Der Saba 520 WL - ein Geschenk von Forum- und Homepagebesuchern
Die Dokumentation einer Reparatur und Restauration





Franz Gysi, ein Schweizer Freund, sandte mir kurz vor Weihnachten 2002 per eMail dieses Foto zu.
Zeitgleich schrieb Franz ins Forum:

Ich hoffe, dass ich mit diesem Sammelversuch niemanden verärgere:
Seit gestern steht bei mir ein recht gut erhaltener Saba 520WL, der erste Saba Superhet aus 1932. Der Lautsprecher ist zwar nicht mehr Original und auch der Lautsprecherstoff. Die Skala hat einen Riss, ansonsten ist das Gerät perfekt. Ein identisches Gerät zeigt das folgende Foto, es zeigt den 310WL:


Dieses Gerät möchte ich gerne Jogi zu Weihnachten schenken, brauche aber dazu die finanzielle Hilfe von anderen begeisterten Foren- und Röhrenbudenteilnehmern.
Mit diesem Gerät will ich keinen Gewinn machen, sollte aber ca. 200 Euro (Schätzwert von Abele resp. Erb) zusammenkriegen. Beachtet, dass ich auf eBay sicher mehr dafür kriegen würde.
Da jetzt halt Jogi schon davon weiss, lässt sich das Ganze kaum mehr abblasen!
Wer jetzt bereit ist, für dieses Geschenk mitzuspenden, sendet mir eine Mail an xxxxxx mit Namen, Mailadresse und Betrag. Ich werde dann als Antwort die Kontonummer von Holm (Danke) bekanntgeben, wohin das Geld überwiesen werden kann.
Der Jogi wird am Schluss die Namenliste und natürlich den Saba erhalten.
Ich hoffe, dass Ihr alle mitmacht. Das Ergebnis werde ich hier gerne veröffentlichen.
Franz

Als Franz diese Idee mit dem Radio hatte und ich sein Schreiben im Forum las, griff ich sofort zum Telefonhörer, rief Franz in der Schweiz an und bat ihn, die Geschichte zu stoppen, ich würde auch sein Posting im Forum entfernen.
Hintergedanke von mir war die Sorge und Befürchtung, solche Kommentare zu hören und zu lesen "Hier muß man Eintritt bezahlen"....
Franz schaffte es jedoch, mich zu überreden, sagte mir es solle eine nur einmalige Geschichte sein und bleiben, es hätte auch absolut nichts mit einer "Spende" oder dergleichen zu tun, es wäre "nur" ein Zeichen der Anerkennung für meine Arbeit mit Homepage und Forum, es soll doch "nur" ein Weihnachtsgeschenk von denjenigen sein, die sich bei mir auf diese Weise bedanken wollten.

- Wie hätte ich da jetzt noch Nein sagen können?

Alles nahm dann seinen Lauf, Franz berichtet zwischendurch im Forum immer wieder über den aktuellen Stand - und in kurzer Zeit (für mich in absolut unfassbar kurzer Zeit, ich war völlig überrascht daß sich so viele fanden die sich daran beteiligten!) war die Summe zusammengekommen die Franz benötigte.

Zwischenzeitlich stellte Franz noch diese weiteren Fotos ins Forum:




Aus dem Buch 'Schriftenreihe zur Funkgeschichte' der GFGF, SABA - Die Produktion von 1924 - 1949 von Wolfgang Menzel, habe ich die folgende Passage herauskopiert:

