Umsockeln von Röhren

Nach mehr als 70 Jahre seit dem Bau der ersten brauchbaren Röhren und ca. 40 Jahre nach dem Bau der letzten Röhren in Deutschland werden sie so langsam, aber sicher knapp. - Zumindest die ganz alten, die um ca. 1920 - 1940 gebaut wurden, werden immer knapper im Bestand, es wird immer schwieriger, hierfür noch einen Ersatz zu bekommen.
Und dieser Ersatz soll ja dann auch noch in gutem Zustand sein, er soll einwandfrei funktionieren .. - wie gesagt, es wird immer schwieriger.
Der, der noch genug Röhren als "Vorrat" gesammelt hat, "sitzt" meist darauf wie eine Henne auf ihren Eiern, hütet sie wie die Queen ihre Kronjuwelen.
Darüber kann man geteilter Meinung sein - ich kann diese Sammler aber gut verstehen ! Wenn die letzte Röhre "verbraucht" wurde, woher will er denn dann seinen Ersatz bekommen - und vor allem : zu welchen Preisen?
Das schlimmste überhaupt bei allen Röhren : Die können Funkel-Nagel-Neu sein, niemals gebraucht, sorgfältigst verpackt und trocken weggelegt - sie werden trotzdem mit der Zeit defekt, weil sie im Laufe der Jahre Luft gezogen haben. Irgendein Sauerstoff-Atom wird immer wieder den Weg, an den Anschlußdrähten vorbei, in die Röhre finden. Dadurch wird die Getter-Pille - die den Sauerstoff in der Röhre vernichten, unschädlich machen soll - immer mehr verbraucht, sie löst sich immer mehr auf bis sie eines Tages ganz verbraucht ist - und dann ist die Röhre schutzlos, sie wird Luft ziehen und unbrauchbar, nutzlos, werden.
Weiterhin wird eine Röhre, die benutzt wird, sich noch zusätzlich verbrauchen - die Elektronenemittierende Beschichtung der Kathode, meist Barium, früher Thorium, wird durch den Betrieb der Röhre verbraucht.
Düstere Aussichten ? - Allerdings !
Bereits in den Kriegsjahren, sogar noch früher, kamen findige Bastler auf die Idee, eine defekte Röhre - die zudem noch teuer war - durch eine andere, vorhandene, zu ersetzen. Die abenteuerlichsten Konstruktionen entstanden so im Laufe der Jahre - der Radiosammler wird sicher schon die eine oder andere Konstruktion in seinem neu erworbenen Gerät vorgefunden haben..
Aus allen diesen soeben vorgebrachten Gründen ist es gar nicht so abwegig, wie sich manche vielleicht denken, einen solchen Röhren-Ersatz zu schaffen. - Und sei es auch nur um eine alte, gute und, vor allem, seltene und teure Röhre nicht durch den Betrieb zu verbrauchen.
Es ist auch zu beobachten, daß in letzter Zeit fast alle P-Röhren (wurden füher in Fernsehgeräten eingesetzt) - ich meine hier die Typen mit 4-Volt-Heizung - und von denen gab es ein ganze Menge verschiedener Typen - immer mehr vom Markt verschwanden, diese folglich immer teurer wurden. - Warum? - Ganz klar, diese 4-Volt-P-Röhren lassen sich auch hervorragend als Ersatz verwenden..
Nur einige Beispiele: PC 86; eine Triode mit 3,8 V Hzg; die PC 88 - auch eine Triode mit 3,8 Volt Hzg.; die PC 92 - diese Triode hat 3,1 Volt; die PC 93, Triode mit 3,8 V; PC 900, Triode mit 4 Volt; zur Not sogar die PL 95 - diese Pentode wird mit 4,5 Volt beheizt; die Abstimmanzeige PM84 mit 4,2 Volt; u.s.w.
Vor allem die erstgenannten Trioden sind hervorragend geeignet - waren denn die ganz alten Röhren nicht meist nur Trioden..?

Aus diesem Grund kam ich auf die Idee, diese Seite zu schaffen. - Warum ich sie ausgerechnet in der "Bastelschule" untergebracht habe ? - Na, logisch - wenn man sich ernsthaft um einen solchen Ersatz, um eine Umsockelung, bemüht, lernt man dabei ganz automatisch auch die jeweilige Röhre genauestens kennen. - Weil man sich mit ihr genau befassen muß, um eine Umsockelung erfolgreich durchzuführen.

Ich zeige auf dem folgenden Bild eine solche umgesockelte Röhre. Dieses Bild sandte mir ein Vereinsfreund zu.


"Erfinder" dieser RES 164-Ersatzröhre ist - das sollte man nicht verschweigen - ein GFGF-Vereinsfreund, Herr Hans-Joachim Menzel. (Aus Altergründen, das hatte mir Herr Menzel mitgeteil, ist er leider nicht mehr in der Lage weitere Ersatzröhren herzustellen, Herr Menzel bat mich, dieses hier mitzuteilen.)

Herr Menzel hat die Röhre mit RES 164 E beschriftet - E für Ersatz. Daß es ein Ersatz für eine RES 164 sein soll - das kann man auf der Röhrenbeschriftung lesen. Nur - welche Röhre hat er als Ersatz verwendet ?
- Ich verrate es Euch... es ist die Röhre 4P1L. Und es ist eine russische Röhre.
Mit dieser hatte "Iwan"die von vielen Wehrmachtsgeräte-Sammlern so begehrte gute alte RL2,4P6 vollendet nachgebaut - sie aber in einen Loctalsockel verpackt. Trotz direkter Heizung ist mit dieser Röhre ein exakte Brummkompenstation durch die Mittelanzapfung des Heizfadens möglich, bei Betrieb am Wechselstrom. - Mit einem klein wenig Nachdenken bei der Anwendung des Ohmschen Gesetzes - und der Verwendung von Shunts, Widerständen - ist mit dieser Röhre auch der Ersatz für oft gesuchte Endröhren in Allströmern möglich.

Diese Ersatz-Röhre RES 164-E eignet sich als vollwertiger Ersatz für die RES 164 orig. Der Anodenstrom ist ca. 18mA geringer als das Original; die Steilheit dagegen beträgt 6mA/Volt (gegenüber 1,4mA/Volt orig.), die größere Sprechleistung bis 4,2 Watt~ (gegenüber 1,5 Watt~ orig.) ist beträchtlich !
Diese RES 164-E ist in jedes Gerät mit RES 164, wie VE 301 und VE dyn, ohne jede Änderung einsetzbar und dabei sehr robust.
Die Daten der Röhre : 2 x 2,1 Volt Heizung (also 4,2 Volt, wenn man will), direkt beheizt, dabei 0,65 Ampere. - Ua 150 Volt; Ug2 150 Volt; Ug1 -3,5 Volt. - Ia 60 mA; Ausgangsleistung 4,2 Watt (max. 7,5), S = 6, D = 8,5.

Diese Röhre bekommt man - heute noch... - in Mengen bei Oppermann-Elektronik. Eine Bestell-Numer ist nicht notwendig, sie läuft unter dem Namen der Röhre als Artikel-Bezeichnung bei Oppermann. Der Preis - ja, der ist heiß ! - sie kostet nur 1,80 DM.
Tel.-Nr. Oppermann gefällig? 05764 - 2149, Fax - 1704. - Auch unter www.oppermann-electronic.de ist die Firma erreichbar.
(Und gebt, bei der Bestellung, ruhig mal an, daß Ihr durch meine Homepage auf Oppermann gekommen seid.. - vielleicht bekomme ich ja, irgendwann, für meine Bastel-Projekte mal das eine oder andere Teil, durch meine Empfehlungen, billiger angeboten.. - und Ihr, die Ihr die Besucher meiner Homepage seid - und hoffentlich auch bleibt! - profitiert ja auch davon, durch weitere Bastel - und Nachbau-Projekte..)

