke, eins in West-Berlin, das andere in Ulm, hatten.

Seite 20 – wiederholt in mehreren Absaetzen:
"eine Niederlassung von ITT in Ostdeutschland.", "vertrieb die schlanke Ostdeutsche EL34..", dann weiterhin erwaehnt: "nach Aussage von Kevin Deal von Upscale Audio, weder Lorenz noch RFT hat jemals EL34 gefertigt.."
Mensch, das ist ein schlechter Witz!!! Ueber eine derartige Falschaussage schmeisse ich mich glatt auf den Boden..

Bevor ich in weitere Einzelheiten ueber RFT einsteige; ich finde es schwierig zu glauben, dass Kevin eine solche Aussage gemacht haben soll. Er ist schon derartig lange in diesem Geschaeft, dass ihm hunderte RFTs untergekommen sein muessen..
(Anm.: Kevin Deal ist einer der aeltesten NOS Haendler in USA und kennt sich normalerweise recht gut damit aus.)

Hier sind einige Fakten ueber RFT, die ehemalige und nun leider untergegangene staatliche Ostdeutsche Konzerngruppe von mindestenst einen halben Dutzend Fabriken, die alles von Roehren bis zum C-MOS herstellten.

Aber erst muessen wir einmal zurueckgehen aufs Jahr 1945 und dem Ende des 2. Weltkrieges, um ihr Roehrengeschaeft zu verstehen. Die Roehrenwerke von AEG/Telefunken waren in den Staedten Berlin, Erfurt und Neuhaus angesiedelt. Auch Loewe Radio hatte sein Werk in Berlin gehabt. Die Lorenz AG war in Mühlhausen, sowie eines der Siemens Werke in Rudolstadt, also alle im ostdeutschen Teil Deutschlands.

Nach dem Krieg hat sie alle das gleiche Schicksal getroffen.. - Beschlagnahme durch die Russen. Einige der Werke wurden allen Inventars beraubt, andere ueberlebten, wenn auch zerlumpt.

Ostdeutschland (offiziell DDR genannt) hat mit der Fertigung von Roehren wieder in den spaeten 40ern mit Hilfe von einigen ehemaligen Werksangehoerigen begonnen. Einige sind dann auch geblieben, andere sind spaeter in den Westen geflohen. Das ehemalige AEG/TFK Werk, das jetzt im Ostteil von Berlin war, nannte sich jetzt VEB Werk für Fernsehelektronik, und produzierte die allerersten EL34 in den fruehen 60er Jahren. Diese als WF gestempelte Ausfuehrung war von unglaublicher Qualitaet, und mit die besten, die jemals in der DDR produziert wurden.
(Es ist interessant zu wissen, das RFT die Daten unter Gelbe Serie, also Spezialroehren, publizierte.)

Auf Grund der beengten Verhaeltnisse, sowie von Politik, wurde die Produktion in den spaeteren 60er ins VEB Röhrenwerk Mühlhausen verlegt, dem frueheren Roehrenwerk der Lorenz AG. Allerdings hatte dieses Werk nichts mehr gemeinsam mit der (ITT) Lorenz Gruppe im westdeutschen Esslingen. Wie schon vorher bemerkt, Lorenz hat nicht einmal EL34 selbst hergestellt, sie kamen allesamt von Philips oder RFT!
Die typische, schlanke RFT "dimple top", die man heutzutage ueberall auf der Welt findet, und egal was draufsteht, kamen exclusiv aus diesem Werk.

So, warum sollte man sich ueber diesen Artikel erregen… Ganz einfach, ein Magazin wie VTV, dass sich einer grossen Leserschaft erfreut, hat die Verantwortung nur einwandfrei untersuchte Tatsachen zu verbreiten und nicht Spekulationen, speziell als viele "tube heads" blind alles glauben was ihnen vorgesetzt wird – sie wissen es nicht besser, woher sollten sie auch ..
(Anm.: >tube heads< ist der etwas abfaellige, US-amerikanische Ausdruck fuer jemanden der glaubt, Roehren zu kennen aber nicht gut Bescheid weiss – eben die Leute, die eine Menge Unsinn in den Foren vertreiben... Ich kenne das deutsche Pendent dazu leider nicht.)
Man muss nur vorbehaltlos sehen was passierte, nachdem der VTV Artikel ueber die 42er Sylvania Metallsockel 6SN6W im Vergleich zu anderen positive Empfehlungen bekam!
Ich habe schon die ersten Reaktionen auf diesen (EL34) Artikel bemerkt, als einige der "selbsternannten Experten" inzwischen schon angefangen haben mit ihren Kiefern zu klappern. Wir koennen uns darauf verlassen, dass wir in Zukunft noch mehr von deren Muell hoeren werden.
Nun, Sie werden wohl fragen, was mich einen solchen Experten macht, VTV zu kritisieren – obwohl ich nicht behaupte, dass ich einer bin, als da sicherlich eine genuegende Anzahl von Leuten sind, die einiges mehr ueber Roehren wissen als ich. Somit ist das ist wirklich eine gueltige Frage.

Es hat sich halt so ergeben, dass ich in der wunderschoenen, norddeutschen Stadt Hamburg geboren, aufgewachsen und ausgebildet wurde. Als Electronic Ingenieur habe ich einen Teil meiner professionellen Laufbahn bei Philips zugebracht. Valvo, die natuerlich zu Philips gehoeren, stellten nicht nur Roehren her, sondern alle Arten von aktiven und passiven Bauelementen. Die Vielzahl der Fertigungen auf dem Valvo Fabrikgelaende war unglaublich, speziell die Roehrenfertigung, die natuerlich am eindruckvollsten war. Ich hatte dort einige meiner interessantesten Jahre und Einsichten; fuer nichts in der Welt haette ich es verpasst haben wollen ;-)

Oh ja, noch eine Sache bevor ich abschliesse. Die Code Liste fuer Philips und seinen liierten Partnern auf Seite 15 ist im hoechsten Masse lueckenhaft. Einige der groessten Hersteller wie Philips Heerlen (immerhin Hersteller der famosen E80CC, sowie anderer guter Dinge!), mehrere Mullard Fabriken in England, La Radiotechnique in Frankreich, Siemens/Muenchen, Ei/Nis usw., usw. sind nicht erwaehnt.

Ich habe mir die Freiheit genommen und eine komplette Liste zur Verfuegung gestellt. Die kann alternativ auch auf Ned’s Webseite gefunden werden - http://store.yahoo.com/triodeel/index.html -, zusammen mit einer praktischen Excel Tabelle, die ich vor einiger Zeit mal zusammengestellt habe. Diese erlaubt eine Suche nach jeder Roehre, entweder bei Type oder Code.

Bitte besucht auch meine Bildergalerie fuer mehr spezifische Details.

Ich hoffe, das dieses Posting von Interesse fuer alle die ist, die an der Geschichte der europaeischen Roehrenfertigung interessiert sind.

Tschuess, Dieter

P.S. Ich ermutige jeden vorzutreten mit Aenderungen oder zusaetzlich-faktischen Informationen. Denn das ist doch schliesslich, worum es am Ende geht. ;-)