Jogiton
ein Bandfilter Zweikreiser mit Rückkopplung und Batterieröhren
- von "Bastelkarpo" Peter

Die Geschichte begann mit Jogis Wunsch ihm einen 3B7 Empfänger zu basteln, einen ebensolchen wie den von mir gebastelten, von dem ich ihm Bilder geschickt hatte und von dem er so begeistert war.
Nun sind meine Radios immer irgendwie Unikate, die ich nicht gerne zweimal baue, das verliert schnell den Reiz. Des Weiteren hatte ich meine zweite 3B7 unglücklicherweise zerschossen, nachdem ich beim messen mit einer Krokoklemme abgerutscht bin. So was passiert, schade!
Ein solcher RIM Piccolo - Nachbau wäre einem Jogi meiner Meinung nach auch nicht gerecht geworden. Es sollte also schon was Besonderes werden, ein ganz persönliches Jogiradio!

Am Anfang war das Wort!

Beschliffen und lackiert

Nun beginnt der Gehäusebau

Genügend Schraubzwingen sind immer eine große Hilfe

Die Vorderfront ist fertig

So siehts von hinten aus


Nun beginnt der Bau der Batteriefächer

Die Aussenwände der Batteriefächer sind fertig

Nun noch die Deckel drauf

Nun erkennt man doch schon was

Na also, Batterien passen!

Schräge und Oberteil eingeleimt

Auch Wäscheklammern können recht hilfreich sein

Und nun der Deckel

Gewindebolzen zur Chassismontage eingeklebt

Chassis abgekantet und Lautsprecher eingebaut

So siehts von hinten aus

Passt sogar!

Echt Ätzend !

Die Platinen für die Batteriekontakte

23 Und so sehen sie fertig aus

Spannung !

Das Skalenrad (Sprayflaschendeckel mit Pertinaxplatte verstärkt)

Und so sieht dat Dingen dann von vorne aus

Nun ist der Rueckkopplungsdrehko drin

Ich hatte mir einige DF 61 Subminiatur Pentoden besorgt, welche immer noch in größeren Mengen recht billig zu bekommen sind. Mit diesen wollte ich sowieso schon länger mal rumexperimentieren, also viel die Wahl auf diese Röhren. Leider gibt es in der 60er Serie keine leistungsstarke Endröhre, weshalb eine Gemischtbestückung erforderlich wurde um kräftigen Lautsprecherempfang zu ermöglichen. Hier fiel die Wahl nach eingehenden Vorversuchen auf die DL 92, welche schon bei ca. 60 Volt zufriedenstellend arbeitet.
Da es in der 60er Serie leider auch keine Mischröhre gibt und ich den Aufwand eines Supers mit additiven Mischung mit zwei Pentoden gescheut habe, fiel meine Wahl auf das bewährte Prinzip des Bandfilter-Zweikreisers. Einen solchen hatte ich bereits einmal erfolgreich mit EF 184 und ECL 86 aufgebaut und bin von seiner Empfindlichkeit und Trennschärfe begeistert. Warum sollte also so etwas nicht auch mit Batterieröhren gehen?
Also ran ans Werk, dachte ich mir!

Erst mal alle Teile zusammen gesucht und mehrere Probeaufbauten in fliegender Verdrahtung zusammen gelötet. Als erstes die NF Stufen um die geeignete Endröhre und den dafür nötigen Übertrager zusammen zu stellen. Von etwa 5 verschiedenen Ausgangstrafos und etwa ebensoviel Netztrafos erwies sich tatsächlich ein kleiner Netztrafo aus einem Steckernetzteil als überlegene Alternative. Von den Röhren DL 92, 94 und 96 erwies sich die DL 92 in Verbindung mit dem erwähnten Trafo als hervorragende Paarung. Die Ausgangsleistung ist wirklich mehr als ausreichend und auch der Klang dieser kleinen Endstufe ist mehr als ausreichend für so einen Mittelwellen Empfänger. In der Vorstufe arbeitet eine der drei im Gerät verbauten DF 61.

Versuchsaufbau NF Stufe zur Bauelementeoptimierung

Nachdem ich mich durch anschließen einer externen NF Quelle vom ordnungsgemäßen arbeiten der NF Stufen überzeugen konnte habe ich die kleine Platine gezeichnet, geätzt und alles aufgebaut.

Platine NF Verstaerker - handgezeichnet

- Nun war also das HF-Teil dran.

