Röhren-Verstärker mit der LS 50 (GU 50)

In einem alten Funkschau-Heft fand ich die folgende Schaltung samt Beschreibung eines recht interessanten Verstärkers mit der 40-Watt-Wehrmachts-Senderöhre LS 50. Diese Röhre ist schon deshalb sehr interessant weil sie als russische Version unter der Bezeichnung GU 50 für "kleines Geld" zu bekommen ist. - Die Fa. Oppermann - http://www.oppermann-electronic.de - bietet sie für 4,50 DM an ... - siehe auch auf meiner Seite Russische Röhren - GU 50. Leider "spendierten" die russischen Entwickler der GU 50 einen anderen Sockel, man kann sie also nicht im LS 50 - Sockel betreiben. Allerdings bietet Oppermann eine recht gute, einfache Halterung mitsamt Anschlußkontakte an.
Ebenfalls bietet Oppermann die LS 50 als SRS 552 M an, diese ist eine "DDR" - Produktion und kostet ebenfalls nur 4,50 DM.
Die (für die damalige Luftwaffe produzierte) LS 50 wurde auch als (für das Heer produzierte) RL 12 P 50 hergestellt, hier in unterschiedlicher Fassung - aber Datengleich. Auch die SL 152 (12,6 V) sowie die EL 152 (mit 6,3 V) ist ein LS 50 - Ableger.

Für Interessierte stelle ich hier ein "historisches" Dokument vor, es wurde vom Röhrenhersteller (Telefunken) zum internen Gebrauch herausgegeben. Es beschreibt den Ersatz anderer Röhren (wie z.B. die AD 1 ...) durch die LS 50.

LS50-Dokument (Telkefunken), jpeg, 187.635 kByte
Aufgrund der großen Datenmenge des Schaltbildes habe ich es hier mit Rücksicht auf die Ladezeit sehr stark verkleinert und komprimiert dargestellt. Mit einem Mausklick kann man es sich in der Originalgröße (91,482 kByte) anzeigen lassen.

Die hier vorgestellte Schaltung ist eine reine Endstufe welche von einer vorhandenen schwächeren Endstufe (Radio, etc.) angesteuert werden sollte. Sie lässt sich aber sehr leicht mit einer normalen Röhren-Vorstufe versehen, beispielsweise die Vorstufe meines 6C33C-Eintakt-A-Verstärkers mit der 6 SN 7-GT und ist damit ein äußerst preiswert aufzubauender kräftiger Endverstärker - mit Werten die sich durchaus sehen und hören lassen können.
Hier nun der im großen und ganzen unverändert gebliebene Original-Text aus der Funkschau, Heft 5 / 1949 :

Für größere Endleistung benötigt man zum Anschluß an Vorverstärker oder Rundfunkgerät Endstufen, die sich eingangs- und ausgangsseitigdurch universelle Anpassung auszeichnen. Diesen Bedingungen entspricht die in den folgenden Ausführungen beschriebene Endstufe mit der Endpentode LS 50, die in dieser Schaltung eine Ausgangsleistung von rund 20 Watt abzugeben vermag und sich durch hohe Wiedergabequalität auszeichnet.


Um eine einwandfreie Anpassung an die verschiedenen Ausgangsschaltungen zu ermöglichen, ist die Endstufe mit einem UniversalEingangsübertrager für Impedanzwerte von 3,5 6, 200, 500 W, 4,5 und 7 k W ausgestattet. Dieser Eingangsübertrager liegt parallel zum Ausgangsübertrager des Rundfunkgerätes oder des leistungsschwächeren Verstärkers. Er ist andererseits auch so bemessen, daß die Primärseite vom Anodenstrom der Lautsprecherröhre durch flossen wird. Unter der Voraussetzung, daß z. B. beim Anschluß an 7000 W eine Wechselspannung von etwa bis 80 V auftritt, ist das Übersetzungsverhältnis des Eingangsübertragers so gewählt worden, daß am Gitter der Röhre LS 50 eine Spannung von ca. 25 bis 30 V auftritt. Die Anzapfungen des Übertragers (3,5 W ...7 k W sind so gelegt, daß jeweils diese Steuerspannung am Gitter der Röhre LS 50 zur Verfügung steht. Die Induktion der primären Wicklung beträgt bei 7000 W 35 H. Sie ist ausreichend groß, um eine untere Grenzfrequenz von 40 Hz zu erreichen.
Zur Verringerung der Verzerrungen ist die Röhre LS 50 als Triode geschaltet. Die Gittervorspannung wird automatisch durch den 500-W-Katodenwiderstand erzeugt. Zur besseren Übertragung der tiefen Frequenzen ist der Kathodenwiderstand durch einen 25-F-Elektrolytkondensator überbrückt. Der Ausgangsübertrager wurde ähnlich wie der Eingangsübertrager universell dimensioniert, so daß er sich allen praktisch vorkommenden Betriebsfällen gewachsen zeigt. Er ist primärseitig für 2000 W angepaßt und sekundärseitig für die meist gebräuchlichen nieder- und hochohmigen Impedanzen bemessen. Es sind Ausgangswerte von 6, 12, 18, 120, 240 und 500 W vorgesehen. Der Übertrager wurde ausreichend groß bemessen, um bei jeder Anzapfung zwischen 6 und 500 W eine einwandfreie Wiedergabe bei voller Ausgangsleistung mit einer unteren Grenzfrequenz von mindestens 40 Hz abgeben zu können.
Das Netzteil verwendet die Zweiweggleichrichterröhre EZ 12. Die Betriebsspannungen von 2 x 350 V, 6,3V und 12,6V liefert der Netztransformator N6. Die Netzdrossel (D 2,5) besitzt einen Gleichstromwiderstand von 175 W und eine Selbstinduktion von 10 H bei 100 mA.
Aus Gründen der Betriebssicherheit wurden MP-Gleichstrom-Kondensatoren in der Siebkette (je 16 nF) verwendet, die eine Nennspannung von 450 V bei einer Spitzenspannung von 675 V besitzen.
Zum Aufbau wurden handelsübliche Übertrager sowie listenmäßige Netztransformator- und Drosseltypen der Fa. Engel benutzt.