Das immer dichter werdende Sendernetz erforderte Geräte mit noch höherer Trennschärfe als bei den bisherigen Dreikreisempfängern. Mit dem 520 erschien der erste SABA-Superhetempfänger auf dem Markt.
Die früheren Empfangsgeräte dieser Schaltungsart waren kompliziert in der Bedienung und nur einem ganz besonders zahlungskräftigen Publikum vorbehalten. Bei SABA hatte man sich zur Aufgabe gemacht, einen hochwertigen Super zu konstruieren, der nicht viel teurer sein durfte als ein Jahr zuvor ein guter Zweikreiser. Dieses hochgesteckte Ziel wurde mit dem 520 erreicht. Das Gerät war mit 225,- RM (mit Röhren 269,90 RM) der billigste 5-Röhren-Super auf dem deutschen Markt und dennoch einer der leistungsfähigsten. Der 520 verfügt über eine große Empfindlichkeit, einer damals praktisch nicht mehr zu überbietende Trennschärfe, einen automatischen Lautstärkeausgleich (Fading-Regulierung) und mit dem dazugehörenden dynamischen Lautsprecher über einen ausgezeichneten Klang.
Auch bei diesem Gerät wurde schaltungstechnisches Neuland betreten: Saba baute den ersten Überlagerungsempfänger mit zwei Zwischenfrequenzen. Die Zf beträgt bei Mittelwelle 175 kHz und wird bei Langwelle auf 52 kHz umgeschaltet. Mit dieser Maßnahme konnten Pfeifstellen innerhalb des Empfangsbereiches vermieden werden.
Die Konstruktion des Chassis war sorgfältig durchdacht und bot dadurch die Voraussetzung für eine rationelle Fertigmontage. Ein Isolierstoff-Bauteileträger umfaßt drei Röhrenfassungen mit dem vollständigen Umschaltmechanismus und die Befestigungseinrichtungen für die Spulensätze, auf der zweiten Preßplatte sind die restlichen drei Röhrenfassungen sowie sämtliche Anschlußbuchsen untergebracht. Der drahtgewickelte Spannungsteiler war ebenfalls vormontiert. Bei der Montage mußten lediglich die drei Baugruppen und ein Blockkondensator unter dem Chassis verbunden werden.
Auf der Oberseite des Chassis befinden sich der Dreifach-Drehkondensator mit dem Skalenantrieb, die durch Aluminiumbecher abgeschirmten Spulensätze und der Netztransformator mit einem reichlich dimensionierten Siebkondensator von 16 Mikrofarad.
Der Antrieb des Drehkondensators erfolgt durch eine leichtgängige und spielfreie Reibungskupplung. Der Skalenzeiger wird durch einen Mitnehmerstift auf der großen Antriebsscheibe so bewegt, daß bei einer Drehung der Kondensatorachse um 180° eine Zeigerbewegung von 90° erfolgt. Erstmals bei Saba ist die Skala geeicht und mit rund 80 Sendernamen bedruckt. Voraussetzung hierfür ist ein guter Gleichlauf, der durch drei Ausgleichkondensatoren auf den drei Drehkondensatoren eingestellt werden kann. Grundlage des Gleichlaufs war eine äußerst sorgfältige Fabrikation nach dem Auswahlsystem: Spulen und Drehkondensatoren wurden gemessen und je nach Wert in 10 verschiedene Gruppen eingeteilt. Durch entsprechende Paarungen wurde die erforderliche Grundgenauigkeit des Gleichlaufs erreicht.
Der 520 verfügt über eine stufenlos einstellbare Klangblende, die aus einer Siebkette mit drei gekoppelten Kondensatoren besteht. Die Wechselstromausführungen 520W/WL sind mit der Endpentode RENS 1374d bestückt, so daß eine Ausgangsleistung von nahezu 3 Watt zur Verfügung steht.

Aus gleichem Buch stammen die folgenden Bilder:







Es gab dieses Gerät auch ohne den eingebauten Lautsprecher, mit einer dazu passenden Box wie das folgende Bild beweist:


Und dann kam der Tag, als Franz im Forum schrieb, das Paket wäre unterwegs, mir dabei diese Fotos zusandte:







(Die Postanschriften habe ich natürlich unkenntlich gemacht ...)


Bei eBay ersteigerte ich in der Zwischenzeit diesen elektro-dynamischen Saba-Lautsprecher (für, eigentlich, viel zu viel Geld, aber was sollte ich machen? Ich brauchte diesen Lautsprecher ja, es war genau der, der in das Gerät gehörte) :




Ich schrieb dem Verkäufer, bat ihn ob er Schwingspule sowie Elektromagneten mit einem Ohm-Messgerät (bitte) testen würde - leider war er jedoch nicht dazu bereit. Seine Angaben bei eBay waren eh' schon bereits sehr dürftig, sie lauteten folgendermaßen: "Die Membrane ist heil und lässt sich hin und her bewegen. Hinten ist er etwas angerostet. Hinten steht Saba VR33 drauf." ...

