Meinungen und Kommentare über AlNiCo-Lautsprecher
von Besuchern meiner Homepageseiten




Wolf (aus Wien) schrieb:
Ich habe vorige Woche mein erstes Boxenpaar mit SABA Chassis "a la Kaspie" fertiggestellt, nachdem ich auf Jogis Seite darauf aufmerksam geworden bin. Einige gute SABA-Schnäppchen auf eBay sind mir auch gelungen - und los gings.
Ich habe inzwischen heftig verglichen, mit meinen JMLab Electra 926 und den alten Infinity IRS Delta. Das vorläufige Ergebnis: Im Frequenzbereich der menschlichen Stimme sind die SABAs eindeutig die besten! Hochtonauflösung ist besser als bei JMLab und in etwa gleich wie bei den Infinity Magnetostaten.

Vorteile:
- absolut realistische Klangfarben und Rauminformationen
- dreidimensionale Abbildung der Sonderklasse
- tolle Feindynamik, auch Lautstärkeunterschiede im Marginalbereich sind erkennbar
- direkte, kommunikative Art der Wiedegabe (Du kriegst das Gefühl die Sängerin singt nur für Dich!!)
- irre hoher Wirkungsgrad, daher exzellente Eignung für SE-Trioden

Die Nachteile sind:
- schlechte Aufnahmen werden (bis zu) unanhörbar (eigentlich ein Qualitätsmerkmal!)
- zu wenig Tiefbass, da fehlt sogar schon sehr tiefen Bass-Stimmen Volumen
- zu niedrige erzielbare Lautstärke insgesamt, daher limitierte Grobdynamik
- starke Bündelung und daher Festlegung auf "Sweet Spot" (Für mich kein Nachteil)

Gruß aus Wien
Wolf



Christian Schmidt schrieb:

Hallo Jochen,
unter 'Lautsprecher' werden im Unterpunkt 'Meinungen' Aussagen zum Klang von SABA Alnico-Breitbänder gesammelt. Dort befindet sich z.Z. nur eine Meinung, die ich um meine Klangeindrücke ergänzen kann.

Ich habe mir ein Lautsprecherpaar mit einen SABA-Breitbänder (20 cm, Baujahr 1953, 19-200 5298 U8 5Ohm, die Version mit dem Magnet im geschlossenen Topf) plus 10 cm Bakelithochtöner (mit 5 F angekoppelt, im Moment entsteht eine Box mit 2 F zum Vergleichen) nach den Vorgaben aus Herrn Wilimzigs Buch 'Höchst empfindlich' gebaut und bin sehr positiv überrascht von den Qualitäten dieser alten Lautsprecher. Mittlerweile habe ich mir weitere gleiche SABAs gekauft. Das Ziel ist der Selbstbau einer 5.1 Anlage, bestehehnd aus 5 identischen 'Wilimzig-Boxen' plus einem großen ovalen Graetz-Alnico-Breitbänder für den Bass. Angetrieben werden die Boxen mit einem 6-Kanal-Vollverstärker (NF-Stufe mit - erst mal - ECL86 im Eintaktbetrieb). Natürlich nicht zum Fernsehen, sondern für DVD-Audio und SACD Multichannel...

Klangeindrücke:

Einige Statements zum Klang (SABA Breitbänder mit 10 cm Bakelit-Hochtöner): - Extreme dreidimensionale Raumdarstellung, auch in der Höhe
- Beste Ortbarkeit aller Instrumente auch beikomplexen Passagen
- Sehr gute Hochtonauflösung
- Sauberer Bass mit vielen Klangfarben
- Sehr gute Impulswiedergabe auch bei sehr kleinen Lautstärken (man erschreckt sich bei unbekannten Aufnahmen oft, wenn plötzlich 3 m links oben vom linken Lautsprecher entfernt ein Percussion-Einsatz kommt. Ich habe oft gedacht, es wäre irgendwo im Regal etwas umgefallen, dabei kam es von CD oder LP)
- Der Klang löst sich komplett vom Lautsprecher. Bei einem Abstand der Lautsprecher von ca. 2 m und einem Hörabstand von etwa 3,5 m ist das Klangbild etwa 8 m breit und 3 m hoch, Raumtiefe hängt von der Aufnahme ab. Man 'sieht' das Klangbild mit offenen Augen (bei meinen Linn Keilidh Standboxen - und nicht nur da, sondern auch bei deutlich teueren Lautsprechern in HiFi-Studios - musste ich immer den Raum abdunkeln bzw. die Augen schließen und mich auf das Klangbild konzentrieren. Nun kann ich quasi den Musikern mühelos beim Musizieren zuschauen)
- Die Musik swingt, was wohl mit der berühmten 'Zeitrichtigkeit' der weichenlosen Lautsprecher zusammen hängt.
- Sehr gute Feindynamik (Tipp: Sinnead O'Connor, Universal Mother, Stück 'All Apologies'. Die Stimme ist sehr direkt aufgenommen, man hört mitunter das Geräusch sich öffnender Lippen beim Singen), kleinste Details selbst oft gehörter Aufnahmen werden plötzlich deutlich hervorgearbeitet.
- Ehrliche Klangfarben, kaum Verfärbungen (war meine größte Sorge, ist aber unbegründet). Ich habe mal einen Frequenzgang eines solchen Lautsprechers in eingebautem Zustand gesehen. Geht etwa bis 100 Hz runter, ist aber recht zappelig bis ca. 12.000 Hz mit einigen schmalbandigen Senken und Peaks, die aber am Hörplatz nicht mehr in Erscheinung treten.
- Es ist absolut unangestrengtes Hören über Stunden möglich, man muss sich nicht auf Dinge konzentrieren wenn man sie wahrnehmen möchte. Der Klang ist sehr 'lässig'.
- Sehr gute Stimmwiedergabe
- Schlechte und mittelmäßige Aufnahmen klingen schlapp bis verfärbt.
- Die Vorteile der neuen digitalen Hochbitformate (SACD und DVD-Audio) werden sehr deutlich herausgearbeitet.
- Bis auf den Bass erinnert mich der SABA-Lautsprecher sehr an den Klang meines Kopfhörers (Sennheiser HD 600) hinsichtlich Auflösung und Schnelligkeit...

Was können die SABAs nicht: - Lautstärke in Fetendimensionen bzw. Orchester in Originallautstärke.
- Tiefbass fehlt, aber der Bass, der da ist wird aber sehr präzise, schnell und trocken wiedergegeben. Dass Männerstimmen Volumen fehlt kann ich nicht bestätigen, aber ich habe auch keine Ivan Rebroff-Aufnahme gehört...
- Den Raum mit Klang erfüllen, denn durch die Bündelung ist man auf eine Hörposition festgelegt. In der 5.1 Ausbaustufe wird sich dieses Problem sicher von selbst lösen.
- Belastbarkeit etwa 5 Watt, aber schon mit 1 Watt kann man ausreichende Lautstärke erzielen (Stereopaar etwa 98 dB in 1 Meter), je lauter der SABA aber spielt desto eher treten seine Vorteile in den Hintergrund, mehr als 3 Watt mag ich nicht geben wollen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass dann das Gehäuse zunehmend störende Eigenleben entwickelt.

Aufstellungstipps:

Wegen der fehlenden Bassenergie (unter ca. 100 Hz fällt der Frequenzgang ab, zum Glück nicht sehr steil). Sind die Lautsprecher am besten in Rückwandnähe auf dem Boden untergebracht. Sie müssen wegen der starken Bündelung direkt auf den Hörplatz ausgerichtet werden (horizontal und vertikal, also etwas unterlegen!), man sollte quasi direkt senkrecht auf die Staubschutzkalotte blicken.

