Die amerikanischen Sonder-Röhrenfassungen und ihre Bezeichnungen



Novar - B9E:

Die "novar base" war eine RCA Weiterentwicklung des Noval Sockels - B9A (amerik. 9 pin miniature base).



  

Das Bild zeigt diese Röhre neben einer EL 34 - sie hat den gleichen Kolbendurchmesser.


Wie später auch in Europa, sind die Amis allerdings schon Ende der 50er Jahre in die Limitation des Octal Sockels (K8A/IO8) gestossen, speziell fÜr die Anwendung von Zeilenendröhren im Colour TV Bereich.
Anfangs wurden noch Octal Röhren verwendet, diese litten aber im zunehmenden Masse an Sockelausfällen durch Überhitzung bzw. Überschlägen.
Als die Bildröhrendiagonale dann 22" erreichte, mussten leistungsfähigere "sweep tubes" entwickelt werden, die zwangsläufig auch grössere Kolbendurchmesser hatten. Um dem Rechnung zu tragen, wurde der Durchmesser des Noval Sockels entsprechend auf 17.5 mm vergrössert. Der Stiftdurchmesser blieb allerdings mit 1.02 mm dem des Noval Sockels gleich, wodurch Novar Röhren mit grösserer Vorsicht in die Fassung eingesetzt werden müssen - diese Stifte verbiegen sehr leicht.
Umgekehrt besteht die Gefahr, eine Magnoval-Röhre in eine Novar-Fassung zu stecken. - Mit 'leichter Gewalt' ist das möglich. Hierdurch biegen sich jedoch die Kontakte der Novar-Fassung so weit auseinander, daß sie für Novar-Röhren unbrauchbar werden, keinen sicheren Kontakt mehr bieten. Deshalb ist hier hohe Aufmerksamkeit gefragt, zumal sich die Novar- und Magnoval-Fassungen optisch zum verwechseln ähneln.


Magnoval - B9D (oft fäschlich in USA als Neonoval genannt) :



Das folgende Bild zeigt den Sockel einer EL 503


Die Antwort der europäischen Industrie auf den amerikanischen Novar Sockel - besonders "the almighty Philips group". Ähnliche Anforderung wie in USA, in Europa brauchte es leistungsfähigere Zeilenendröhren, obwohl anfangs noch durch die 110º BW Technik getrieben - z.B. PL500. Auch der Magnoval Sockel wurde vom Noval Sockel abgeleitet. Tatsächlich ist er mit 17.5 mm Durchmesser dem des amerikanischen Novar Sockels identisch.
Philips hat allerdings, auf Grund der nachteiligen Erfahrungen mit den dünnen Stiften des Novar Sockels, als logische Antwort den Stiftdurchmesser auf 1.27 mm vergrössert, um der grösseren mechanischen Beanspruchung beim Einsetzen in die Fassung Rechnung zu tragen.


Neonoval - T9

Novalröhren im "T9 bulb" bezeichnet RCA und Sylvania Neonoval in ihren data sheets. Leider hat sich diese Bezeichnung aber auch parallel dazu für Magnovalröhren in der Sekundärliteratur eingebürgert. Der Name Magnoval ist in USA nicht geläufig, daher diese Verwirrung. - Das folgende Bild zeigt eine 6GM5 :


Zum Größenvergleich liegt eine normale Novalröhre neben einer Neonoval-Röhre. Deutlich ist der erheblich dickere Kolbendurchmesser, bei gleichem Sockel-Radius und gleichem Stiftdurchmesser, zu erkennen.






Compactron - B12C :

Eine GE - Weiterentwicklung des Novar Sockels.







Das Bild zeigt eine Compactron 6FJ7


Als mitte der 60er Jahre die Verdrängung der "vacuum tubes" durch "semiconductor devices" abzusehen war, hat GE als letzte Massnahme die Compactron Röhren auf den Markt gebracht. Es handelte sich um eine complette Serie mehrerer Signal, Signal + Leistungs, sowie Leistungs Röhren. Dazu wurde der Sockeldurchmesser auf 19.1 mm vergrössert und mit 12 Stiften ausgerüstet, die allerdings immer noch mit dem 1.02 mm Durchmesser des Noval Sockels.
Es gibt da die kleinen knuffeligen "ECCC" Typen, wo drei Signal Trioden in einem Kolben untergebracht sind - z.B. drei Systeme einer ECC 83 bzw. ECC 82 und 83 gemischt. Dann gibt es "ECCL" Variante mit zwei Signal Trioden und einer Endpentode in einem Kolben, Doppelendpentoden, Triode/Endpentode usw., sowie die echt dicken sweep tubes mit 45 W Pa. Die Japaner haben dann noch zusätzlich ihre eigenen Varianten entwickelt. Dabei ist besonders die "PLY" combination aus "sweep and damper tube" hervorzuheben, also Zeilenendpentode plus Boosterdiode im gleichen Kolben! Das war thermisch schon wirklich an der Grenze des machbaren. Die Compactrons haben GE noch einmal gut die Kassen gefüllt. - Trotz allem, auch GE konnte das Rad der Zeit nicht aufhalten...