Tja. Nun heißt es nur noch : abwarten und hoffen ..

Das Radio ist inzwischen heil bei mir eingetroffen (kein Wunder, bei Franz' Verpackungstechnik). Erneute Fotos des Gerätes sind - da vom Franz schon gezeigt (siehe oben) unnötig - dafür zeige ich die Fotos die ich vom Chassis anfertigte :


Zu den Röhren: Die Gleichrichterröhre G1064 (anstelle der G1054 im Gerät) zeigte 100 % Emission auf meinem Prüfgerät. Die RENS 1374d zeigte sogar 110 %.
Problematisch wurde es dann jedoch bei den anderen Röhren. Die erste Eingangs (Regel-) Röhre, die RENS 1214, fehlte (s. Schaltbild, weiter unten). Dafür steckte eine RENS 1264 in der Fassung, welche keine Regelfähigkeit besitzt. Die folgende sollte eine RENS 1204 sein, was auch den Tatsachen entsprach. Jedoch im unbrauchbaren Bereich, wie mir mein Prüfgerät verriet. Diese ersetzte ich durch eine in meiner Sammlung befindliche AS 4120 von Tungsram - es ist die im Bild erkennbare goldfarbige Röhre. Die RENS 1214, die, eigentlich, darauf folgen müßte war auch wieder durch eine RENS 1264 ersetzt. Die letzte RENS, die eine RENS 1204 sein sollte, entsprach dem Schaltbild und zeigte auch noch ein im Gut-Bereich liegendes Verhalten.
Sehr fatal ist, daß ich keine RENS 1214 besitze, auch nicht die Ersatztype H 4125 D von Valvo.
- Äquivalent könnte ich auch die RENS 1274 verwenden oder deren Ersatztypen Valvo H 4115 D oder Tungsram AS 4104 bzw. AS 4105 verwenden - jedoch habe ich auch von diesen keine in meiner Sammlung. Da in diesem Gerät die beiden Regelröhren zwingend erforderlich sind, habe ich nun ein heftiges Problem...

Alternativ stellt sich die Frage, ob sich eine Ersatztype fände, die ich in einer eigens dazu anzufertigenden Adapterfassung einsetzen könnte. Darüber muß ich noch nachdenken...




Der hier einmal eingebaute Blockkondensator wurde bereits (im Bild vor dem Dreifach- und links neben dem Netztrafo erkennbar) von einem (der) Vorbesitzer gegen dieses moderne Gebilde ersetzt. (Im dritten Foto auf dieser Seite, die die Rückseite mit der Rückwand des Geräts zeigt, erkennt man auf dem Rückwandaufdruck den großen quadratischen Block-Kondensator, links hinter dem Netztrafo.) Diesen werde ich mir entweder nachbauen, oder versuchen ihn mir im Original zu beschaffen.

Sehr schön im folgenden Bild erkennbar ist der Dreifach-Papier-Drehkondensator, mittig im Bild. Es ist der im Schaltbild, vor dem Steuergitter der Ausgangsendstufenröhre RENS 1374d, eingezeichnete Drehko. Im Foto, rechts am Dreifach-Papierdrehko, findet man den Dreifach-Drahtwiderstand, direkt mit dem Drehko verbunden.





Fantastisch - diese fünf riesigen Bandfilter-Töpfe. Ein wunderschöner Anblick, wie ich finde.


Auch hier ist noch einiges an Arbeit zu leisten. Sämtliche Elkos zeigen an ihren Außenkanten daß sie ihre Zeit hinter sich haben - sie sind teilweise ausgelaufen. Auch der im rechten Bildmittelteil sichtbare Blockkondensator muß ausgebaut und die darin befindlichen Kondensatoren gegen neue ausgetauscht werden.
All dieses sind aber Arbeiten die völlig normal sind bei solch alten Geräten. - Keinesfalls sollte man ein solch altes Gerät vertrauensvoll ans Stromnetz hängen und einschalten, ich habe noch niemals erlebt daß so etwas gut geht !

