Ein AM/SSB/CW-Extender für den Elektor-DRM-Empfänger
von Dieter Liebl (www.liebl-net.de)

Als Elektor im letzten Jahr den Artikel über den DRM-Empfänger veröffentlichte, war ich sofort begeistert. Das Konzept fand ich gut: mit wenig Aufwand war da ein technisch hochwertiger Empfänger zu realisieren. Die Frequenzsysthese mit einem DDS (Direkte Digitale Synthese) -Chip ist genial. Höchste Genauigkeit, beste Frequenzkonstanz gepaart mit geringem Phasenrauschen. Letzteres kommt einem fabelhaften S/N-Verhältnis zu Gute.

Also: Bausatz bestellt und ausprobiert: klappte auch auf Anhieb.

Die Idee:

Aber nun einfach alles in ein Gehäuse einbauen und fertig? Nein - das widersprach meinem Naturell: da gibt es bestimmt Einiges zu verbessern. Und es gab. Ich möchte den Empfänger auch für den Empfang von AM- + SSB-Signalen einsetzen. Es gibt zwar ein Programm, dass aus dem 12-KHz-breitem NF-Signal des Empfängers dieses umrechnet, aber für schwache Signale ist es nicht brauchbar. Apropos schwache Signale: da der DRM-Empfänger keinerlei Verstärkungsregelung im ZF-Pfad verwendet, sind die Amplitudensprünge am Ausgang enorm. Um aus dem Elektor-Bausatz einen vernünftigen AM/SSB-Empfänger zu machen, gibt es nur eine Lösung: ein zweiter paralleler ZF-Pfad muss her.

Die Realisierung:

Das ZF-Signal des DRM-Empfängers wird am Kollektor von T2 entnommen. Den neuen ZF-Verstärker habe ich mit TCA440 (alt aber immer noch gut) aufgebaut. Dieser Schaltkreis ist ein kompletter AM-Empfänger bis 30MHz mit ZF bis 2MHz. Ich verwende den ZF-Track mit anschließender AM-Demodulation wie im DataSheet vorgesehen. Dieser Teil hat einen ausreichend großen Verstärkungsregelbereich, der für geringe Lautstärkeänderungen am Ausgang bei stark wechselnden Signalstärken sorgt. Vorher durchläuft das Signal ein schmalbandiges keramisches Filter (aus der Bastelkiste; ca. 5KHz bei -6dB). Es ist für die für AM notwendige Selektion zuständig.

Den vollsymmetrischen Mischer des TCA440 - eigentlich als Eingangsstufe und Empfangsoszillator gedacht - habe ich als Produktdetektor zweckentfremdet. Den internen Oszillator verwende ich nicht - statt dessen habe ich einen externen BFO aufgebaut. Ansonsten ist das Oszillatorsignal so stark, dass bereits die Regelung des ZF-Verstärkers einsetzt!

Hier das Schaltbild meines Extenders - bitte die Anmerkungen beachten:


DRM-Extender
(Mit der Maustaste das Bild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)

Ich habe bisher lediglich einen "fliegenden" Testaufbau realisiert; als Aufbaubasis dient Platinenmaterial. Die durchgehende Kupferfläche stellt das Massepotential dar. Darauf sind die Bauteile direkt miteinander "Huckepack" verlötet. Sieht nicht schön aus, ist aber für Experimente mit Hochfrequenz einfach ideal. Und nicht nur für Experimente. Immer mehr meiner Projekte enden so. Wenn ein Gehäuse das schreckliche Innere verbirgt, regt sich später keiner auf. Änderungen und Erweiterungen sind jederzeit einfach möglich.


DRM-Testaufbau

Es steckt noch reichlich Entwicklungspotential in dem Empfänger: das Antialising-Filter am Ausgang des DDS-Generators ist mir nicht steil genug. Auch gefällt mir nicht, dass der Diodenringmischer ausgangsseitig nicht real abgeschlossen ist. Hier werde ich zwischen Mischer und ZF-Verstärker eine FET-Pufferstufe einbauen. Das soll dann die Kreuzmodulationsfestigkeit noch etwas erhöhen. Und natürlich wird vor dem Mischer ein Preselector vorgesehen; die Spiegelfrequenz lässt sich damit auch bei höheren Frequenzen leidlich unterdrücken! Die durch den Diodenringmischer eh schon sehr gute Großsignalfestigkeit wird nochmals gesteigert. Für Mittelwelle wird eine Ferritantenne vorgesehen.


Zurück zur Hauptseite