Radiostern, ein Selbstbauempfänegr mit K - Röhren
von "Bastelkarpo" Peter


Hallo Jogi!
Nachdem ichīs ja nun schon einige Male angekündigt hatte, mache ich jetzt ernst. Hier ist sie nun also, meine Audion Empfangsanlage im Stil der 20er Jahre. (Hoffentlich bekomme ich jetzt keinen Ärger, weil ich doch keine Audion Versuchserlaubnis habe. Die Reichs Telegrafen Gesellschaft möge mir vergeben !)

Die Fertigstellung hatte sich doch noch einige Male verzögert. Mal hatte ich einfach keine Zeit, dann fehlte die KL 1, irgendwas kam jedenfalls laufend dazwischen. Hinzu kommt, dass ich parallel dazu immer noch an anderen Projekten werkelte und so hat die Sache ordentlich Zeit in Anspruch genommen. Nun istīs aber endlich fertig und ich bin mit meinem Werk eigentlich recht zufrieden.
Meine Idee war, einen Empfänger zu bauen, ohne Anlehnung an ein Industriegerät, so wie es ein ambitionierter Radiobastler vielleicht in den 20er, 30er Jahren gebaut hätte. Dazu wollte ich aus meinem Sammelsurium an Bauelementen möglichst alte verwenden, damitīs halbwegs stilecht wirkt.
Von Anfang an stellte sich die Frage nach den passenden Röhren. Leider konnte ich nicht auf eigene Bestände zurückgreifen, und so recherchierte ich erst mal nach Preisen und Angeboten. Hierbei stellte sich schnell heraus, das entprechende Europasockelröhren der RE - Reihe mein Budget gesprengt hätten.
Ich hatte zu dieser Zeit einmal Herrn Vorrath vom TSV Vorrath (siehe Firmenlinks), da wohnte er noch hier in Bln. Zehlendorf, besucht und einige Dinge bei ihm erstanden. So kam ich unter anderem auch in den Besitz der der wunderschönen Papphülle für die Anodenbatterie.
Herr Vorrath ist ein überaus netter und engagierter Zeitgenosse und ich hätte mich stundenlang mit ihm unterhalten können, alleine seine Sammlung historischer Geräte und seine liebevoll gefertigten Repliken, einfach toll.
Kurzum, er hatte mich auf die Röhren der K-Reihe gebracht. Diese sind scheinbar noch in größeren Mengen vorhanden oder stehen in der Gunst von Sammlern und Bastlern nicht so hoch, jedenfalls sind sie noch öfter in gutem oder sogar neuwertigem Zustand zu bekommen.


Ich habe meine "in der Bucht" ersteigert, und die Preise sind überaus fair geblieben. Diese Röhren sind für so ein historisches Radio wie geschaffen, sehen toll aus und sind für diesen Verwendungszweck leistungsstark genug. Außerdem sind sie recht sparsam mit dem Heizstrom und lassen sich sehr praktisch aus nur einer Bleiaccuzelle speisen. Mein 5-Amperestunden-Accu hält ewig, bis er mal wieder geladen werden muss. - Ich habe da einen amerikanischen Dryfit-Acku vom großen C genommen, ihn in ein schickes Kästchen gebaut und das wars !




Die Anodenbatterie, von der ich schon die Papphülle erwähnt hatte, habe ich in einem Sperrholzgehäuse untergebracht. Die Steckbuchsen für die Gittervorspannungen sind nicht beschaltet, weil ich ein solches Radio warscheinlich nicht noch einmal bauen werde. Sollte ich es doch eventuell mal brauchen, kann ich jederzeit ein paar Spannungsregler nachrüsten.


Ich hatte erst über die Verwendung von 9 Volt Batterien 6F22 nachgedacht, aber dann bekam ich diesen schönen 12 Volt Dryfitaccu geschenkt, im Gehäuse ist genug Platz und somit habe ich dann einen kleiner Transverter für 50, 70 und 90 Volt gebastelt.
Hier kam mir mein Beruf als Autoelektriker entgegen. Bei uns in der Firma fallen öfter defekte Vorschaltgeräte 24 Volt für 8 Watt Leuchtstofflampen an, da hab ich mal ein wenig dran rumprobiert, schwingen noch bei 12 Volt sicher an.
Also den verschmorten Teil der Leiterplatte abgesägt, Wandlertrafo 3 neue Sekundärspulen drauf, kleine Leiterplatte mit den 3 Gleichrichtern und Siebketten angefertigt, in ein Kupferblechgehäuse gelötet, über Durchführungskondensatoren Spannungen raus und, siehe da, funktioniert prima. Kein Störspektrum festzustellen.
Unter die 90 Volt Buchse habe ich einen Miniaturschalter gesetzt, der den Transverter einschaltet, sobald ich einen Stecker einstecke.