Das Schaltbild dieses Gerätes zeigt das folgende Bild:
(Mit der Maustaste anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)

Schaltbild Saba 520 WL

Wohlwissend daß ich mit ziemlicher Sicherheit niemals an den Original-Lautsprecherbespannstoff kommen werde, habe ich meinen Fundus an alten Stoffen, die ich aus irreparablen, ausgeschlachteten Radios entnahm, durchwühlt. - Und ich wurde fündig...! Probeweise von außen vor das Gerät gehalten - groß genug. Also, los gings... :











Genau die halbe Länge. Na, prima !

Den benötigten Stoff abgeschnitten -
die Außenränder der Blende mit Montagekleber "eingepappt" -



den Stoff draufgelegt und zurechtgezogen -



umgedreht und kräftig draufgedrückt, damit sich der Stoff gut mit dem Montagekleber verbindet :


Eingebaut und fertig. Ich bin zufrieden !





Hier wartet der Saba daß es weitergeht ... (ich warte ja noch auf den ersteigerten Lautsprecher)


Soeben ist der bei eBay ersteigerte Lautsprecher (s. Fotos oben) eingetroffen. Ich kann mir gut vorstellen, warum der Verkäufer keine Lust hatte, ihn für mich zu überprüfen...
Schwingspule ist OK, sie hat Durchgang. Der Ausgangsübertrager ist auch OK. Aber - die Erregerspule... diese hat keinen Durchgang. Ihr Widerstand ist unendlich. - Mein Frust aber auch .... !

Nach gründlicher Reinigung entfernte ich vorsichtig die Membranhalteschraube -



- sowie den äußeren Bügel über der Erregerspule. Zu meiner großen Freude ließ sich bei diesem Lautsprechermodell die Schwingspule leicht entfernen, sie ist nicht, wie bei einem ähnlichem LS eines anderen Herstellers, fest mit dem Bügel vernietet.







Die Erregerspule ist, wie man erkennt, zumindest äußerlich arg verrottet. Erstaunlich, daß hier ein solch dicker Draht die Erregerwicklung bildet - noch erstaunlicher, daß ein solcher Draht "durch" sein soll...?



Hier ist jetzt erst einmal Basteln angesagt. :-)

Daß der Verkäufer bei eBay genauestens über den Zustand der Spule Bescheid wußte, bewiesen mir die Anschlußdrähte der Erregerspule. Sie waren von den Lötösen abgeschnitten und die Enden waren freigekratzt. Diese Spule wurde also bereits überprüft, der Defekt wurde erkannt. - Also, ab nach eBay, soll sich doch der nächste damit herumärgern...



Im nächsten Bild erkennt man, daß mein Erstaunen über den dicken Draht der Spule begründet war. Dieser ist nur die Zuleitung zu den sehr viel dünneren Drähten.


Letzter Stand der Dinge: die Wicklung der Erregerspule ist nicht am Ende der gesamten Wicklung, für mich also am Anfang, sondern am Beginn der Wicklung, ganz innen unterbrochen. Fazit: alles abwickeln, danach neu bewickeln. Irgendwie hatte ich mir das auch ganz genau so gedacht...

Nachdem ich von Hand (anders gehts nicht bei diesem hauchdünnen Draht) 1000 Windungen abgewickelt hatte, dann die Nase gestrichen voll davon hatte, habe ich mit einem Teppischmesser kurzerhand die Wicklungen durchgeschnitten, schichtweise die Lagen entfernt bis der Wickelkörper frei war. Etwa mittig der gesamten Lagen stellte ich arge Verfärbungen des Drahtes fest. Hier ist die Erregerspule sehr heiß geworden, teilweise war der Draht sogar blank, die Isolierung verbrannt.