Die Bezeichnung des Compactron in der deutschen Literatur als Duodecal Röhre rührt offensichtlich durch einen Annahme/Übersetzungsfehler der amerikanischen tube manuals her. Der Sockel des Compactrons wird als "duodecar base" bezeichnet. - Klingt schon ähnlich, muss man zugeben.


Septar :


Für Senderöhren mit hoher Anodenspannungen und Heizstrom entwickelt. Die hier gezeigte Johnson #247 ist die begehrteste Ausführung, sie hat den höchsten Qualitätsstandard (Material und Passgenauigkeit der Kontakte).






Die beiden folgenden Fotos (Danke, Ralf (Wendy)) zeigen eine Septar-Fassung eines anderen US-Herstellers, im zweiten Foto mit einer bildschönen 829B :




Septar-Fassungen wurden auch in Russland hergestellt, für beispielsweise 6S33S (6C33C), 6S41S (6C41C), 5X8 (5U8). Die meisten der auf dem Markt befindlichen russischen Typen erreichten jedoch nicht die hohe Qualität der US-Produkte. Die in Militärgeräten eingebauten Fassungen hatten mit hoher Sicherheit eine sehr gute Qualität, diese kamen jedoch nur sehr selten auf den Markt. Die Kontaktfedern waren - und dieses trifft ganz besonders auf die chinesischen Nachbauten zu - durch die hohen Heizströme oft schnell ausgeglüht und konnten keinen sicheren Kontakt mehr gewährleisten, wodurch auch die betreffende Röhre meist schwer geschädigt wurde.
Das folgende Foto (Danke, Ralf! (Raudi)) zeigt eine solche Fassung aus chinesischer Produktion.


Bei genauem Hinsehen erkennt man die Ungenauigkeiten: die Kontaktflächen liegen Unregelmäßig und teilweise schief an (leider nicht gut erkennbar: sie liegen teilweise nur punktuell, nicht ganzflächig am Kontaktstift auf). Die äußeren Zangen, die die Kontakte auf die Pins drücken sollen, sollten aus federhartem Material bestehen was hier auch nicht der Fall ist, wodurch hier kein sicherer, fester Kontakt gewährleistet ist. Zangen und Kontakte bestehen aus billigem Material welches schnell ausgeglüht ist - speziell bei den Heizungskontakten. Auch die Vernietungen der Fassungskontakte mit der Keramikplatte bestehen aus einer wenig haltbaren Kupferlegierung.

Das russische Militär ließ, speziell für die 6S41S (6C41C), eine spezielle Septar-Fassung herstellen. Ralf (Raudi) sandte mir Fotos einer solchen Fassung zu; bei Gintaras (KW-Tubes) hatte er sie erstanden.
















Duodecal - B12A :

Hat absolut nichts mit dem allem vorgenannten gemeinsam. Der lange obsolete 12-polige Duodecal Sockel wurde ausschliesslich für Braunsche Röhren (Oszillographenröhren) verwendet. Es ist ein grosser 27 mm Bakelit Sockel mit Führungsstift, ähnlich des Octal Sockels. Mit ihm gemeinsam ist auch der Stiftdurchmesser von 2.36 mm.








Submagnal - B11-88 :



Der Durchmesser der Stifte und des Führungsstiftes ist genau wie bei Oktal.


Die Bezeichnung "Submagnal"stammt aus dem Bürklin-Katalog. Diese Fassungen sind darin unter der Bestell-Nr. 50B190 zu finden. Die JEDEC-Nummer dieser Fassung ist B11-88, sie ist seit etwa 60 Jahren bekannt.
Verwendung finden diese Fassungen beispielsweise bei Photomultipliern (Fotovervielfacher), wie die 1P28. Das folgende Foto zeigt den Sockel einer 1P28 von RCA :


Die beiden folgenden Fotos zeigen eine 1P28 von HAMAMATSU, mitsamt einer Fassung :




Das nächste Bild zeigt die techn. Daten und Maße der B11-88 - Fassung:




Die folgenden Fassungen zeigen frühe US-Typen, die UX - Reihe. Die ersten Fotos zeigen die UX - 4, zunächst in einer hochwertigen Keramik-Ausführung :



Bei dieser Ausführung wird der runde Keramikkörper von oben aufs Chassis gelegt, von unten mit einem Clip-Ring festgehalten



Es folgen Fotos der einfacheren Pertinax-Ausführung :




Die folgenden Fotos zeigen die UX - 5 :




Es folgt die UX - 6, in zwei verschiedenen Ausführungen :






Als letzte der UX-Serie folgt die UX- 7 :






Der Vollständigkeit halber weise ich auf die Small-Pin-Serie hin, beschrieben im RCA - Handbuch #3. Diese, speziell die Small-7-pin, könnte (den damit nicht vertrauten) verleiten, die falsche Fassung zu kaufen.
Der Kreisdurchmesser der Pins einer Small-7-Pin-Fassung beträgt 0,75" = 1,905 cm, bei der UX-7 - Fassung hingegen 0,855" = 2,172 cm.
Die folgende Skizze zeigt eine Small-7-Pin :




Geht man noch weiter zurück in der Geschichte der US-Röhrenfassungen aus den frühen 20er Jahren, so kommt man zu den UV - Fassungen.
(Danke an Ralf Sürtenich, für die Fotos und die Zeilen dazu !)