Sascha beschrieb mir seine Nachbauten, auch er hatte sehr gute Erfahrungen gesammelt:
Im VE301W habe ich die REN 904 durch eine P C86 und die RES 164 durch eine PL 95 "ersetzt". Das funktioniert sehr gut. Bei der RES 164 habe ich anstelle der beiden Widerstände je 100 Ohm zur Kathode einen 250 Ohm-Trimmer verwendet. Hierdurch konnte ich den Brumm noch etwas weiter reduzieren. Der Klang wird noch voller wenn man den Schirmgitterwiderstand (100 kOhm) mit einer Drahtbrücke überbrückt (natürlich entfernbar für eventuellen RES164-Einsatz).
Versuche mit der PC 88 im Audionteil waren dagegen enttäuschend. Das Audion wurde dann so empfindlich, daß man kaum noch eine Rückkopplung brauchte. Außerdem war der Empfang leicht verzerrt.
Im DKE 38 GW konnte ich die VCL 11 gut durch eine PCL 84 ersetzten (habe bewußt mit möglichst noch "billigen", verfügbaren Röhren experimentiert). Wichtig ist allerdings hierbei ein zusätzlicher Widerstand von mindestens 22-100 Ohm in der Gitterleitung (G1) des Pentodenteils, da sonst eine totale Übersteuerung eintritt (Kopplungen?). Nachteil die Heizung - habe ich bisher über einen Trafo mit 500 Ohm Poti zur "Entbrummung" zu Wege gebracht. Das Heizungsproblem möchte ich aber noch eleganter lösen, vielleicht über Z-Dioden. Triacs und Thyristoren scheiden wahrscheinlich aus, da ich annehme, daß die den Empfang stören? Die VY2 hatte zuvor schon durch Si-Diode "ersetzt". Was die Heizung angeht ist das ganze noch nicht rund, aber zumindestens spielt das Gerät wieder - der Klang ist sogar einen Tick besser als beim VE 301 W mit Ersatzröhren.

Auf dem nächsten Bild zeige ich, wie die Röhre nun genau verdrahtet wird, wie sie im alten Sockel der zu ersetzenden Röhre angeschlossen wird.


Wichtiger Hinweis : Ich habe leider einen kleinen Fehler eingezeichnet - das Bremsgitter der 4P1L, Pin 4, darf nicht an Pin 1, es muß an Pin 8 = Heizungs-Mitte angeschloßen werden. Somit ist die Röhre symmetrisch angeschlossen.

Mit diesem Bild habt Ihr auch sofort eine kleinen Eindruck bekommen, wie ich diese Umsockelungen in Zukunft vorstellen möchte. Ich hoffe, mit den farbig gezeichneten Linien, die ja die Verbindungsddrähte darstellen sollen, eine gut verständliche Form der Darstellung gefunden zu haben. Die Sockelbeschaltungen entnehme ich jeweils, Grafisch etwas aufbereitet, aus den Röhrenhandbüchern. Man muß immer beachten : Die Sicht ist immer von unten auf die Röhre !!
Sollte jetzt jemand auf die Idee kommen, die Umsockelung genau so durchzuführen wie auf dem Bild, würde er ein böse Überraschung erleben - es würde nicht funktionieren..
Man muß sich die neue Röhre so vorstellen wie hier gezeichnet - jedoch der alte Sockel, wo hinein die Anschlüsse eingelötet werden, darf nicht von oben, sondern von unten betrachtet werden - denn genau so ist es in der Zeichnung eingezeichnet!!
Werden die Drähte also dann von oben eingelötet, stellt man fest, daß sie Spiegelverkehrt in die Anschluß-Stifte eingesteckt werden müssen. - Was also auf der Zeichnung im unteren Sockel z.b. in blauer Farbe, links, gezeichnet wurde - dieser entsprechende Stift ist, von oben in den Sockel gesehen, auf der anderen, der rechten Seite.
Wem das ganze nun evtll. etwas verwirrend vorkommen mag, der soll sich mal solch eine Röhre in die Hand nehmen, das hier gezeichnete Sockelschaltbild betrachten - und sich das ganze einmal von oben gesehen vorstellen. - es ist Spiegelverkehrt. So kann man es am leichtesten verstehen.

Ein Tip für eine "Edel"-Umsockelung : Man löst die alte defekte Röhre vorsichtig aus ihrem Sockel. - Meist sitzt sie sowieso schon locker darin. Die Anschlußdrähte werden vorsichtig ausgelötet, das Glas der alten Röhre sowie der Sockel werden sorgfältig gereinigt.
Nun nimmt man einen dünnen Bindfaden und wickelt ihn einmal um den Röhrenhals der alten, defekten Röhre, dreht ihn fest an das Glas an. Nun tränkt man den Bindfaden mit Feuerzeugbenzin und zündet es an. Nach ganz kurzer Zeit wird das Glas an genau dieser Stelle, aufgrund der punktuellen Erwärmung, springen, d.h. der untere Teil der Röhre wird sich glatt und sauber vom oberen Teil "verabschieden". Jetzt kann das Röhren-System, das "Innenleben", vorsichtig aus dem Oberteil entfernt werden.
Hat man den Faden so platziert, daß er im dünner werdenden Teil des Röhrenfußes, also gerade eben innerhalb des Sockels, angebracht wurde, kann dann das Oberteil, nachdem die neue Röhre in den Sockel verbracht wurde über diese gestülpt werden und am Rand, am Sockelhals, mit etwas Sekundenkleber verklebt werden.
- Eine solche gefäschte Röhre muß aber als Fäschung, als Ersatz, gekennzeichnet werden - siehe das Foto ganz oben..

Gerd Keuenhof schrieb mir u.a. diesen Tip: Noch´n Tipp zum Sprengen von Glaskolben: Man kann statt eines Benzinfadens auch einen Widerstandsdraht an einer starken, regelbaren(!!!!!!) Stromquelle nehmen und diesen Draht an der richtigen Stelle zum Glühen bringen. Nach kurzer Zeit springt das Glas wie vorgesehen. Handschuhe nicht vergessen!!

In der Bastelschule stellte ich einen Reflexempfänger mit der russischen Röhre 12SH1L vor. Diese Röhre - auch bei Oppermann - führ 1,80 DM zu beziehen - ist ein perfekter Ersatz für die alte Wehrmachts- Röhre RV12P2000. Selbst die Amerikaner baute die RV12P200 nach - dort hieß sie dann 6AK5 - in Europa dann sogar EF 95...
- Das Problem : Die RV12P2000 hatte einen ungewöhnlichen Sockel (sie wurde sogar kopfüber in den Sockel gesteckt), welcher eine Höhe von über 5 cm hatte. - Die Russische 12SH1L aber ist, wie die meißten russischen Röhren, mit Loctal-Fassung versehen. Deshalb ist eine Umsockelung hier nicht machbar - hier könnte leider nur der komplette Sockel ausgetauscht werden.

Eine weitere, sehr gute Röhre ist die 2SH27L. Sie kostet bei Oppermann 0,45 DM. - Ja, das gibts auch noch!! - Diese Röhre ist äußerst Universell einsetzbar. Sie hat eine 2-Volt-Heizung, kann als direkter Ersatz für eine ganze Reihe der uralten Batterie-Röhren verwendet werden. - Hier zeige ich das Sockelschaltbild dieser Röhre:


Wie gesagt, wird sie mit 2 Volt - genau gesagt mit 2,2 Volt beheizt, dabei verbraucht sie 0,057 mA..
Diese Röhre ist ein Nachbau der deutschen Militürröhre RV2,4P700. - Sie ist direkt beheizt, ein Pentodensystem mit Ua 120 Volt; Ug2 45 Volt, Ug1 0 Volt. Anodenstrom Ia 1,9, Steilheit von 1,25 (!!), Ri 700 Ohm, und eine maximal Ia von 4,9 mA, sie leistet - sage und schreibe - 4,9 Watt. Ein Sahnestück, diese Röhre.. - und kostet dabei nur 45 Pfennig, man glaubt es fast nicht !
Für welche Röhren diese als Ersatz genutzt werden könnte - es ergäbe eine ziemlich lange Liste...

Ich habe mir diese Röhre testweise auf einen Europa-Sockel gelötet, als Triode geschaltet (Bremsgitter auf Heizung/Kathode, Schirmgitter direkt auf Anode). Ich war so von der Leistung beeindruckt, daß ich sie "weiterbearbeitete", sie mit dem Glas-Oberteil einer defekten Röhre "verschönte". Diese Röhre kann beispielsweise für folgende Röhren als Ersatz verwendet werden: RE 062, RE 102, RE112, RE142, sogar als RE152, u.s.w. - In einem Topfsockel mit Außenkontakten kann sie als KC 3 verwendet werden - als KC 1 wäre sie zu stark. Als eine Pentode, die sie ja ist, kann sie für eine ganze Reihe weiterer Röhren als Ersatz verwendet werden, wie z.B die KL1, KL2..KF4, KF7...
- Wie ich bereits sagte - es ist eine sehr universell einsetzbare Röhre !
Im folgenden Bild zeige ich die Röhre, fertig im 4-Pol-Europa-Sockel, mit der Glaskappe einer defekten französischen Röhre - hier ist sogar noch der Getter-Niederschlag (diese Spiegel-Beschichtung) - im Glas erhalten geblieben.



Im rechten Bild, in der Ausschnittsvergrößerung, erkennt man innerhalb der Glaskuppel die kleine russische Röhre.