Erwähnenswert und ausgesprochen bemerkenswert sind die verschiedenen Reaktionen im Forum zu meinen Berichten über dieses Saba-Radio. Die angebotenen Hilfen und Hinweise gehen über Röhren und Drahtspulen für die Ersatzwicklung der Erregerspule bis zum Angebot, die Spule komplett wickeln zu wollen (Danke, Andreas, dieses Angebot nehme ich herzlich gerne an!) bis zum Angebot, wörtlich :
" Wenn du noch für deinen Saba schönes, stoffumanteltes Kabel brauchst, wäre ich gerne bereit dir ein Stück zu spenden. Das Kabel ist uralt, ca. 6-7 mm dick, rund, fein braun umsponnen und hat zwei Adern (schwarz, weiß). Die Isolierung der Adern ist nicht brüchig und sonst ist es auch noch wie neu."
Ich sehe und erkenne immer wieder mit Erstaunen und großer Freude, welche Hilfsbereitschaft unter den Röhrenenthusiasten zu finden ist. - Wer will mir zum Vorwurf machen, daß ich mich in diesem Kreise ausgesprochen wohl fühle ... ?

Den Wickelkörper der Erregerspule hatte ich zwischenzeitlich Andreas (ADC) zugesandt, Andreas hatte sich angeboten ihn auf seiner Transformator-Wickelmaschine für mich zu wickeln. Andreas schrieb nun in einem Posting im Forum:
Und wieder einen Schritt näher daran, dass der Saba vieleicht doch irgendwann mal wieder pieps sagt:
Die Erregerspule für den Lautsprecher ist neu gewickelt: 52350 Windungen 0,1 mm CuL, ergibt einen Gleichstromwiderstand von 13,16 kOhm, ich hoffe das reicht. Der Wickelkörper ist jetzt gut voll, mehr ging nicht drauf...
Gruß Andreas
- Ich bin mir sicher, daß es reichen wird..!
Die neu gewickelte Spule ist eingetroffen (Danke, Andreas !!), hier die ersten Fotos:





Ich besorgte mir aus der Nähkiste meiner Frau ein Stück braunschwarzem Stoff und schnitt davon einen passenden Streifen ab.



Mit Montagekleber, dünn über die gelbe Kunststoffisolierung gestrichen, verklebte ich den Stoff über die gesamte Rolle.



Die Erregerspule passt gut :



Der Lautsprecher ist zusammengebaut. Mit einem kleinen Hammer und vorsichtigen seitlichen Schlägen gegen die dicke Grundplatte zwischen LS-Chassis und Erregerspule zentrierte ich die LS-Membran, so daß die Schwingspule beim vorsichtigen Drücken der Membran nach innen nicht mehr kratzte, sich also frei bewegte. - Danach wurden sämtliche Schrauben fest angezogen, noch einmal eine Nachkontrolle, alles war in Ordnung - fertig !





Der Lautsprecher sitzt wieder im Saba-Gehäuse. Nun kanns bald weitergehen (es fehlt (nur) noch eine RENS 1214).



Wird fortgesetzt..

Hier nun, endlich, die Fortsetzung.

Mein Saba hatte nun seit Februar 2003 (also fast schon zwei Jahre !) in meinem Regal gestanden, ohne daß weiter an ihm gearbeitet wurde.
Der Grund ist meine Wirbelsäule, die es mir leider nicht mehr gestattet noch irgendetwas zu Basteln. - Kleinste Reparaturen, OK, aber nichts was länger dauert. Es geht einfach nicht mehr.
Wolfgang Holtmann (Radio- und Fernsehtechniker-Meister), der den Grundlagen-Artikel in meiner Homepage, "Wie funktioniert das ? Grundlagen-Wissen für den Radio-Bastler" verfasst hatte, bot mir während eines Besuchs bei mir an diesen Saba für mich zu reparieren.
Natürlich war ich sehr gern einverstanden und übergab Wolfgang meinen Saba.
Am vergangenen Wochenende war Wolfgang wieder bei mir zu Besuch und brachte den reparierten und bestens restaurierten Saba mit - und er "spielt" wieder einwandfrei, hat einen sehr guten Empfang. - Da habe ich beim Zusammenbau des Lautsprechers wohl alles richtig gemacht...

Es folgt der Bericht, den Wolfgang anfertigte, mit einigen Fotos:

Jogis SABA 520 WL in der Werkstatt


Zunächst habe ich alle 'Reparaturen' der Vorgänger rückgängig gemacht und den Originalzustand so gut wie möglich wieder hergestellt.
Einige Röhren waren im schlechten mechanischen Zustand. Typisch für die alten Stiftröhren sind Wackelkontakte zum Abschirmbelag und korridierte Lötverbindungen an den Stiften. Dazu kam noch eine lose Anodenkappe der stark lädierten -und nur noch auf halbe Kraft arbeitenden- Richtverstärkerröhre (Rö.4), der RENS 1204.
Mit einer kleinen Handfschleifmaschine konnte die inzwischen abgerissene Anodenverbindung am Einschmelzpunkt wieder repariert werden.






