Der 'Universator'
ein Universal-Induktionsgerät mit der PCL805

-Der zweite Streich des H.M.Sauer im Röhrenbude-Forum-

Hallo zusammen,
ich möchte hier ein Röhrenprojekt vorstellen, das aus der Diskussion mit einem befreundeten Theologiestudenten hervorgegangen ist, Thema "transparente Technologie?. Dazu sind mir natürlich gleich die Röhren eingefallen.
Ich habe das Projekt 'Universator 1' getauft. Obwohl es sich hierbei im Prinzip nur um ein Induktionsgerät mit einen recht einfachen selbsterregten Röhrenoszillator handelt, wie ihn sicher schon viele Röhrenbastler einmal aufgebaut haben, ist der Aufbau eines gut funktionierenden und optisch ansprechenden Gerätes durchaus aufwändig.


Der Oszillator erzeugt über eine Induktionsspule ein hochfrequentes Magnetfeld (50 kHz, 2 Millitesla, ca. 8 W entnehmbare Leistung), mit dem man folgende Dinge tun kann:

       1.  Elektrische Zahnbürsten aufladen. Bei modernen Akku-Zahnbürsten geschieht dies über Induktion.
           Die Zahnbürste enthält hierfür eine Empfängerspule, die auf HF-Magnetfelder reagiert.

       2.  Am Frühstückstisch das Besteckmesser induktiv anwärmen. Dadurch wird kalte Butter 
           wesentlich einfacher streichbar. Diese Anwendung schien mir zunächst ein wenig zu 
           verrückt. Bei meinen Versuchen im eigenen Hause und bei Freunden waren die 
           Testpersonen davon aber sehr angetan. Natürlich kann man auch andere kleinere 
           Gegenstände aus Eisen und Stahl damit erwärmen, zum Beispiel eine Eiszange.

       3.  Licht: der Universator enthält auch eine kleine Leuchtstoffröhre, die bei Bedarf 
           zugeschaltet werden kann. Das Gerät arbeitet nun quasi als Energiesparlampe. 
           Zum Einschalten der Lampe wollte ich ursprünglich einen Schlitz vorsehen, in den man ein 
           Geldstück einwerfen muß (das war die Idee des Theologen). 
           Aus isolationstechnischen Gründen war das aber unpraktikabel. So habe ich das Geldstück 
           (ein 10-Cent-Stück) auf einer Wippe gleich fest mit eingebaut, wo es je nach seiner Lage die 
           Kontakte schließt. Ein- und ausgeschaltet wird das Licht einfach durch Kippen des Universators, 
           nach dem Motto: "Wenn der Groschen fällt, dann geht ein Licht auf ?"

       4.  Ultraschall. Hierzu wird auf die Induktionsspule ein Quarzkristall gelegt, der eine Empfangsspule 
           enthält. Ich habe mal gelesen, dass dieser Ultraschall bestimmte Stechmücken vertreiben soll. Sehr 
           praktisch, wenn man abends im Garten oder auf dem Balkon sitzt und ungestört sein Bier genießen 
           möchte.

       5.  Nicht zuletzt ist der Universator ein Beispiel für eine "transparente Technologie". Nicht nur, 
           dass er selbst bis ins Innerste der Röhre durchsichtig ist, sich optisch perfekt in die moderne 
           Wohnung fügt, und nicht zuletzt Dank der Röhrenheizung ein behagliches Licht aussendet. 
           Er ist auch ohne Handbücher und Tastencodes zu bedienen. Außerdem kommt er trotz seiner 
           vielen Funktionen ganz ohne digitale Chips aus, welche ja mitunter Dinge tun, von denen wir 
           Benutzer nichts ahnen. 
           Gleichwohl erweist er sich als beliebtes Gesprächsthema, und offene Diskussion ist schließlich auch 
           eine Form von Transparenz.


Nun zu den technischen Details. Der selbsterregte kapazitive Dreipunkt-Oszillator wird von einer PCL805 betrieben, wobei das Triodensystem ohne Funktion ist. Die frequenzbestimmenden Teile sind die Induktionsspule L_ind (5,7 mH) und die Kondensatoren 3,3 nF, 4,7 nF und 14,7 nF im Anoden- bzw. Gitterkreis. Die TV-Vertikal-Ablenkpentode PCL805 ist für diese Schaltung besonders geeignet, weil das Pentodensystem sehr hohe Impulsströme zulässt (hier bis 155 mA). Anodenverlustleistung fällt in der Röhre kaum an, da sie im D-Betrieb arbeitet. Der mittlere Kathodenstrom beträgt im Leerlauf knapp 20 mA und bei Volllast etwa 50 mA.

Aufgebaut habe ich das Ganze auf einer runden Lochrasterscheibe, die durch die Öffnung eines 1,5 l Olivenglases passt und über Messingstäbe an einem Acrylglas-Deckel befestigt ist. Die Induktorspule, an der Spitzenspannungen von über 1 kV auftreten, ist in den Deckel eingelassen und mit einem austauschbaren Kunststoffeinsatz versehen, in den man z.B. Metallgegenstände zum Erwärmen hineinlegen kann. Der Schalter für die Leuchtstoffröhre ist ein Eigenbau. Er besteht aus entsprechend zugeschnittenen und aufeinander geklebten Acrylplatten, die das Geldstück führen, und ist zwischen den Messingstäben aufgehängt.


Stromversorgung: Der Oszillator wird direkt (d.h. ohne Netztrafo) über einen Einweggleichrichter aus dem Stromnetz betrieben. Entsprechend habe ich das Gerät schutzisoliert aufgebaut, ohne weitere externe Anschlüsse oder Metallteile.

Wenn sich der 'Universator 1' gut bewährt (ich meine über den Erwerb eines positiven Karmas für meine Wenigkeit hinaus), wird es bestimmt auch eine Version 2 geben.

Grüsse,
Hans Martin

Zurück zur Hauptseite