Es gibt natürlich auch Fälle bei der Reparatur eines Empfängers, wo man unbedingt eine Röhre ersetzen muß aber kein Ersatz da ist - auch nicht in der Form wie oben beschrieben. Hier muß man in zwei Kategorien unterscheiden:
a) - Wechselstromgeräte:
Hier kommt es auf die Heizspannung an, weil die Heizfäden der Röhren parallel geschaltet sind. Braucht nun die neue Röhre weniger Heizspannung als die alte, so ist die vorhandene Überspannung durch einen in Reihe zum Heizfaden gelegten Widerstand zu vernichten. Dieser Fall tritt indessen nicht sehr oft auf. Viel häufiger benötigt die neue Röhre eine höhere Heizspannung, wenn z. B. eine 4-Volt-Röhre durch eine 6,3-Volt-Röhre zu ersetzen ist. Dann wird man zunächst versuchen, die Heizwicklung des Netzübertragers um die erforderliche Windungszahl zu erhöhen. Ist dies nicht möglich, kann man sich vielleicht mit einem Klingeltransformator behelfen (Belastbarkeit beachten).

b) - Allstromgeräte:
Hier kommt es auf den Heizstrom an, weil die Heizfäden in Reihe geschaltet sind. Ist er bei der neuen Röhre geringer als bei der bisherigen, so muß ihrem Heizfaden ein entsprechender Widerstand parallel geschaltet werden. Der allgemeine Vorwiderstand im Heizkreis muß kleiner werden, wenn die Heizspannung der neuen Röhre höher als die der alten ist und umgekehrt. Hat die neue Röhre einen höheren Strombedarf, so muß den Heizfäden der übrigen Röhren ein entsprechender Widerstand parallel geschaltet werden. Außerdem ist der allgemeine Vorwiderstand (meist ein sehr großer Keramik-Widerstand) im Heizkreis entsprechend zu verändern.
Ein etwa vorhandener Eisenurdoxwiderstand muß ebenfalls entsprechend angepaßt bzw. mit einem Parallelwiderstand versehen werden. Oft ist neben der Sockeländerung auch noch die negative Gittervorspannung auf einen anderen Wert zu bringen.
Für die Errechnung der neu benötigten Widerstandswerte ist neben dem Ohmschen Gesetz R = U/I auch die Formel N = U x I für die Ermittlung der Belastung des Widerstandes anzuwenden.

Hier, zum Verständnis der Problematik, ein ausführliches Beispiel:
Es soll eine Gleichrichter-Röhre AZ 1 durch eine EZ 12 ersetzt werden. - Ich benutze die EZ12 als Beispiel, weil diese Röhre noch leicht zu haben ist und der Bastler sicher das eine odere Exemplar im Besitz hat.


Hier ist zunächst erst der Sockel selber zu ändern - oder die neue Röhre wird aus ihrem Sockel ausgelötet und in den Sockel der alten Röhre eingesetzt. - Anschließend ist in die Heizleitung ein Serienwiderstand von 2,3 Ohm - 3 Watt einzusetzen. Weiter kommt in jede Anodenleitung ein Widerstand von 150 Ohm, 2 Watt. - Außerdem ist noch die Kathode des EZ 12-Sockels mit dem Heizfaden zu verbinden, weil die AZ 1 eine direkt beheizte Röhre die EZ 12 jedoch eine indirekt beheizte Röhre ist.

Soll eine AZ 11 durch eine EZ 12 ersetzt werden, kann der Sockel bleiben, ansonsten muß wie bei der AZ 1 umgeschaltet werden.

Bereits am Anfang dieser Seite sprach ich davon, daß früher schon findige Bastler auf die Idee des Ersetzens einer defekten Röhre durch eine eines anderen Typs kamen. - Hier folgen nun drei eingescannte Seiten aus einem Heftchen, Jahrgang ca. 1945, aus denen eltliche Röhren-Ersatztypen aufgelistet sind.




- Und dann gibt es noich die Möglichkeit, in amerikanischen Empfängern - bzw. Geräte, die amerikanische Röhren verwenden, folgende deutsche Ersatztypen zu verwenden :



Bei allen sind, wie man leicht erkennt, die jeweiligen Sockelschaltungen eingezeichnet sowie die jeweiligen Spannungen und Ströme. - Auch der, falls erforderlich, jeweilige Widerstand, parallel oder in Serie (oder beides) wird gut erkennbar aufgelistet.

Bei den Gleichrichterröhren kann man auch, wie es oft im DKE praktiziert wird, diese Röhre durch eine Diode ersetzen. - Ist die Heizung defekt, muß ein Widerstand eingesetzt werden - er wird auf den entsprechenden Anschlüssen des Sockel einfach aufgelötet. Ist das System defekt, wird einfach eine Diode - z.B. eine 1N14004 - 4007 eingesetzt, mit einem u,3 uF-Parallelkondensator. Die Röhre kann in beiden Fällen im Gerät verbleiben, um "kein Loch zu hinterlassen"...
Hier, für einige der am häufigsten verwendeten Gleichrichterröhren, der erforderliche Widerstandswert als Heizwiderstand-Ersatz:
Für eine VY 1 wird ein 1000 Ohm-Widerstand, 3 watt, eingesetzt.
Für eine VY 2 ein 600 Ohm, 1,5 Watt-Widerstand.
Für eine CY 1 100 Ohm, 4 Watt.
Für eine UY 11 500 Ohm, 5 Watt.

Und dann gibt es noch ein paar besondere Fälle (- wo gibts die nicht?..) :
Im VE 301 GW; Ersatzröhre VL 1 für die VL 4:
Beim Betrieb am 220-Volt-Netz ist das gerät auf 150 Voltr zu schalten. Hierdurch wird der Heizvorwiderstand abgeschaltet, so daß Heizkreis und Netzspannung zu Übereinstimmung gebracht sind.
VE 301 Dyn GW; VL 1 auf VL 4:
Der Urdox ist kurzzuschließen, wodurch die für die VL 4 zusätzlich erforderliche Heizspannung gewonnen wird. Da die vorgeschriebenen Skalenlampen für 0,05 A ohne Urdox-Ausgleichwiderstand beim Einschaltstromstoß durchbrennen würden, müssen, evtll. unter Verzicht auf Skalenbeleuchtung, Lampen mit 0,2 A Stromaufnahgme verwendet werden, die lediglich den Heizkreis schließen sollen.

Es wurden oft, "mangels Masse" - also fehlendem Angebot - sehr viele Röhrentypen sogar schon Fabrikmäßig umgesockelt, es hatte sich eine kleine Industrie entwickelt, die Ersatzröhren anboten.
Im folgenden Bild zeige eich eine solche "Original-Ersatzröhre", hier wurde, um eine EF 11 zu ersetzen eine EF 42 verwendet - es "entstand" daraus diese EF 11-E.


Obwohl, wenn man sich die Sockelschaltbilder ansieht, es für jeden erkennbar sein sollte, wie die Verbindungen herzustellen sind, habe ich auch hier - farbig - die herzustellenden Verbindungen eingezeichnet. - Nur die Heizungsverbindungen habe ich nicht mit eingezeichnet, darauf verzichtet der besseren Übersicht wegen.


Es ist ratsam, die einzelnen Drahtverbindungen mit verschiedenfargiger isolierter Litze herzustellen, nach ca. 1,5 cm die Isolierung zu entfernen und den Draht zu verzinnen. Die Verbindungen, die senkrecht - weil übereinanderstehend wie z.B. die beiden Heizleitungen, sollten mit festem Schaltdraht hergestellt werden. Wenn alle Drähte wie hier am am Rimlock- Sockel der EF 42 angelötet sind, steckt man sie durch die entsprechenden Stifte des EF 11-Sockels - dabei sorgfältig kontrollieren, es darf zu keinerlei Fehlverbindungen kommen!

Und noch eine Umsockelung, von einem findigen Bastler hergestellt, habe ich in meinem Röhrenbestand gefunden : Eine erfolgreiche Umsockelung einer EB 11 auf den Sockel für eine EB 4 - die, heute nur noch sehr selten aufzufinden, hierdurch ersetzt wird.


Auch hier wird genau so vorgegangen wie bei der zuvor beschriebenen Röhre.


Ich zeige in den folgenden Bildern meinen erfolgreichen Versuch, eine RES 164-E herzustellen. Ich nahm einen 5-poligen Europa- Sockel (mit einem Mittel-Pin), schob die an der 4P1L angelöteten Drähte durch die Sockel-Pins und verlötete sie.



Anschließend wurden die Drähte bis zur Lötstelle verkürzt.


Nun nahm ich eine defekte RE 134, mit einem Benzingetränkten Bindfaden (s.oben) trennte ich das Glas der Röhre an der von mir gewüschten Stelle. - Auf dem folgenden Bild erkennt man das herausgezogene System und das mittlerweile gereinigte Röhrenoberteil.