Viel Arbeit machte auch die Reparatur des speziellen Lautstärkepotis und des Netzschalters.

In dem großen Kondensatorblock unterhalb des Chassis wurden alle C's erneuert. Das gilt auch für die Lade- und Siebkondensatoren. Diese waren mal in einem großen viereckigen Becher hinterm Trafo eingebaut. Man hatte sie jedoch in der Vergangenheit durch einen Schraubelko (auf dem Chassis) und zusätzliche lose Elkos (unterm Chassis) ersetzt. Nun habe ich alle drei Elkos (22 + 4 + 4 µF) in den ausgehöhlten Schraubelko gepackt.
Weiterhin wurde noch ein versteckter Kurzschluss in einem der Spulenbecher entdeckt und beseitigt.

Danach wurde das Gerät vorsichtig (über Stelltrafo) unter Strom gesetzt und siehe da, ein oder zwei Sender waren hörbar!
Von Erb's Radiomuseum konnte ich mir die Abgleichanweisung runterladen. Nach dem Abgleich war die Empfangsempfindlichkeit deutlich verbessert!
Hinweis: der LW-Bereich hat keine Abgleichmöglichkeiten!


Es stellte sich heraus, dass der Oszillator bei MW unterhalb von 600 kHz nicht mehr schwingt. Vielleicht ist es die RENS 1204 (Rö.2) in der selbstschwingenden Mischschaltung? Auf dem Röhrenprüfgerät ist die Emission noch im GUT-Bereich.
In der originalen SABA-Serviceanweisung wird auch auf diesen Umstand hingewiesen, die Auswahl dieser Röhre muss sehr kritisch vorgenommen werden! Da ich keine andere RENS 1204 zur Verfügung hatte, blieb mir nichts anderes über, als den Kathodenwiderstand und den Schirmgittervorwiderstand zu verringern. Nun schwingt der Oszillator im MW-Bereich noch gerade bis 540kHz herunter.
In diesem Zusammenhang ist noch anzumerken, dass die Obergrenze im MW-Bereich auf 1395 kHz = 215 m fabriksmäßig festgelegt wurde. Es war im Herstellungsjahr der "Prager" Wellenplan gültig, wobei oberhalb von 1382 kHz = Sender Königsberg, kein weiterer deutscher Sender zu finden war.

Das folgende Schaltbild zeigt das Schaltbild zu diesem Gerät. Das von Jochen gezeigte Schaltbild (weiter oben, auf dieser Seite) zeigt ein späteres Modell, es passt nicht zu diesem Gerät.
Ich habe ein paar der von mir vorgenommenen Änderungen und Verbesserungen im Schaltbild eingezeichnet und extra vermerkt.

Schaltbild
(Mit der Maustaste das Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)

Wie im Schaltbild zu sehen, werden bei MW-Empfang die unteren Spulen kurzgeschlossen. Das gilt auch für die ZF-Kreise. Mit den Abgleichtrimmern (die Spulen sind nicht abgleichbar!) ist für MW eine ZF von 175 kHz einzustellen. Bei LW-Empfang sind alle Schalter (bis auf den TA-Schalter) geöffnet. Automatisch ergibt sich dann die tiefere ZF von 52,5 kHz. Es ist schon erstaunlich, dass das nach 70 Jahren noch recht gut funktioniert, zumal die Spulenkerne für die ZF-Kreise und das Eingangsfilter (L1 + L2, C1) aus HOLZ (!) gefertigt wurden. Lag ja sozusagen vor der Tür...