Meine Anlage: Plattenspieler: Linn LP12 mit Akito und Audio Technica-System SACD: Sony SCD 770
DVD-Audio: Panasonic A-7
Vorverstärker: Linn Kairn
Endstufe: Röhre, McFarlow F1 MkII (Gegentakter EL34 aus China)
Tuner: Technics ST 9600 Analog
Auswahl einiger gute Scheiben Musik (aufnahmetechnisch): SACDs Peter Gabriel: Up und Us
SACD Pink Floyd: Dark side of the moon
DVD-Audio Joni Mitchell: Both sides now
CD Paul Simon: The One
LP Yello: One second
+ diverse Klassikscheiben LP
PS: Ich würde mich sehr über einen Erfahrungsaustausch mit anderen SABA-Freunden und Interessierten freuen. Bitte geben Sie für den Fall einer Veröffentlichung auf Ihrer Seite meine email-Adresse mit an.

Mit freundlichen Grüßen Christian Schmidt - eMail: C.Schmidt@dlr.de


Stefan Schmid schrieb:

Hallo Jogi,
ich besuche sehr häufig Deine Seite und finde sie herausragend unter den deutschsprachigen Seiten zum Thema Röhren, -verstärker und die vielen interresanten Sachen drumherum (Röhrenprüfer, Regeneriergerät etc.). Ich baue und restauriere sehr gerne Röhrenverstärker (vornehmlich Eintakter; Restauration alter UK und US-Geräte aus den 50er + 60ern) und auch Lautsprecher (möglichst Breitbänder).
Ich bin kein Forentyp, suche aber trotzdem den email- oder - noch besser - persönlichen Kontakt zu Gleichgesinnten.

Was mich letztlich bewogen hat, Dir zu schreiben, sind meine derzeitigen Erfahrungen mit den Saba Alnicos:

Meine derzeitige Anlage besteht aus einem Marantz CD 17, einem Paar Lowther DX 4 in den kleinsten Bicor-Hörnern und einem selbstgebauten PP-Röhrenverstärker mit 6V6 und 6SL7 in der Vorstufe. Lautstärkerregelung erfolgt über den variablen Ausgang des CD-Players. Ich bevorzuge zwar Eintaktverstärker, habe aber gerade keinen aufgebaut.
Die Lowther sind für mich trotz ihrer Schwächen der mangelnden Tiefbassfähigkeit und des nach hohen Frequenzen hin stetig ansteigenden Lautstärkepegels bis dato der Inbegriff des optimalen Lautsprechers; ich stelle Dynamik und Räumlichkeit vor tonale Ausgewogenheit. Der hohe Wirkungsgrad von 98 dB kommt meinen Eintaktern mit ihren paar Watt zudem sehr entgegen.
(Gegenüber vorher gesammelten Eindrücken mit Fostex FP 163, FP 203 und FP 208 Sigma in diversen Hörnern sind die Lowther im Hochtonbereich einfach spritziger und räumlicher)
Den schwächlichen Bass, der etwa bis 80 Hz herunterreicht habe ich mit einem Eckhorn-Subwoofer mit Aktivmodul um eine Oktave bis ca. 35Hz nach unten erweitert und dem Pegelanstieg könnte ich mit einem Saugkreis und einer Impedanzlinearisierung zu Leibe rücken.

Aber: ich habe dann den 'Rummel' um die Saba Alnicos auf Deiner Seite verfolgt und mich kurzfristig entschlossen, zwei Pärchen der 20 cm Breitbänder mit 10 cm Hochtöner bei ebay zu ersteigern:
es handelt sich um die 20 cm-Typen 5298 U8, 5 Ohm (je ein Paar mit Bügelmagnet und Tigges-Topfmagnet) und die Bakelit-Biegewellenwandler 1070 DU15, 5 Ohm.
Alle Lautsprecher sind top erhalten und - nach meiner Meinung - einen Durchschnittspreis von 100,- pro Paar (20 + 10 cm) durchaus wert.

