Kathodengekoppelter Gegentaktverstärker

In der Funktechnik, Ausgabe 5 / 1953, fand ich den nachfolgend beschriebenen Verstärker - als Author dieses Artikels zeichnete übrigens der bekannte und sehr geschätzte Werner W. Diefenbach !

Kathodengekoppelter Gegentaktverstärker
Da die Gegentaktendstufe in Rundfunkempfängern, Schallplattenverstärkern und zu Spezialzwecken immer mehr an Bedeutung gewinnt, soll nachfolgend eine Schaltung angeregt werden, die an und für sich keine Neuigkeit darstellt, die aber im Gegensatz zu älteren kathodengekoppelten Gegentaktendstufen durch eine einfache Kompensationsschaltung jede Unsymmetrie ausgleicht und den Klirrfaktor niedrig hält. Da weder ein Gegentakt-Eingangstransformator noch eine Phasenumkehrröhre notwendig ist, ist der Aufbau einfach und mit verhältnismäßig wenig Schaltmitteln durchzuführen. Bei Beachtung der allgemeinen Aufbaugrundsätze von Verstärkern sind Kopplungen und Brummodulationen nicht zu befürchten, und eine einwandfreie Funktion des Verstärkers ist gewährleistet. Zur Aussteuerung der Endstufe genügt die Spannung an der Diode eines Rundfunkempfängers oder die Spannung eines Tonabnehmers.


Die erste Stufe, mit der 6 AC 7 oder EF 14 bestückt, ist normal geschaltet. Der Kathodenkondensator von 25 pF wird abschaltbar angeordnet. Die Ausgangsspannung von Rö2 (EF 41) liegt unmittelbar am Steuergitter der ersten Gegentaktröhre, während das Steuergitter der zweiten Gegentaktröhre über einen Kondensator von 0,1 F wechselstrommäßig mit der Bezugsleitung verbunden ist.
Rö3 und Rö4 haben einen gemeinsamen Kathodenwiderstand. Der Anodenwechselstrom von Rö4 erzeugt durch Spannungsabfall am Kathodenwiderstand eine entsprechende Potentialänderung an der Kathode von Rö3. Der die Steuergitter überbrückende Widerstand hält diese auf der gleichen Vorspannung.
Der kritischste Punkt beim Abgleich ist die Einstellung der Gittervorspannung, die nicht nach üblicher Art erzeugt wird, sondern die durch die galvanische Verbindung von Rö2 und Rö3 gleich der Anodenspannung von Rö2 ist. Die Schirmgitterspannung von Rö2 wird über einen Widerstand von 25 kOhm an einem Abgriff des gemeinsamen Kathodenwiderstandes der Endröhren abgenommen. Sie ist deshalb dem durch den Kathodenwiderstand fließenden Gleichstrom proportional. Ändert sich dieser, so schwankt auch die Schirmgitterspannung entsprechend. Die hierdurch wiederum entstehende Anodenstromänderung in Rö2 und die Änderung der Gittervorspannung an Rö3 und Rö4 wirken den Anodenstromspannungen der beiden Gegentaktröhren entgegen. Diese Kompensätionsmaßnahme stabilisiert die Funktion des Verstärkers. Selbst Betriebsspannungsschwankungen von 10 % bleiben ohne Bedeutung. Eine kräftige Gegenkopplung von der Sekundärseite des Ausgangstransformators auf die Kathode von Rö2 hält den Klirrfaktor sehr niedrig (etwa 1,2 % bei 6 W Ausgangsleistung) und verleiht dem Verstärker einen äußerst geradlinigen Frequenzverlauf.




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