Zwei ‚Schönheitsfehler’ sollen bei diesem Gerät nicht unerwähnt bleiben:
  1. Die maximal zulässige Heizfaden-Katodenspannung von 50 Volt wird bei den beiden Regelröhren RENS 1214 überschritten! Durch die besondere Art der Schwundregelung (Regelspannung wird an der Anode von Rö.4 über 6 MOhm entnommen), müssen die Kathoden auf ein hohes positives Potential (90 - 120 V) gelegt werden. Der Heizfaden ist daher mit dem 28 -36 V Abgriff des Hauptspannungsteilers verbunden und nicht einseitig an Masse gelegt, wie im Schaltbild ursprünglich gezeichnet. Im ungünstigsten Fall ist die Spannungsdifferenz also 84 Volt. Gerade die RENS Typen produzierten von Hause aus oftmals Krach- und Kratzgeräusche, hervorgerufen durch mangelhafte Isolation zwischen Kathode und Heizfaden.


  2. Wenn kein Plattenspieler angeschlossen ist und man dreht den Wellenschalter ungewollt in die TA-Stellung, erschallt ein sehr lautes Kreischen und Brummen aus dem Lautsprecher. Logisch, das Steuergitter der Röhre 4 "hängt dann in der Luft!" Durch einen (im Schaltbild mit # bezeichnet) von mir zusätzlich angebrachten 50 kOhm Widerstand parallel zu den TA-Buchsen, ist das beseitigt.
Hinweis: Das Gerät ist noch aus der ersten Serienfertigung und hat nicht (!) einen Umschalter, der den Arbeitspunkt von Röhre 4 bei TA-Wiedergabe in den (lineareren) mittleren Teil der Kennlinie verschiebt.

Wie klingt der SABA?
Was nach der Fehlerbehebung und dem Endabgleich recht störend in Erscheinung trat, war die enorme (!) Lautstärke fast aller Sender, die kaum zu bändigen war. Nach der Demodulation im Richtverstärker (Rö.4) ist keine zusätzliche Lautstärkeregelung vorgesehen. Das geschieht alleine mit dem 90 k-Poti, welches die Vorspannung für die Regelröhren RENS 1214 (Rö.1 + 3) bestimmt. In der heutigen Zeit, mit Modulationsgraden bis nahe 100% und dazu noch künstlich angehobene mittlere Audiopegel (Optimod), ist keine angenehme und verzerrungsarme Wiedergabe zu erzielen.
Ich komme zu folgendem Schluss:
Mit Sicherheit hatte SABA 1933 ein qualitativ hochwertiges Gerät auf den Markt gebracht. In dieser Zeit wurden die Sender aber bestimmt nicht so tief durchmoduliert! Mit anderen Worten, das gesamte Schaltungskonzept war auf die damaligen (!) Umstände optimal abgestimmt.
Ich stand also vor der Entscheidung, lass’ ich alles original und genieße nur mit den Augen, oder will ich damit auch noch einigermaßen Radio hören? Da die nötige "Modifikation" nur aus einem (!) zusätzlichen Widerstand besteht, habe ich mich zur letzteren Option durchgerungen. Das ist obendrein auch leicht wieder zu entfernen, falls gewünscht.
Dieser (mit # bezeichnete) 50 kOhm Widerstand aus einem anderen Uraltradio, ist dem Ra der Demodulationsröhre 4 hinzugefügt und wirkt als Spannungsteiler für die NF. Damit ist schonmal das Problem der NF-Übersteuerung gelöst. Die unreine Wiedergabe bei hochmodulierten Sendern ist bei der gegebenen Demodulationsschaltung (Richtverstärker-Anodengleichrichter) jedoch nicht ohne größeren Aufwand zu verbessern. Und ‚verbasteln’ wollen wir so ein wertvolles Radio auf keinen Fall!
Um die Problematik etwas anschaulicher zu machen, habe ich drei Zeichnungen à la main angefertigt.


Abb.1 zeigt die (nur theoretisch geradlinige) ideale Kennlinie des Richtverstärkers.
Der Arbeitspunkt Ap liegt dann genau dort, wo bei einer fixierten neg. Ug der Ia zu Null wird. Die negativen Halbwellen der modulierten ZF werden ‚abgeschnitten’ wie man so schön sagt und haben keinen Einfluss auf den Ia. Nur(!) die postiven Halbwellen dürfen den Anodenstrom steuern.
Da die ZF-Schwingungen moduliert sind, schwankt im selben Rhythmus auch der gemittelte Ia. Nach einer HF-Siebung (100 pF + Kapazität der abgeschirmten Anodenleitung ) wird die NF am (jetzt aufgeteilten) Ra abgenommen. Gut erkennt man, dass sich unter den angenommenen idealen Umständen selbst bei einer 100%igen Modulation, eine lineare, d.h. verzerrungsfreie Umwandlung ergibt.