Das folgende Foto zeigt eine STC 4020A Triode und die dazugehörige UV-Fassung :


Die STC 4020A entspricht der 3A/108A und ist damit der WE102L sehr ähnlich.
STC in England, ursprünglich eine Tochterfirma der amerikanischen Western Electric, hat diese Röhren als Pendants zu den WE Trioden für PTT-Anwendungen gebaut.


Der UV-Sockel mit 4 gleich starken, kurzen Stiften und einem Bayonet-Pin war der erste amerikanische Sockelstandard, nach Erb 1914/1915 eingeführt. Er wurde auch als Shaw-Sockel bezeichnet.
Die Fassungen für UV haben federnde Kontakte, die von unten auf die Pins drücken:


Der UV-Sockel wurde dann 1924 durch den UX-Sockel, später UX4 genannt, abgelöst, bei dem die Pins länger und die beiden Heizpins stärker als die beiden anderen Pins wurden. Das ermöglichte dann auch, für die dadurch verpolungssicheren UX-Röhren Flachsockel einzuführen. Die aus der UV-Welt weitergeführten Röhrentypen wie die 01A behielten auch als UX-Röhre den Bayonet-Pin bei, um sie auch weiter in den UV-Fassungen verwenden zu können.
Sehr schön kann man den Wechsel von UV zu UX etwa am Atwater Kent 20C von 1924/25 sehen, wo die ersten beiden Revisions noch UV-Fassungen hatten, die dritte Revision (7960) dann schon UX-Flachfassungen.

Die UV-Fassung darf aber nicht mit einer UX 4 Bayonet-Fassung verwechselt werden: wegen der kurzen Pins sitzen die UV-Röhren in diesen Fassungen meistens mit dem Sockel auf der Befestigung der Bayonet-Hülse auf.

Erwähnenswert noch, dass im Post-Bereich (PTT's) der UV-Sockel weitergeführt wurde: WE, STC, MOV (Marconi Osram), Philips etwa haben mindestens bis in die 50 Jahre Röhren mit UV-Sockel gebaut, und zwar genau diese alten Typen aus den 20er Jahren bzw. neuere Ausführungen dieser Röhren.


Ebenfalls aus der Zeit der frühen 20er Jahre entstanden die in den USA so genannten Peanut-Röhren, wie beispielsweise die WE 215A und die dazu gehörenden, ebenfalls so benannten, Peanut-Fassungen.
(Danke an Volker Jeschkeit, für die Fotos und die Zeilen dazu !)

Die WE 215A wurde in Audionempfängern der US-Marine in den frühen zwanziger Jahren verwendet, sie ist eine sehr hübsche kleine Triode mit 1 - 1,2 Volt Heizung.



Zum Grössenvergleich wurde eine Münze dazugelegt






Ralf Sürtenich schrieb (im Forum) zu dieser Fassung folgendes:
Die WE 215A, die von 1923 bis 1939 gebaut wurde, ist die einzige Röhre mit diesem Sockel. Daher hat sich kein "Standard"-Name für den Sockel etabliert, WE nannte den Sockel "small four-terminal bayonet base". Bei WE hieß die Fassung dazu 125 B.
Die Röhre wurde als 'Peanut'-Tube bezeichnet, da sie damals die kleinste Röhre von WE war. Die einzige Darstellung des Sockels, die ich kenne, stammt aus dem WE Datenblatt zur Röhre:




Eine Fassung, speziell für Nixie-Anzeigen entwickelt, ist die B13B.
Sie wurde von den verschiedensten Firmen hergstellt, mit den Unterschiedlichsten Bezeichnung. Die Namen für diese Fassung waren auch:
13-Pin All Glass13-17, 2422 505 00001, 2422 505 00002, B8 700 67, B8 700 69, B8 702 28, HSK-106, HSK-112, M-111 ?, RTS-1, RTS-2, RTS-6, RTS-8, RTS-9, TSB-13P ?, TSM-13P ?, VH13/131










In diesem Zusammenhang weise ich auf die Seiten von Franz Hamberger, hier speziell auf die Seite mit den Dimensionen und Anschlussnumerierungen der Sockel hin.


Es folgt zum Abschluß eine Seite aus einem US-Röhrendatenbuch zu Oktal-, Novar- und Neonoval-Röhren:







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