Die 20 cm-Chassis habe ich in Boxen aus 12 mm Kiefersperrholz mit den Abmessungen 100 x 28 x 29 cm (H x B X T) eingebaut, mit dem Zentrum der Membran auf Ohrhöhe = 85cm. Die Boxen sind hinten komplett offen und unbedämpft, d.h. eigentlich offene Schallwände. Die 10 cm-Hochtöner habe ich an sehr dünnen Messingstäben direkt vor das Zentrum der 20er befestigt, der (Bügel-) Magnet des 10ers hat noch etwa 3 mm Abstand zur Membran des 20ers; erscheint mir etwas wenig, werde hier noch 1-2 Unterlegscheiben unterfüttern.
Ich habe so eine Art Koaxlautsprecher realisiert, mit einer Ankopplung des 10ers über einen 2.2F Ölpapierkondensator. Also ein 1,5-Wege System mit beiden Chassis in der gleichen Polung.
Die 20er habe ich ohne Gummis direkt von hinten gegen die Schallwand geschraubt und als Abstandshalter U-Scheiben verwendet, damit sich der Filzring nicht zusehr anpresst und der Korb sich nicht verzieht.

Das Ergebnis entspricht voll meinen Erwartungen aus dem Kapitel 'Höchst Empfindlich', d.h.
ICH BIN ABSOLUT BEGEISTERT !!!

Sachlich formuliert:
Im Vergleich zu den Lowther haben die Sabas einen wesentlich besseren Grundtonbereich (obere Basslagen) und klingen gerade bei Stimmen aber auch sehr guten Instrumentalaufnahmen (z.B. Al DiMeola) einfach natürlicher. Sie sind sehr schnell und ich entdecke hier und da Nuancen, die mir vorher verborgen waren, oder das ausgeprägte Knarrzen eines Kontrabasses oder die Percussion im Hintergrund etc, etc...
Der Bass reicht jetzt trotz der offenen 'Kisten' hinunter bis etwa 60 Hz und ich bekomme bei der gleichen Einstellung des Subwoofers jetzt Dröhneffekte.
Ich habe selbst mit den Lowther nie wirklich eine 3D-Räumlichkeit erlebt und mein Eindruck ist, das die Sabas hier ein kleines Stück mehr Raum aufspannen als die Lowther. Beide Lautsprecher vermögen jedoch eine sehr gute 2D-Abbildung, die sich auch ausserhalb der Boxen ausdehnt, d.h. sich von den Lautsprechern löst. (Es gibt z.B. auf der linken Seite Ereignisse, die links von der Box zu hören sind.)
Der Übergang vom 20er und 10er ist nicht auszumachen: die 2.2 F erscheinen optimal - aber vielleicht kann man durch die Variation des Wertes bis 6.8 F die 3D-Abbildung beeinflussen ?
Der Wirkungsgrad liegt wohl bei 95 db und damit dürfte auch mit 1 W-Minitrioden noch eine ausreichende Lautstärke erzielbar sein.
Ich empfinde die Sabas jedoch als 'angestrengt' wenn gehobene Zimmerlautstärke überschritten wird. Hier sind die Lowther etwas im Vorteil. Aber ich höre auf Dauer eh nur Zimmerlautstärke.
Gefühle und Empfindungen sind immer schwer in Worte zu fassen aber ich möchte mein Hörempfinden mit den SAbas umschreiben mit "in die Musik hineintauchen" Bei schlechten oder mittelmäßigen Aufnahmen - wie es leider 80% meines Bestandes sind - vermögen sie jedoch ebenso wenig wie die Lowther Wunder zu bewirken: hier sind die kommerziellen Bassreflex-Regalböxchen mit ihrer fragwürdigen aber sehr populären Abstimmung wohl im Vorteil.
Mein Fazit ist, daß diese Lautsprecher völlig zu Recht 'Kultstatus' geniessen und ich mir noch ein weiteres Reservepärchen zulegen werde.

Viele Grüsse und bitte weiter so.

Stefan Schmid, eMail: Stfn574@aol.com


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