Ich schob das Glas-Oberteil über die russische Röhre und fixierte es mit etwas Sekundenkleber-Gel.
Und hier nun - "meine" RES 164 (E) - sie wird mir in meinem Volksempfänger nun gute Dienste leisten..!


Als "Beweisfoto" - hier nun die fertige Röhre auf meinem Röhrenprüfgerät Funke W19. - Oben die Röhre, in der Mitte die Prüfkarte - am mittleren Kartenfenster links kann man, hoffe ich, noch den Aufdruck RES 164 erkennen.

Auf dem Meßgerät, unten im Bild, erkennt man den Zeiger - am Vollausschlag..


Zum Abschluß noch meine Erfahrung mit der neuen Röhre : Ich habe sie in meinen Volksempfänger eingesetzt, sie durch die eingebaute echte RES 164 ersetzt. - Mein Güte, was ist das für ein Unterschied! Die RES 164 (E) - also die Ersatzröhre - ist ganz erheblich lauter und klingt auch viel besser. Ich bin sehr zufrieden, bin sogar begeistert!

Mit der RES 164-E baute ich eine Ersatzröhre für den Volksempfänger. Als ich diese Röhre in meinem VE testete, fiel mein Blick auf die Audion-Röhre für den VE, die REN 904. Nach kurzem Nachdenken fiel mir dann auch noch die 4SH1L ein - diese russische Röhre, die ich schon auf meiner Seite "Bastelschule", im Artikel "Reflexempfänger" beschrieben hatte.
Diese ist eine 4-Volt-Röhre und mit der 12SH1L ein identisches System besitzt und ein Gegenstück zur deutschen RV12P2000 ist. Diese Röhre ist eine Pentode, die REN 904 ist aber eine Triode...
Nun, macht nichts, dachte ich und machte mir einen Versuchsaufbau. - Was soll ich sagen? Toller Empfang !!
Auf dem folgenden Bild zeige ich die Schaltung, wie diese Röhre, die 4SH1L, auf den 5-poligen Europa-Sockel zu schalten ist.



Das Bremsgitter wird auf Kathode gelegt, das Schirmgitter mit einem 100-Ohm-Widerstand auf die Anode hochgelegt - schon hat man eine sehr leistungsfähige Triode...

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Mir wurde auf dem letzten Radio-Flohmarkt in Duisburg von einem holländischen Händler eine Röhre verkauft. Ich kannte diese Röhre nicht, das System innerhalb der Röhre war mir unbekannt, hatte es noch nie gesehen.
Die Form des Glases kannte ich auch nicht, die Röhre hatte aber eine sehr schöne Form.
Die Frage was dies für eine Röhre wäre konnte mir der Händler auch nicht beantworten. - Da sie aber nur wenig über 10.-DM kosten sollte, nahm ich sie mit. Zu Hause testete ich sie auf meinem Röhrenprüfgerät und stellte fest, daß die Heizung durch war.
Heute baute ich die Röhre auseinander, ich wollte wenigstens den Sockel retten und nach Möglichkeit auch das Glas. - Leider war die Röhre mit Sekundenkleber im Sockel verklebt worden, eine Rettung des Glases war somit nicht mehr möglich.
Als ich das Glas dann auf die "brutale" Art entfernt hatte, staunte ich nicht schlecht.. - aber seht selbst. - Auf dem folgenden Bild zeige ich das herausgelöste System dieser Röhre.



Auf den beiden nächsten Bildern kann man leicht erkennen, was mich so zum Staunen brachte.. :





Da hat irgendein Spezi auf eine, wie ich finde merkwürdige, ja geradezu bedenkliche Art und Weise eine "Umsockelung" durchgeführt - hier muß man bereits wirklich von einer Fälschung sprechen !
Auf fachmännische Weise wurde der dünne Pump-Stutzen, wodurch die Röhre bei der Produktion luftleer gepumpt und verschlossen wurde, entfernt und am obersten Ende mit einem mir unbekannten Material wieder zugeschweißt - ohne daß Luft in die Röhre kam. Sie war noch sehr schön verspiegelt.
Durch das entfernen des Pumpstutzens hatte man nun genügend Platz für eine kleine Subminiatur-Röhre, diese hatte den Aufdruck "6977 Holland". Versteckt wurde diese Röhre noch zusätzlich von einem übergestülptem braunem Isolierschlauch - es war absolut nichts von dieser Täuschung erkennbar !

Auf dem folgenden Bild zeige ich diese Röhre noch einmal - nun aus dem Sockel ausgelötet.



Sie ist genau 30 mm lang und 5 mm im Durchmesser. Sie entspricht der Vergleichstype DM160, es ist eine Anzeige-Röhre, die innere Schaltung also eine Triode - sie hat (hatte..) eine Heizspannung von 1 Volt (!!) bei 50 Volt Betriebsspannung.
Da aber im Sockel keinerlei Vorwiderstand eingelötet war, ist es mir ein Rätsel, ob diese Röhre jemals funktionierte - ihr Heizfaden wird sofort, bei der ersten Inbetriebnahme, durchgebrannt sein - aber ein noch viel größeres Rätsel für mich ist, daß dieser "Spezi" keine normale Triode einbaute, sondern eine Anzeige-Röhre, diese hier zeigt einen Punkt an, einen "magischen Punkt". - Was wollte er mit diesem Umbau bezwecken? - Es wird wohl ein Rätsel bleiben...
Wenn er anstatt dieser Röhre beispielsweise eine DL64 eingebaut hätte, dann könnte ich noch einen Sinn hinter dieser Arbeit erkennen. - Falls jemand eine Idee hierzu hat - er möge sich bitte bei mir melden !!

Wenn man einmal von der - in der Leistung schwächsten - Batterieröhren ausgeht, wie z.B. die RE 034, kommt man auf eine Heizspannung von 4 Volt bei einem Strom von 0,06 Ampere - die 6977 (DM160) hat 0,03 Ampere. Es hätte hier also ein Widerstand von (R=U/I) 100 Ohm mit einer Belastbarkeit von (P=UxI; Leistung = Spannung x Strom) 0,09, also 0,1 Watt eingelötet sein müssen, bei der erwähnten DL64 wäre es ein 300-Ohm-Widerstand gewesen. - So ein "Spezi" (von der Bedeutung "Spezialist") war er also doch nicht, der diesen Umbau irgendwann durchführte ..

Aber noch einmal zu dieser Art Umbau : Das, was hier gemacht wurde, so versteckt wurde, ist eindeutig als eine Fälschung zu bezeichnen, um andere zu täuschen, zu betrügen.
Der, der so etwas baut und an andere verkauft macht sich - nicht nur moralisch ! - strafbar.
Wenn Röhren ersetzt werden sollen, dann muß man diese auch als solche erkennbar machen - auf jeden Fall mit der zusätzlichen Bezeichnung " E " für Ersatz-Röhre, dieser zusätzliche Buchstabe ist allgemein bekannt.

Ganz oben hatte ich die Umsockelung der RES164 beschrieben, als Ersatzröhre wurde die russische Röhre 4P1L verwendet. Hat man aber die Röhre PL95 zur Verfügung, kann auch diese - sogar ganz hervorragend! - verwendet werden. Auf dem nächsten Bild zeige ich in - mittlerweile, wie ich hoffe, gewohnter Art - wie die PL95 im Sockel angeschlossen wird. - Wenn keine PL95 zur Hand ist, kann sogar eine EL95 benutzt werden. - Sie ist dann sehr unterbeheizt, sie funktioniert aber trotzdem tadellos.


Wie man erkennt, wurde hier die notwendige Symmetrie mit den beiden 100-Ohm-Widerständen geschaffen. - Da ja die RES164 eine direkt beheizte Röhre ist, d.h. die Heizung und die Kathode sind zusammengeschlossen, würde bei der Verwendung einer indirekt beheizten Röhre wie die PL95 ein "Brumm" auftreten. Durch die beiden Symmetrie- Widerstände wird hier der Ausgleich geschaffen.

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Bei eBay wurde ich auf eine Auktion aufmerksam, dort wurde eine merkwürdig aussehende Röhre angeboten, sie solle ein Ersatz für die RES164 und auch für die RE134 sein.
Da der Preis moderat war (und ich sehr neugierig, was sich hinter diesem Gebilde verbarg), kaufte ich die Röhre vom Anbieter:











Mit einer Feile entfernte ich die Vernietungen



- und mit einem spitzen Gegenstand vorsichtig die Schaumgummiplatte oben im Kopf - sichtbar wurde diese Röhre:



Die Röhre war noch mit etlichen Schaumgummiringen seitlich geschützt, die ich ebenfalls vorsichtig entfernte, bis die Röhre frei lag. Mit einer Schere schnitt ich die Anschlüsse an den Lötstellen der recht einfachen Verbindungsplatte ab, die nur aus einem Pertinaxring mit Lötnägeln bestand, die mit dicken "Lötknubbeln" gesichert wurde.