Als erstes ernstes Problem stellte sich der Drehko heraus. In meinem Kopf hatte ich ja schon die Verwendung eines AM Doppeldrehkos mit hinten herausgeführter Welle für den in der Originalverwendung angeflanschten Poti für die FM Kapazitätsdioden. Da hatte ich mir überlegt eine kleine Trommelskala anzubauen. Alles toll überlegt; aber leider hat dieser Drehko, wie meist üblich, zwei unterschiedliche Kapazitätsbereiche für die Anforderungen im Super. Ich hab dann kurzerhand aus dem einen Rotorpaket zwei Platten entnommen und in stundenlanger Fummelarbeit an den Justierplatten das Ding irgendwann ziemlich auf Gleichlauf gebracht.
Lediglich an langwelligen Ende im ersten Fünftel etwa gibt es eine Differenz von 12 pF. Das ist nicht gar so schlimm, weil die meisten und interessantesten Sender am kurzwelligen Bandende liegen. Außerdem hab ich es mit dem Abgleich von Spulenkernen und Trimmern sehr genau genommen und das Ergebnis spricht wirklich für sich.

Den ganzen Aufbau hab ich dann wieder in fliegender Verdrahtung, noch ohne Rückkopplung zusammen geschustert und siehe da, ich war schon in diesem Versuchsstadium vom Empfang dieser Schaltung begeistert. Die hat hier in Berlin schon ohne Antenne den MDR Kultur gespielt und mit 50 cm Draht ohne Rückkopplung einige weitere Sender empfangen.

Probeaufbau Bandfilterzweikreiser zur Bauelementeoptimierung, noch ohne Rueckkopplung

Also habe ich, ohne lange zu fackeln, die Platine angefertigt, die Spulen noch mal neu - diesmal mit Rückkopplungswicklung gewickelt, Platine bestückt und probehalber alles verdrahtet.
Vorkreis und Audionspule befinden sich in einem Abstand von 2,5 cm.

Wie es eben so ist, die Rückkopplungswicklung musste ich dann noch zweimal wickeln, bis die Rückkopplung über den gesamten Abstimmbereich sauber einsetzte.
Abgeglichen hab ich dann erst mal in Ruhe die Audionspule und den dazugehörigen Trimmer in altbewährter Prozedur abwechselnd an Bandanfang und Ende mittels meines Grundig Grid Dip Meters, bis ich genau den Empfangsbereich von 522 bis 1710 kHz überstrich. Anschließend habe ich ebenso die Vorkreisspule vor abgeglichen und dann nach Einbruch der Dunkelheit mittels Empfang schwacher Sender auf maximale Empfindlichkeit getrimmt. Danach war ich erst mal von den Socken, eine solche Empfindlichkeit und Trennschärfe hätte ich bei so einem einfachen Empfängerkonzept nicht erwartet. Ein Vergleich mit einem einfachen Super braucht dieses Konzept nicht zu scheuen. Ein Kleinsuper wie der Oberhof aus meiner Sammlung ist da deutlich im Nachteil!
Selbst hier in Berlin unter den ohnehin schlechten Empfangsbedingungen und dem durch etliche Schaltnetzteile verseuchten Stromnetz konnte ich mit angezogener Rückkopplung nach Einbruch der Dunkelheit 24 Sender klar empfangen und das mit 63 Volt Anodenspannung. Die DF 61 scheint eine wahre kleine Wunderröhre zu sein.

Die fertige NF-Stufe, eingebaut, von vorn

- und die Rückseite

Hf Stufen auf Platine

Die Verwendung des kleinen PVC Drehkos für die Rückkopplung ist leider damit verbunden, dass sie verkehrt herum läuft, aber daran gewöhnt man sich recht schnell.

Endlich das fertige Chassis

Als ich dann alles soweit fertig hatte habe ich mit Tesafilm einen Papierstreifen um die Skalentrommel gelegt und mit Freude ausgemessen, dass die Länge der Skala genau 10 cm betragen muss. Das hat natürlich alles mit der Einteilung ziemlich erleichtert.
Anschließend habe ich dann mit Bleistift die Frequenzen neben die Teilstriche geschrieben. Dazu habe ich einfach die Rückkopplung bis kurz hinter den Schwingeinsatz gedreht und meinen PLL Empfänger mit seiner Digitalanzeige für den Frequenzvergleich genommen, zusätzlich aber noch den als Messender geschalteten Dipper zum Vergleich herangezogen. Das ist dann im Endeffekt recht genau geworden.

Die Skala

Die so gewonnene Rohskala habe ich dann mittels Paint auf selbstklebender Folie erstellt und im Druckerprogramm auf die erforderliche Größe gezoomt. Alles vielleicht etwas umständlich, aber das Ergebnis zählt.

Zusammengebaut mit Rollskala

Und so sieht die Skala von vorn aus

Jetzt aber nochmal zurück zum Gehäuse:

Fertig, gespachtelt und bereit zum schleifen

Die Gewindebuchsen für den Batteriedeckel eingeklebt

Die Frontblende aus Messing - mann, was hab ich gefiedelt!
- das mittlere Loch ist für die Skalenbeleuchtung bestimmt, hierfür wird ein Taster verwendet

So'n Mülheimradio braucht ja auch ein Wappen!