Den Empfänger kann ich wahlweise über Kopfhörer oder meinen Freischwingerlautsprecher betreiben. Bei Kopfhörerbetrieb empfiehlt es sich aber, die KL 1 rauszuziehen und eine KC 1 reinzustecken, sonst fliegen einem die Ohren auseinander ! Das ist ohne weiteres möglich, weil ja der Mittelstift fürīs Schirmgitter bei der KC 1 nicht vorhanden ist.

Beim Bau des Laustsprechers hab ich lange drüber nachgedacht, wie ich das Gehäuse gestalte. Nochmal oben rund, wie bei meinem "Volxempfänger" - nein Danke, davon hab ich heute noch die Nase voll - zu viel Arbeit und Arbeit zieht ja bekanntermaßen Arbeit nach sich !
Also hab ichīs so gemacht, wie auf dem Bild ersichtlich.

Das Lautsprechergitter und die beiden Blendringe mit der Laubsäge auszufiedeln hat mir schon gereicht. Manch einer hat einen Tennisarm, ich hab einen Laubsägearm !
In seinem Inneren werkelt ein alter DKE Freischwinger, der schon bessere Zeiten erlebt hat. Der lag wohl mal in einem feuchten Keller, war völlig verzogen und in den aufgequollenen Korb hab ich erst wieder mit ordentlich Lack Festigkeit bekommen. Hierfür reicht er aber noch und das geschlossene Gehäuse verwehrt einen Blick darauf.


Einzig gewebeisoliertes Kabel und ein paar vernünftige altdeutsche Bananenstecker für Heizung-, Anoden- und Lautsprecherleitungen muß ich mir noch irgendwoher besorgen. Die von mir verwendeten Gummileitungen passen einfach nicht dazu. Weis jemand eine Bezugsquelle ? Das von Jan W. gefällt mir auch nicht so recht, wäre aber schon mal besser.

Am Audion selbst hatte ich natürlich die meiste Arbeit. Zu der Schaltung gibt es eigentlich wenig zu sagen, sie ist ja allgemein bekannt und ich habe sie aus einem alten Radiobastelbuch mit Einkreiserschaltungen für meine Zwecke entsprechend modifiziert.


Die Umschaltung auf LW hab ich weggelassen und auf den Rückkopplungsdrehko verzichtet, weil ich ja zur Rückkopplungsregelung den Spulenschwenker verwende. Den anstelle des Drehkos eingesetzten Festkondensator habe ich so bemessen, das der Einstellbereich der Schwenkspule einen sicheren Einsatz der Rückkopplung gewährt.
Den Spulenschwenker und die Wabenspulen habe ich selbst angefertigt, was das für eine Arbeit macht brauche ich sicher hier nicht erwähnen. Die Details habe ich vergrößert abgebildet. Die kleinen Schildchen um die Telefonbuchsen stammen übrigens auch von Herrn Vorrath, sie runden die ganze Sache ab.




Den Drehknopf für die Abstimmung werde ich noch gegen ein größeres, schöneres Modell austauschen, wenn mir mal eines in die Finger kommt. Vielleicht weiss ja auch dafür jemand eine Bezugsquelle, ein Abguss eines historischen Knopfes würde mir schon reichen. In der Bucht werden ja dann und wann solche alten Drehknöpfe angeboten, aber die Preise haben mich dann doch meistens abgeschreckt.

Das Gehäuse habe ich wie bisher bei allen meinen Geräten aus Sperrholz angefertigt, gebeizt und mit seidenmattem Lack lackiert. Das kleine Typenschildchen habe ich noch aufwändig auf Messingblech geätzt, für den Lautsprecher hab ichīs auf Folie gedruckt und auf Kupferblech geklebt, s.oben, das erste Foto.

Die im Inneren verbauten Teile habe ich natürlich vor der Verwendung durchgemessen.


Batterien ran, Kopfhörer ran und der Empfänger spielte auf Anhieb. Ich habe mir dann noch einige Wabenspulen mit anderen Wicklungszahlen gewickelt (der gewebeisolierte Kupferlackdraht ist von Oppermann, s. weiter oben) und damit rumprobiert. Hier in Berlin drückt ja der Ortssender alles zu, und ich bin schon gespannt was der Empfänger auf meinem Grundstück, abseits der Berliner Elektrosmogglocke, an einer Langdrahtantenne leistet...

So, ich hoffe Euch hatīs gefallen,
viele röhrende Röhrengrüße vom Peter (Bastelkarpo).


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