Die U-förmige Schleife (folgendes Foto) besteht aus Konstantandraht und ist der Widerstand, der die Heizung (4 Volt) der RES164 bezw. der RE134 (ebenfalls 4 Volt) anpassen sollte, an die Heizung der im Gehäuse befindlichen Röhre.



Das folgende Foto zeigt sämtliche Teile, aus der diese Ersatzröhre bestand:



Es folgenden Fotos der Röhre. Diese ist mit einem handschriftlich beschrifteten Aufkleber versehen, mit der Inschrift S 318. - Darunter, kaum sichtbar, entdeckte ich weitere schwache Schriftzeichen. Erst mit der Lupe konnte ich sie entziffern: RL2,4T1 stand auf der Röhre! - Unter diesem Link, auf meiner Seite Röhren-Geschichtliches / Militärröhren, findet man zur RL2,4T1.










Im Datenblatt der RL2,4T1 findet man folgende Heizdaten: 2,4 V / 165 mA.
Eine RES164 hat 4 V / 0,15 A, eine RE134, ebenfalls 4 V / 0,15 A. Das Stück Konstantan-Widerstandsdraht bildet einen 5,5-Ohm-Widerstand. - Passt also in etwa.

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Einen weiteren interessanten RES164-Ersatz wurde mir von Siegfried vorgestellt. Eine nach heutiger Sicht aufwändige Lösung; denkt man jedoch an die damalige Zeit, war es eine durchaus gute und praktikable Verwendung der damals in grossen Mengen vorhandenen P2000.
Siegfried sandte mir diese Fotos zu:





Da die als Ersatz verwendete P2000 mit 12 Volt, die RES164 jedoch mit nur 4 Volt beheizt wird, wurde hier ein Autotransformator verwendet (erkennbar an den nur drei Anschlüssen). Er transformiert die 4 Volt Heizspannung auf die benötigten 12 Volt.







Der Blechwinkel, der die P2000 mitsamt Trafo und Sockel verbindet, ist im Sockel mit zwei Schrauben befestigt





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Bisher beschrieb ich nur den Austausch, den Ersatz von Empfangs- bzw. Verstärker-Röhren. Ein ebenso wichtiger Bereich ist der Ersatz von Gleichrichter-Röhren in den alten Geräten.
Ich zeige, zum besseren Verständnis, die schematische Darstellung der Gleichrichter-Röhre mit ihrem Anschluß am Netztransformator :


Im linken Teil sieht man die Heizung der Röhre, die auch gleichzeitig die Kathode - also den Pluspol darstellt, an der oberen (4-Volt-) Trafowicklung angeschlossen. Die untere Wicklung, meist eine 2 x 300-Volt-Wicklung, ist mit ihrem Mittelpunkt, also der mittleren Anzapfung, an Schaltungs-Masse, Minuspol, angeschlossen.
Soll nun eine solche Gleichrichterröhre ersetzt werden, wäre es natürlich unsinnig, dafür nun moderne, neue Röhren in den Sockel einer defekten Röhre einzusetzen. Hier gibt es eine viel einfachere Löung, wie man im rechten Teil des Bildes erkennt - es wird einfach eine Diode in die Schaltung eingesetzt.
Diese Diode aber nun direkt unter den Sockel der Gleichrichterröhre einzulöten würde aber einen Eingriff, eine Veränderung des Gerätes bedeuten - der Sammler spricht hier vom "Verbasteln". - Dieses sollte nach Möglichkeit, um den Originalzustand (und damit den Wert des Gerätes) zu erhalten immer vermieden werden !
Die optisch bessere Lösung ist, den Glaskolben der defekten Röhre - vorsichtig! - aus ihrem Sockel zu entfernen und die Diode - am besten die billige Universal-Diode 1N4007 (1000 Volt / 1 Ampere) direkt in den Sockel einzulöten. - Glaskolben wieder drübergesetzt - fertig. - Fertig? Nein, leider nur in den allerseltensten Fällen.
Handelt es sich um E-Röhren, die mit einem Transformator beheizt werden und deren Heizkreis sich nicht in Reihenschaltung mit anderen Röhren befindet, kann man diese Ersatzschaltung anwenden.
Was aber, wenn Röhren in Reihenschaltung beheizt werden, wie alle U-Röhren, oder die V-Röhren wie sie im DKE sind? - Dann entsteht schon ein etwas höherer Aufwand .. - es muß ein Widerstand eingesetzt werden, der die Heizung der Röhre ersetzt.
Da aber hier oft die Belastbarkeit des Widerstandes (Watt) so hoch - der Widerstand selbst also so groß wird, daß er nicht mehr unsichtbar in den Sockel der Röhre eingesetzt werden kann, muß man eben in den "sauren Apfel beißen" und die ganze Ersatzschaltung doch unterhalb des Röhrensockels anbringen - oder den Widerstand offen, senkrecht, in den Sockel unterbringen. Wird das ganze sauber und ordentlich ausgeführt, hat es schon seinen Reiz. - Weiterhin kann man ja auch noch den abgelösten Glaskolben (siehe die Fotos oben auf dieser Seite) über das ganze setzen und mit dem Sockel verkleben. - Es sieht nicht schlecht aus!
Hier eine kleine Tabelle der Gleichrichter-Röhren, bei denen ein Ersatz lohnen würde mit den einzusetzenden Widerständen und deren Belastbarkeit.

Röhrentype

Ersatzwiderstand Ohm

Belastbarkeit in Watt

CY 1

100

4

CY 2

150

8

EZ 11

22

2

UY 1

500

6

UY 11

500

6

UY 41

310

4

UY 85

380

4

UY 89

310

4

VY 1

1100

4

VY 2

600

2


Beispielberechnung: Die CY1 hat eine Heizspannung von 20 Volt bei einem Strom von 0,2 Ampere die "vernichtet" werden müssen. Nach der einfachen Formel R=U/I wird also 20 Volt durch 0,2 geteilt, es kommen 100 Ohm heraus. Jetzt nur noch die Belastbarkeit nach der Formel P (für die Belastbarkeit in Watt) = U x I. - Hier wird nun die Spannung, 20 Volt, mit dem Strom, 0,2 Ampere, multipliziert. Heraus kommt eine Belastbarkeit von 4 Watt.

Selbstverständlich ist hier nur die Gleichrichter-Röhre mit durchgebranntem Heizfaden gemeint!
Es kommt gelegentlich - ganz besonders bei der DKE-Röhre VY2 - vor, daß der Heizfaden noch intakt ist, daß nur die Zuführung zur Kathode z.B. bei einem Durchschlag (Kurzschluß) des Lade-Elkos zerstört wurde.
In einem solchen Fall bleibt die Röhre in ihrer Fassung, der Ersatzwiderstand für den Heizfaden ist also überflüssig.
- Hier wir dann die Diode immer unter das Chassis, direkt am Röhrensockel, parallel zu Anode und Kathode angebracht, wobei beachtet werden muß daß der Pluspol der Diode (der weiße Ring an einem Ende bezeichnet den Pluspol !) am Kathodenanschluß angeschlossen wird.
- Was aber meist von allen Bastlern gerne vergessen wird ist den Widerstand zur Begrenzung der unweigerlich hierdurch entstehenden Spannungs- und Stromspitzen einzubauen (steile Durchlaßkennlinie und kürzere Stromflußwinkel !)
Hierfür muß für jede Diode ein Widerstand gelegt werden der etwa dem Serienwiderstand der Trafowicklung entspricht. - Dieser Wert steht übrigens als "Rs min" in den Röhrentabellenbüchern und liegt meist bei etwa 50 - 200 Ohm - bei der nachfolgend beschriebenen UY 41 ist er mit 210 Ohm angegeben.

Auf dem folgenden Foto sieht man die Rimlock-Röhre UY41, bei der der Heizfaden durchgebrannt war. Für eine meiner Philettas benötigte ich genau diese Gleichrichterröhre, deshalb fertigte ich sie mir nach obenstehenden Berechnungen an. Ich entfernte zuerst den Metallkragen am Fuß der Röhre, trennte den Glasboden ab und baute sie um. Anschließend wurde das Glas aufgesetzt und wieder mit dem Glasboden verklebt. - Ich mußte nur noch den Metallkragen ankleben, damit die Rimlockröhre wieder ihren Führungs-Punkt, die kleine Verdickung an der Seite, erhält. - Meine Philetta funktioniert wieder einwandfrei mit dieser UY41-E!