In Abb.2 sehen wir die in Wirklichkeit gekrümmte Ia-Ug Kennlinie. Diese Krümmung ist im oberen und mittleren Teil nur gering, jedoch in der Nähe des Arbeitspunktes stark ausgebildet. Um eine gewisse Demodulationsempfindlichkeit des Richtverstärkers zu erzielen, wird der Arbeitspunkt (ca. –5 Volt, von hinten mit dem 500 Ohm Poti regelbar) in den unteren Teil der Krümmung gelegt. Würde man dennoch den Arbeitspunkt weiter nach links verschieben (also auf den Fußpunkt), verbleiben schwache Sender nur noch im stark gekrümmten Bereich der Kennlinie und eine einigermaßen saubere Wiedergabe ist unmöglich!
Wenn, wie angenommen, in den 30er Jahren die Sender nur bis etwa 50% durchmoduliert waren, dann findet (bei richtig eingestelltem ZF-Pegel) die Demodulation nur im wenig gekrümmten Teil der Kennlinie statt.
Man beachte: die modulierten negativen Halbwellen sind so weit nach links verschoben, dass kaum eine ungewünschte Beeinflussung des Ia möglich ist. So weit, so gut.

In Abb.3 ist das Ganze nochmal zu sehen, jedoch bei einer 100%ig modulierten Trägerwelle. Jetzt wird auch der untere, stark gekrümmte Verlauf der Kennlinie (in Rot) zur Demodulation durchfahren. Es ist leicht einzusehen, dass das ‚nichtlineare Verzerrungen’ mit sich bringt. Ein weiteres Übel ist in der ungewünschten, zusätzlichen Beeinflussung des Anodenstroms durch die neg. ZF-Halbwellen LINKS vom Arbeitspunkt zu erkennen.
Wenn man genau hinschaut ist die Lage des Arbeitspunktes auch für zu schwache Signale ungünstig. Das erklärt auch den bekanntermaßen limitierten Arbeitsbereich dieser Demodulationsschaltung. Und jedesmal die Gittervorspannung (Poti nur von hinten zugänglich) der jeweiligen Empfangssituation anzupassen ist wohl sehr unrealistisch. Das macht so gut wie keiner!
Man hat nämlich vor vielen Jahren schon mehrfach die Hörgewohnheiten der Radiobesitzer untersucht und festgestellt, über 95% der Hörer lassen ihren Empfänger auf eine(!) Welle eingestellt!

Abschließend kann man sagen, richtig gut hört sich der SABA an, wenn wie früher konventionell moduliert wird. Mein Tipp: ein kleiner Eigenbausender tut Wunder! Davon konnte ich Jogi bei der Übergabe des Radios eindrucksvoll überzeugen. Unterstützung bekam ich dabei von Frau Valente. Mit Ihrer Nummer "Wo meine Sonne scheint" modulierte Sie den modifizierten EURATELE-Prüfsender bis max. 60%. Siehe:
http://www.f23.parsimony.net/forum45451/messages/93402.htm"
Mehr über die Funktion der Demodulationsschaltung, welche hauptsächlich in Geradeaus-Empfängern verwendet wurden, findet man hier:
http://www.jogis-roehrenbude.de/Radiobasteln/ Geradeaus-Empfaenger.htm"

Und so sieht das Chassis von unten jetzt aus:


Dadurch, dass ich mich länger als gewöhnlich mit diesem Radio beschäftigen durfte, habe ich neue Erkenntnisse in der Schaltungstechnik der frühen Superhet-Empfänger von SABA gewonnen. Meinen herzlichen Dank dafür an Jogi und den Spendern, sowie Franz Gysi, der das Gerät beschafft hat.

Wolfgang Holtmann

Es folgen ein paar weitere Fotos, die dieses schöne Gerät nun endlich im Betrieb zeigen:









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