Fertig lackiert

Mit Jogiton - Schild und Mülheim-Wappen

aufgeschraubter Batteriedeckel

jetzt nur noch die Skalenblende drauf - isser nich scheen geworden ?

Heute habe ich noch die Buchsen für Antenne und Erde angebracht und einen kleinen Schiebeschalter mit dem man von externer Antenne auf die Not Teleskopantenne umschalten kann, die ich am Wochenende noch einbauen werde. Dann ist das kleine Radio endlich fertig und ich hoffe der kleine Jogi wird seine Freude dran haben. Alles in allem hat der Bau der kleinen Kiste dann von der Planung bis zur Fertigstellung etwa 4 -5 Wochen in Anspruch genommen in denen ich immer, wenn ich Zeit hatte, dran gewerkelt habe.
Der mir bisher erkennbare Mangel besteht in der starken Mikrofonie der verwendeten Röhren. Stößt man einmal bei größerer Lautstärke zu heftig an den Kasten fängt es leider an zu singen, da hilft dann leider nur noch eine Weile Lautstärke zurück, sonst schaukelt sich das singen auf. - Ich hatte die kleinen Röhren zur Probe mal mit Drahtösen um den Pumpstutzen fixiert, das hat die Sache leider nur verschlimmert. Ich werde mal am Wochenende etwas Schaumgummi drum legen, vielleicht hilft es.

Ich habe die beiden DF 61 vom Hf Teil in Schaumgummi verpackt, was die Neigung des Empfängers zur akustischen Rückkopplung etwas gedämpft hat. Leider neigt er bei größerer Lautstärke immer noch dazu. Da hilft dann leider nur Lautstärke zurück!
Merkwürdig ist, dass dieser Effekt mit zunehmender Feldstärke der empfangenen Sender nachlässt. Mit ordentlicher Antenne und Erde tritt er kaum auf, wogegen er bei Empfang mit der Behelfsantenne öfter störend in Erscheinung tritt. Der Betrieb an einer ordentlichen Antenne und Erde empfiehlt sich aber sowieso, die eingebaute Teleskopantenne ist wirklich nur als Notbehelf zum Empfang des nächstgelegenen Senders gedacht.

Fertigansicht von innen (mit dem Schaumgummi, links unten unter der Vorkreis- und Audionspule)


Nomen est Omen

Die Skalenbeleuchtung, rechts daneben der Taster -

- und so siehts dann aus wenn man den Taster betätigt..

- einmal von innen:

und einmal von aussen gesehen

Die Antennenanpassung


Fertig von hinten

Trotzdem bin ich von der Leistung dieser Schaltung so begeistert, dass in meinem Kopf bereits das nächste Projekt rumgeistert. Ich werde nach dieser Schaltung einen kleineren Empfänger bauen. Um ihn möglichst klein zu halten allerdings auch mit einer Subminiatur End Pentode (Ich werde da mal die Tauglichkeit der 5672 oder eventuell 5678 testen) R6 Akkus und einem kleinen Sperrschwinger im geschirmten Gehäuse für die Anodenspannung. Weil nun aber wieder die Gartensaison anfängt muss ich das wohl erst mal hinten anstellen!
Bis auf Weiteres, mit röhrenden Röhrengrüßen, der Peter !


Doch noch ein kleiner Nachtrag:
Nachdem ich hier am Wochenende ca. 500 Quadratmeter Rasenfläche vertikutiert habe und noch kein Ende absehe, bin ich dann doch abends zur Endspannung noch mal ans Radio gegangen: Antenne eingebaut, Schilder in die Batteriekammern geklebt damit der Jogi auch immer weiß wie rum die Batterien reingehören, und dann noch die Schaltpläne erstellt.

Schaltplan vom Hf Teil

Schaltplan Nf Teil (abgeändert aus Deiner Kofferradioseite)

Und jetzt ist er dann auch zum Versand bereit

Ich habe das eben (22.30 Uhr) mal kurz ausprobiert. Hier in meiner Werkstatt auf meinem Grundstück (ebenerdig) konnte ich mit der Stabantenne in sehr mäßiger Lautstärke 13 Stationen empfangen. Dabei musste ich aber schon sehr feinfühlig mit der Rückkopplung umgehen. An Antenne und Erde explodiert er förmlich. Ich konnte 64 Stationen zählen, die sich einwandfrei trennen ließen. Dabei brauchte ich die Rückkopplung nur bei den allerschwächsten Stationen voll ausnutzen.





Nochmals, Gruß, Euer Bastelkarpo Peter