- Und, als "Beweisfoto" - die UY41-E im Röhrenprüfgerät :



Es wird immer schwerer für eine RENS-Röhre einen Ersatz zu bekommen. Deshalb wäre es empfehlenswert in Vorführ-Radiogeräten eine Ersatzröhre einzubauen, um die originale und kostbare Röhre zu schonen.
Auch für eine defekte Röhre ist oft eine Ersatz-Röhre gefragt. Mit den Röhren PF 83 und PF 86 kann ein großer Bereich abgedeckt werden.
Im folgenden Bild stelle ich eine solche Umsockelung vor.


Wird - wie ich es auf dieser Seite schon einige male zeigte - über die Ersatzröhre das Glas einer defekten RENS-Röhre übergestülpt muß der Anodenanschlußdraht, wie im Bild erkennbar, nach oben geführt werden und mit dem Rest-Anschlußdraht des entfernten Systems verlötet werden. - Ansonsten hat man die Möglichkeit am Europa-Sockel einen seitlichen Anschluß anzubringen, indem man ein 3-mm-Loch bohrt und eine 3-mm-Schraube als Verbindung zur "Außenwelt" benutzt.

Um eine RENS 1374d erfolgreich zu ersetzen benötigt man nur eine PL 95, wie im nachfolgenden Bild erkennbar wird.


Bei dieser Umsockelung darf der seitliche Gitter-2-Anschluß am Europasockel nicht vergessen werden.. - Ist kein Europa-Sockel mit seitlichem Anschluß vorrätig wird dieser Anschluß - wie vorher schon beschrieben - mittels einer seitlich angebrachten 3-mm-Schraube hergestellt.
Um Schwingneigungen zu unterdrücken muß ein 1 bis 10 kOhm-Widerstand vor den Gitter-1-Anschluß eingesetzt werden - was eigentlich bei allen meinen hier vorgestellten Umsockelungen getan werden sollte !

Die nächste Möglichkeit eine der alten Röhren zu ersetzen stelle ich nun vor, diesesmal ist es die EL 12 mit ihren Varianten und die EL 12 Spezial, sowie auch die EL 11 - sie können ohne Änderungen durch eine EL 84 ersetzt werden. Sogar der Ausgangsübertrager der EL 11 und der EL 12 kann für die EL 84 weiterverwendet werden.
Es muß sogenannter Stahlröhrensockel besorgt werden - oder man nimmt den Sockel einer defekten EL 12 und baut direkt in diesen Sockel einen Noval-Sockel ein. Die notwendige Verdrahtung wird dem folgenden Bild entnommen, einen solchermaßen hergestellten Sockel erkennt man auf dem Bild gleich daneben :

   

Sollte allerdings die EL 12 Spezial ersetzt werden, muß der Anodenanschluß vom Noval-Sockel der EL 84 herausgeführt werden. Weiterhin muß eine Anoden- oder Gitterkappe einer defekten Röhre besorgt werden. Diese Kappe klebt man - am besten mit Sekundenkleber - über die Spitze der EL 84, nachdem man den herausgeführten Draht an die Kappe verlötet hatte. Nun kann man auch diese so merkwürdig aussehende EL 84 als EL 12 Spezial verwenden.

Auch mit einer Anoden- oder Gitterkappe versehen muß man die ECH 81, will man sie als Ersatz für eine ECH 4 verwenden. Hier ist es allerdings dann nicht der Anodenanschluß, wie bei der Pentode EL 12 Spezial sondern der Gittereingang für die Heptode der ECH 4. - Genaueres erkennt man aus dem Schaltbild :



Ein weiterer Ersatz für eine der mittlerweile seltenen alten Röhren ist ein Ersatz für die ECL 11 - hier ist es die ECL 82, die die ECL 11 ersetzen kann. Das folgende Schaltbild zeigt die notwendige Verdrahtung.




Durch ein Gespräch mit einem Bekannten kam ich auf die Idee, doch einmal die Daten der Röhre ELL 80 mit der der EL 95 zu vergleichen - und, siehe da : in so gut wie allen Punkten vollkommen identisch.. ! (Die wenigen kleinen, minimalen Unterschiede sind absolut unerheblich.) - Was liegt also näher als die Möglichkeit sich die ELL 80 "selbst zu bauen" ? Anhand der Beispiele (auf dieser Seite) dürfte es keinem mehr Probleme bereiten, sich eine ELL 80 E zu bauen. Der Vorteil bei der Ersatz-Röhre, deren Vorbild ja wohl ausschließlich nur in geschlossenen Radiogeräten eingebaut wurde, ist der enorme Preisunterschied ..
Eine weitere Möglichkeit liegt dann ja auch fast auf der Hand - die Röhre ECLL 800 : eine EC 92, zwei EL 95.. - und hier ist der Preisunterschied dann schon gewaltig.
Um sich eine dieser Röhren zu bauen wird man wohl anders vorgehen müssen wie bei den Beispielen oben auf dieser Seite - hier wird man sich eine Platine herstellen müssen mit zwei Sockeln für die ELL 80 bzw. mit drei Sockeln für die ECLL 800. Mit Lötnägeln an der Platinenunterseite bildet man sich den 9-poligen Röhrenfuß nach, der dann in den Sockel der zu ersetzenden Röhre gesteckt wird. - Als Platine kann auch ein etwa 1 mm dicker Streifen aus Pertinax oder anderem Isoliermaterial verwendet werden, - die Verbindungen von den einzelnen Sockeln hin zu den Lötnägeln wird dann aus Drahtverbindungen hergestellt.

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Die nächste Umsockelung ist ein UY3-Ersatz, hier wird von der UY82 auf die UY3 umgesockelt. - Diese vorgestellte Lösung erhielt ich freundlicherweise von Jürgen (im Forum: Kampfkater) als Geschenk :








Da die UY83 mit 55, die UY3 mit 50 Volt beheizt werden - die sonstigen Spannungen (Anode) und Ströme aber identisch sind, ist die UY82 ein perfekter Ersatz.

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Den folgenden Beitrag habe ich meiner Seite "Nachbau-Projekte" entnommen, weil er hier, auf dieser Seite, besser "aufgehoben" ist, er gehört besser hier hinein. Kleinere Zusätze, wie der vorhin erwähnte Aufbau einer ELL 80 aus zwei EL 95, werden sich hier wiederfinden, entschuldigt also bitte die Wiederholung.

Wenn man bei einem alten Radio fehlende Röhren durch moderne Röhren ersetzen will, bis man später die originale Röhre bekommen kann, gibt es das Problem der 4 Volt Heizspannung. Man kann D- oder Wehrmachtsröhren nehmen und über einen Vorwiderstand heizen. Diese Röhren sind aber auch selten und eigentlich zu schade, weil sie für Kofferradios, Wehrmachtgeräte oder die Röhrensammlung vorgesehen sind.
Aus der Röhrenzeit der Fernsehgeräte gibt es aber noch viele P-Röhren mit 300 mA Heizstrom jedoch unterschiedlicher Heizspannung, meist über 9 Volt. Einige der P-Röhren haben nur ein Röhrensystem und kommen mit einer Heizspannung ca. 4 Volt aus. In den Ferseher-Tunern gab es die PC 86 und PC 88 mit 3,8 V Heizung und als Endröhre die PL 95 mit 4,5 V Heizung. Die PC 92 und PC 96 mit 3,1 V sind die Ausnahmen, die bei 4 V einen Vorwiderstand braucht. Seltener zu finden sind die PC 97, PC 900. Die geringe Unterheizung wie bei der PF 86 und PL 95 kann man getrost in Kauf nehmen.

Tabelle: Zusammenstellung von P-Röhren mit ca. 4 V Heizspannung

Type

Uf

-Ug

la (mA)

Verwendung

PC 86

3,8

-1,5

12

steile UHF-Triode

PC 88

4

-1

12.5

UHF-Triode, HF-Verstärker

PC 92

3,1

-1

11,5

HF-Verstärker, UKW-Mischer

PC 93

3,8

-4

16

Oszillator

PC 95

3,6

-1.2..-5.6

10

regelbare HF-Verstärkung

PC 96

3,1

-1

11.5

HF-Verst., selbstschw. Mischröhre

PC 97

4.5

-1

11

regelbare VHF-Triode

PC 900

4

-1

11,5

dito (für Fernsehgeräte)

PF 83

4,5

-1,6

4

regelbare NF-Verstärkung

PF 86

4.5

-2

3

mikrofoniearme Pentode, Oszillator

PL 95

4,5

-9

24

NF-Leistunqspentode


Die PC 86 oder PC 88 kann man sowohl für HF als auch für NF und mit ihrem Anodenstrom über 10 mA. auch als Endröhre verwenden, wo sie ohne Änderung der im Gerät gegebenen Gittervorspannung unverzerrt arbeitet. Bei Lautsprecher-Röhren mit direkter Heizung, wie beim Volksempfänger, kann man die Kathode der PC 86 oder PL 95 an ein "Bein" der Heizung legen. - Den Entbrummer muß man dann nach dieser Seite hin auf Anschlag einstellen.
Es ist kein Problem einen Zwischensockel zu bauen, wenn man Stift- und Topfsockel von alten Röhren hat, und Pico 7- und Pico 9 - Fassungen gibt es reichlich. Weil nicht alle Hersteller diese besonderen P-Röhren gebaut haben und dann nur für ein paar Jahre, sind sie nur in wenigen Röhrentabellen aufgeführt. - Es lohnt sich, auf Flohmärkten oder beim Sperrmüll nach solchen Röhren zu suchen.
Die PC 86 und PC 88 sind noch am häufigsten zu finden und ziemlich universell zu verwenden.