Einzelteilliste

Kondensatoren
450 / 675 V: 2 Stück je 16 nF

Transformatoren
Universal-Eingangsübertrager, primär 3,5, 6, 200, 500 W , 4,5 und 7 kW (Engel Typ EU 3)
Universal-Ausgangsübertrager, primär 2000 W, sekundär 6, 12, 18, 120, 240, 500 W (Engel)
Netztransformator, primär 110, 125, 220V,
sekundär 2 x 350 V, 110mA; 4 / 6,3 V, 2,0/1,0 A;
4 / 6,3 / 12,6 V, 5,0 / 2,5 / 1,5 A (Engel N 6).
Drossel, Netzdrossel 175 W, 100mA, 10 H (Engel D 2,5).

Sonstige Teile
Röhrenfassungen, Klemmleisten, Chassis, Montagematerial.

Röhren
LS 50, EZ 12 (Telefunken).

Das nachfolgende Foto zeigt beide Röhren, eine LS 50 (rechts) und eine GU 50 (links) in ihrer jeweiligen Original-Fassung.



Das nachfolgende Schaltbild zeigt die bereits oben erwähnte für die Wehrmacht hergestellte RL 12 P 50 in Gegentaktschaltung. Diese Schaltung kann 1 : 1 für die LS - bzw. GU 50 verwendet werden.


In dieser Schaltung ist links der Netztrafo eingezeichnet, mit 2 Dioden wurde die Gleichspannung erzeugt, danach ist eine Drossel mit 10 H / 200 Ohm eingezeichnet gefolgt mit einer Kette aus einem 32 F-Elko - hiermit wurde die Endstufe versorgt -, einem 30 kOhm-Widerstand und wiederum einem 32 F-Elko, hiermit wurde dann die Vorstufe, die aus zwei Pentoden EF 12 besteht versorgt. Wichtig ist auch, daß der Netztrafo die 12-Volt-Heizspannung für die Endstufenröhren sowie die 6,3 Volt Heizspannung fü die Vorstufenröhren erzeugen muß.

Von einem Freund erhielt ich die beiden folgenden Schaltpläne von LS 50-Gegentaktverstärker, die als mehrkanalige Verstärker aufgebaut wurden. Wie man am ersten der beiden Schalbilder erkennt, wurde vom einen Kanal nur der Tieftonlautsprecher, vom zweiten kanal nur die Mittel- und Hochtonlautsprecher versorgt. Irgendwie kommt mir dieses Prinzip bekannt vor... aus heutiger Sicht.

LS50-Mehrkanal-Verstärker 1, jpeg, 68,902 Byte
Aufgrund der großen Datenmenge des Schaltbildes habe ich es hier, mit Rücksicht auf die Ladezeit, sehr stark verkleinert und komprimiert dargestellt. Mit einem Mausklick kann man es sich in der Originalgröße anzeigen lassen.

Der nächste Mehrkanal-Verstärker den ich hier im Schaltbild vorstellen will ist letztendlich ein getrennter Zweikanal-Verstärker, der für unterschiedliche Eingänge aufgebaut wurde. Der zweite, untere Kanal, der in dieser Schaltung als Mikrofonverstärker eingesetzt ist sollte aus heutiger Sicht entfallen, er sollte durch die im Bild obere Schaltung ersetzt werden. Somit hätte man dann den Stereo-Verstärker heutiger Bauweise.

LS50-Mehrkanal-Verstärker 2, jpeg, 107,643 Byte
Aufgrund der großen Datenmenge des Schaltbildes habe ich es hier, mit Rücksicht auf die Ladezeit, sehr stark verkleinert und komprimiert dargestellt. Mit einem Mausklick kann man es sich in der Originalgröße anzeigen lassen.

Die beiden folgenden Fotos zeigen die russische GU 50 - ohne den Aluminium-Deckel.
Na - sieht sie nicht toll aus .. ?!


Und hier noch einen 75-Watt-Verstärker mit der gleichen Endröhre, die in der ehem. DDR als SRS 552 gefertigt wurde, aber auch völlig identisch war.

75-Watt-Verstärker, jpeg, 219,345 kByte
Aufgrund der großen Datenmenge des Schaltbildes habe ich es hier mit Rücksicht auf die Ladezeit sehr stark verkleinert und komprimiert dargestellt. Mit einem Mausklick kann man es sich in der Originalgröße (219,345 kByte) anzeigen lassen.

Vom Dirk (DB) bekam ich das folgende Datenblatt zur LS 50 - Hallo, Dirk, vielen Dank !


Vom Rolli bekam ich die Verstärkerschaltung mit 4 x LS 50, ein echtes Hammerteil! - Danke, Rolli !

150-Watt-Verstärker 4 x LS 50, jpeg, 107,552 kByte
Ebenfalls vom Rolli - das Netzteil zu diesem Verstärker :
150-Watt-Verstärker 4 x LS 50, jpeg, 141,476 kByte
Aufgrund der großen Datenmenge der Schaltbilder habe ich sie hier, mit Rücksicht auf die Ladezeit, sehr stark verkleinert und komprimiert dargestellt. Mit einem Mausklick kann man sie sich, jeweils sich in der Originalgröße, anzeigen lassen.



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