Für den Sammler soll oberstes Gebot sein: Keine Änderungen am Gerät !

Aus diesem Grund sollte man unbedingt Zwischensockel (Europasockel mit Novalfassung) herstellen, die kleine Schaltungen zur Einstellung des richtigen Arbeitspunktes für die Ersatzröhre enthalten sowie für die symetrische Verbindung der Kathode mit dem Heizfaden sorgen und eventuelle Schwingneigung unterdrücken.


Problem indirekte Heizung
Als Beispiel sei der Zwischensockel für den Ersatz einer RES 164 durch eine PC 86 dargestellt. Direktes Verbinden der Kathode mit einem Pol des Heizfadens ist nicht optimal, da hierbei der Entbrummer ganz an einen Anschlag gestellt werden muß. Manchmal macht das jedoch Schwierigkeiten. Es gibt Geräte, bei denen der Entbrummer als Drahtwiderstand mit Abgriffschelle ausgeführt ist. Bei andere alten Empfängern fehlt der Entbrummer, dafür hat die Heizwicklung für die Endröhre eine Mittelanzapfung.

Der Zwischensockel enthält in der einfachsten Ausführung vier Widerstände und einen Kondensator. Aufgrund der großen Steilheit der PC 86 (14 mA / V) ergibt sich bei unsymetrischer Kathodenankopplung eine große Brummodulation. Außerdem ist der vorhandene Kathodenwiderstand häufig zu groß, da die PC 86 mit einer Gitterspannung von nur 1,5 bis 2 V auskommt. Die RES 164 dagegen benötigt eine Ug-1 von -11,5V; die RE 134 sogar Ug1 = -17 V.
Mit einem kleinen Trick kann man beide Probleme gleichzeitig lösen:
Die Kathode soll ca. 2V positiver sein als das Steuergitter; für 12,5 mA Anodenstrom benötigt man einen Kathodenwiderstand von 125 Ohm. Da man nicht auf die Fadenmitte zugreifen kann, verwendet man zwei 270 Ohm-Widerstände, welche von der Kathode der PC 86 auf jeweils einen Heizpol geschaltet werden. Für die Ersatzröhre wirken die beiden Widerstände als Parallelschaltung und ergeben so ein Rk von 135 Ohm. - Nur der Spannungsabfall an diesem Ersatzkathodenwiderstand soll als Gittervorspannung wirksam werden. Es stellt sich dann ein Anodenstrom von ca. 10 mA ein. Bei 220V-Anodenspannung wird die zulässige Anodenverlustleistung von 2,2 W nicht überschritten.
Als Gitterableitwiderstand werden zwei 1 MOhm-Widerstände eingebaut. Sie werden vom Steuergitter auf jeweils einen Heizfadenanschluß gelegt. Durch diese symmetrische Brückenanordnung hebt sich die Brummeinstreuung auf und der Entbrummer kann auf Mittelstellung stehen.

Auch Geräte, die Endröhrenheizwicklungen mit Mittelanzapfung zur Symmetrierung besitzen, können ohne Eingriff in die Schaltung betrieben werden.
Da auch der originale Gitterableitwiderstand erhalten bleiben soll, muß ein zusätzlicher Koppelkondensator (10 bis 22nF) eingefügt werden. - Ohne diesen würde die Gittervorspannung der PC86 unzulässig vergrößert.

Schwingneigung
Mit dieser Schaltung wurde eine PC 86 in verschiedenen Empfängern als Endröhre betrieben. Durch die höhere Steilheit gegenüber der RES 164 wurde die Empfindlichkeit größer, auch war der Klang etwas besser als mit der alten Röhre.
Diese Ersatzschaltung wurde mit guten Ergebnissen in einigen Volksempfängern ausprobiert, auch ein SABA-Zweikreiser 311WL lebte richtig auf. Beim Telefunken 340 "Katzenkopf" währte die Freude über die gestiegene Empfangsleistung nicht lange. Nach kurzer Betriebszeit mit der PC 86 in der Endstufe trat Schwingneigung auf, und zwar derart intensiv, daß das Gerät regelrecht zugestopft wurde.
Bei allen Empfängern mit zwei NF-Stufen dürfte es zu diesen Schwierigkeiten kommen. - Als Abhilfe dagegen kann man mit einem Spannungsteiler in der Ankopplung experimentieren: Wenn man die Gitterableitwiderstände auf je 220 kOhm reduziert und in Reihe mit dem Koppelkondensator 560 kOhm einfügt, steht am Steuergitter der PC 86 nur noch ungefähr ein Fünftel der NF-Spannung. Genügt diese Maßnahme nicht, kann man noch mit einem Widerstand von ca. 100 Ohm in der Anodenleitung experimentieren und durch Parallelschalten von zwei gleichen Kondensatoren (ca. 100 pF) zu den Gitter-Ableitwiderständen, welche in Verbindung mit dem Widerstand in der Ankopplung einen Tiefpaß bilden, sein Glück versuchen. Generell kann man noch bei den Ersatzschaltungen mit Zwischensockeln einen Widerstand von 1 kOhm in der Gitterzuleitung vorgesehen, um HF-Selbsterregung vorzubeugen.

Ersatz der REN 904
Man kann auch die REN 904 durch die PC 86 ersetzen. Es werden dazu einfach die entsprechenden Anschlüsse von Stiftsockel und Novalfassung ohne Zwischenschaltung miteinander verbunden. Es gab weder im VE 301 noch im "Katzenkopf" Probleme mit Schwingneigung oder Mikrofonie in der NF- bzw. Audionstufe; die Empfindlichkeit der Geräte wurde etwas besser. - Auffallend ist der weiche Rückkopplungseinsatz mit PC 86 in der Audionstufe. Wer sich einen Einkreisempfänger selber bauen möchte, dem kann man die Röhre PC 86 als Audion und evtl. als kleine Endröhre sehr empfehlen.

Ersatz anderer Endröhren
Endröhren unterliegen dem stärksten Verschleiß in einem Empfängerröhrensatz und müssen daher am häufigsten ersetzt werden.
EL 3 / EL 11:
Diese Röhren haben die gleichen Daten wie EBL1 / ECL11 (Anodenverlustleistung 9 W, Steilheit 9 mA / V). Auch die AL 4 gehört in diese Reihe, hat jedoch nur 4 V-Heizung. Ein direkter Ersatz durch EL 84 ist gut möglich. Durch den im Empfänger eingebauten Kathodenwiderstand von 150 Ohm arbeitet die EL 84 ohne Schaltungsänderung mit 36 mA Anodenstrom bei 250 V Anodenspannung).
EBL1 durch ECL86:
Man kann die EBL1 durch eine moderne Röhre ersetzen, und zwar mit der ECL 86. Diese ist zwar eine Kombi - End-Pentode + Vorstufen-Triode, während die EBL1 eine Kombi - End-Pentode + Duodiode ist. Das Endpentoden-System der ECL 86 verwendet man genau wie bei der EBL 1. Das Triodensystem wird als Duodiode verwendet: Das Steuergitter ist die bessere Diode, daher nimmt man es als Signal-(Detektor)-Diode. Das ist diejenige, welche direkt zur Sekundärspule des ZF-Filters geht. Die Trioden-Anode wird als die sogenannte Regelspannungs-Diode verwendet, das ist die zweite Diode der EBL 1 die über einen Kondensator, meist ca. 50 pf, entweder mit der Anode der ZF-Röhre oder mit der anderen Diode verbunden ist. Manche Radios haben gar keine spezielle Regelspannungs-Diode, z.B. wenn in einem Radio von der EBL 1 nur eine Diode benutzt ist oder beide parallel geschaltet sind. Dann nimmt man Du natürlich nur das Steuergitter als Diode und verbindet die Anode mit Kathode, außerdem muß dann auch bei der ECL 86 beide Kathoden parallel geschaltet werden. - Dieser Tip stammt von meinem Forumsbesucher Jakob, der diesen Trick, Triode als Duodiode, schon mehrfach mit Erfolg eingesetzt hatte.
Ersatz der EL 12:
Nimmt man Leistungsverlust in Kauf, kann man eine EL 84 verwenden. In der Kathodenleitung ist ein Widerstand vorzusehen, welcher zusammen mit dem im Gerät eingebauten Kathodenwiderstand einen Wert von ca. 135-150 Ohm ergibt. Die maximal zulässige Anodenverlustleistung von 12 W darf natürlich nicht überschritten werden.
Besser ist die Verwendung einer EL 34 oder auch 6L6 / 6L6GC. Diese Röhren haben die erforderliche Anodenverlustleistung und vertragen den Anodenstrom von 72mA. Der Zusatzwiderstand in der Kathodenleitung ist entsprechend zu dimensionieren (ca. 82 Ohm). - Da die EL 34 mit 11 mA / V nicht so steil ist wie die EL 12 (15 mA / V) und außerdem ein nichtüberbrückter Zusatzwiderstand in der Kathodenleitung liegt (Stromgegenkopplung), ist die Schwingneigung in der Endstufe geringer.
Ersatz der ELL 80:
Diese Röhre kann man problemlos durch 2 x EL 95 ersetzen. Die Daten entsprechen einem System der ELL 80.
Ersatz der KC 1:
Die russische Röhre 1sch24b als Triode geschaltet eignet sich sehr gut als Ersatz für die KC 1. Heizung mit Vorwiderstand etwa 18 Ohm.

Vom Volker Jeschkeit - ein "großer", sehr fähiger Bastler - erhielt ich die folgenden erfolgreich getesteten Umsockelung-Tips :


Wie man unschwer lesen kann erstetzte er mit der russischen Röhre 4SH27 eine RENS1294 und sogar eine AF7. Volker sandte mir auch noch zwei Fotos zu, die seine Umsockelungen zeigen :


Hier erkennt man sehr schön einige seiner Ersatzröhren - in der Mitte die RENS1294-E. Da die RENS1294 eine Anodenkappe "auf dem Kopf sitzen" hatte, mußte dieser seitlich am Europa-Sockel herausgeführt werden - auf dem Foto erkennt man ihn auf der rechten Seite des Sockels.
Das nächste Foto zeigt seine AF7-E. - Leider ist das Foto sehr unscharf, aber dennoch erkennbar.


Von einem Bekannten erhielt ich den hier im Foto vorgestellten industriell gefertigten Zwischensockel, er ersetzt eine ECL 11 durch eine ECL 86, eine hochinteressante Geschichte!



Hersteller: Fa. H.Kehl K.G. Erfurth.


Stefan Haunstetter schrieb mir die folgende eMail:

Hallo Jochen,
ich habe hier zwei Vorschläge für Dein Projekt Ersatz bzw. Umsockelung von (russ.) Röhren.
Auf der Suche nach günstigen Alternativen zu der RES 164 bin ich über die GU15 bei Pollin gestolpert. Für 2,30 € war es mir der Spaß wert, einen Versuch anzustellen. Der Europasockel war schnell montiert und mit Epoxydharz verklebt. Sowohl auf dem Funke W16 als auch im Praxisbetrieb im VE hat sich dieser Umbau, diese Röre bestens bewährt. Ebenso problemlos lief sie in einem SABA 311WL. - Ein günstiger Ersatz für alle, die a) keine original RES mehr haben oder b) ihr wertvolles Original schonen wollen.


Der 2. Versuch basiert auf einer Philips TC 03-5. Es handelt sich zwar nur um eine direkt geheizte Triode, aber der Unterschied im VE ist kaum zu hören. Vorteil dieser Umrüstung ist der Erhalt der schönen Röhrenform im Vergleich zur GU. Aber beide sehen allemal noch besser aus, als eine adaptierte PL 95.


Gruß, Stefan

Jesús Zubía schrieb mir die folgenden Tips:

Dear Jogi:
In reference with the umsockeln von röhren section of your web, I would like you to observe that the EL34 is a best substitute than the EL84 for the EL12 and EL12 Spez 18 watt anode rating pentodes. The EL84 is a perfect substitute for the EL11,or the EL3N, a 9 watt anode rating tube; but the EL34 operating at 250V with -14.5 volts,dc bias, drawing 7 0mA in their plate and with a non decoupled series resistor of 2000 ohm in the screen grid (Philips hanbook), requires an anode load of 3000 ohm; this is very similar to the original EL12, 72 mA/3200 ohm and only requires the inclusion of two resistors between the octal base and the original culotte of the EL12, one of 2K in series for the screen and one more in series and bypassed for the cathode in order to obtain the required adittional grid bias for a quiescent anode current of 70 mA with the EL34.
For other hand, the EL34 requires 0.3A more in their 6.3V heater, but the power tansformer normally can support this difference without problems.

The 2000 ohms series EL34 screen grid indicated by Philips in their 1955 handbook, must be decoupled with a capacitor (I suggest 50uF for a 2K resistor). If it is not; the tube can loose some of their input sensitivity caused by the local feedback, but the global stability may be incresed. Calculating the screen grid current indicated in the handbook, 10 mA over a 2 k resistor, the dc voltage drop across the resistor is about 20 Volts, and the screen voltage with a 250 Volts supply are of 230 Volts.
Something similar happens with the EL11 substitute, the EL84. In the Philips handbook, for an anode load of 7000 ohm, a 250 v supply and 36 mA anode current, the screen voltage indicated are 210 Volts and the cathode resistor value of 160 ohm, but I remember that the EL84 can work perfectly with a 7000 ohm anode load and 250 volts plate and screen voltages, with a cathode resistor of 210 ohm for a 36 mA anode current.

Michael Mischke sandte mir die folgenden Fotos zu, mit dem folgenden Text (vielen Dank an dieser Stelle an Michael!) :

Zum Thema "Umsockeln" habe ich weitere industrielle Adaptersockel fotografiert:
  • UY11/UY82
  • EBF11/EBF80
  • ECH11/ECH81
  • EL11/EL84
  • So konnte man damals alte Empfänger komplett mit den neuen Röhren weiterbetreiben.
    Die Produktion der alten Röhren mit Stahlröhrensockel stellte die DDR irgendwann ein.

    In einem alten Telefunken 813 fand ich eine zur AL4 umgesockelte E2d.
    Die RL1P2 als RES164-Ersatz stammt aus einem VE301. Als Vorwiderstand wurde hier einfach Widerstandsdraht um den angebohrten Röhrensockel gewickelt, mit Isolierband fixiert und innen angelötet.

    Ich hoffe damit einen kleinen Beitrag zur weiteren vervollständigung der Umsockeln-Seite leisten zu können.
    Nochmals vielen Dank für die vielen Informationen und viele Grüße,
    Michael Mischke

    Hier nun die Fotos - zunächst die E2D als Ersatz für eine AL4:



    Es folgt die RL1P2 als RES164-Ersatz mit dem aussen umwickelten Widerstandsdraht als Vorwiderstand, aus dem VE301 :









    Es folgen Zwischensockel, sie bestehen aus einem entsprechenden Röhren-Sockel und einer -Fassung.
    Zunächst für eine EBF80 zu einer EBF11. (Es wurde, zum besseren Verständnis, hier eine EBF80 verwendet, um eine EBF11 zu ersetzen):





    Es folgt ein Zwischensockel für eine ECH81 zu einer ECH11 :





    Als nächstes ein Zwischensockel für eine EL84 zu einer EL11 :





    Als letztes von Michael Mischke folgt der Zwischensockel für eine UY82 zu einer UY11 :




    Dieser folgende Bericht zeigt den Ersatz einer RENS1204 durch eine PF86.



    - Wird fortgesetzt...

    - Hier noch weitere Tips:

    Auf dem nachfolgenden Link könnt Ihr eine - unglaubliche Menge! - an Röhrendatenblättern, allesamt in hervorragender Qualität, herunterladen. Sie sind überwiegend im .pdf-Format abgelegt. - Hier der Link:
    http://www.mif.pg.gda.pl/homepages/frank/index.html

    Und gleich noch ein weiterer Link, bei diesem könnt Ihr eine .pdf-Datei herunterladen, sie enthält eine Liste aller dort verfügbarer Datenblätter - auch dort findet man eine enorme Menge an Röhren :
    http://www.duncanamps.simplenet.com/tubedata/tubesearch.html

    Und noch ein weiterer Link der auf eine Hompageseite führt die sich auch mit diesem Thema beschäftigt. Hier findet man eine große Menge weiterer Vorschläge! - Hier gehts zu dieser Seite, sie gehöhrt zu www.antik-radio.de.

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