Herstellung eines Wickelkondensators
von Michael Edelmann

Schon als Junge mit 15 oder 16 Jahren haben mich Radios und hier insbesondere die alten Kisten, die man damals vor ca. 20 Jahren noch häufiger auf dem Sperrmüll finden konnte, besonders fasziniert. Sehr zum Schrecken meiner Eltern hat diese "Sammelleidenschaft" erst mit knapp 30 Jahren ein jähes Ende gefunden.
Dennoch wenn ich heute noch gelegentlich meinen Lötkolben schwinge und die eine oder andere einfache Empfängerschaltung (Detektor-/Audion) nachbaue, ärgere ich mich immer wieder darüber, das keines der großen oder kleineren Elektronik-Versandhäuser mehr diese alte Bauformen im Sortiment führen.
Die modernen heutigen Bauteile mögen den alt hergebrachten Teilen in Sachen Eigenschaften und Betriebssicherheit überlegen sein – aber ein moderner MKS in rotem Kunstoffgehäuse passt nun mal vom Stil her nicht in einen Detektor-empfänger der 40iger Jahre.
Das war für mich dann schließlich der Anlaß es einmal selbst zu versuchen....
Es würde michnicht wundern, wenn es vielen unsere Sammler - & Bastler- kollegen es genauso ergeht.... *Seufz*

Hier nun meine ausführliche und mit reichlich Fotos versehene Bauanleitungen zu meine Wickelkondensatoren:

Zunächst einmal sollte ich vielleicht mit der Zusammenstellung des benötigten Materials und des Werkzeugs beginnen...
Zu Herstellung der "elektrischen Kondensatorplatten" verwende ich Kupferfolie gibt’s bei Oppermann, Steyerberg unter der Bezeichnung KFAH 145 für 2,43 €/m.
Als Dieelektrikum nehme ich normales Schreibpapier oder auch Papierrollen wie sie in Kassen verwendet werden (ist etwas dünner), was auch geht das Kuvertpapier von DINA 4 Versandtaschen/-hüllen Isoloierten oder auch blanken Kupferdraht, Heißklebepistole, Lötkolben, Lötzinn, als Kleber verwende ich wahlweise einen UHU-Klebestift oder den Kontaktkleber bei Umweltversand Waschbär Freiberg erhältlich.
Zu Herstellung der Ettiketten nehme ich auch wieder normales Schreib- oder Druckpapaier, das Layout für diese Etiketten habe ich mit dem simplen Windows-Graphikprogramm Paintbrush erstellt – also kein großes Hexenwerk.
Der erste Schritt ist das Herstellen des Röhrchens in dem später der Kondensatorwickel untergebracht werden soll. Dazu schneide ich eine Papierstreifen (braunes Versandkuvert) in schmale Streifen mit ca 4 oder 5 cm Breite und ca. 6cm lang. Anschließend wird dieser Streifen auf einem Bleistift oder ähnlichen aufgewickelt und mit einigen Tropfen flüssigen Kleber versehen.



Hier : Anzeichnen des Papierstreifens für das "Gehäuse"



Abschneiden



Aufrollen und



mittels eines Tropfen Kleber das Ganze befestigen



und trocknen lassen – FERTIG ist das Kondensatorgehäuse.

Nun zum eigentlichen Kondensator und seiner Herstellung.
Der Einfachheit halber sei an dieser Stelle eine Skizze über den Aufbau des Wickels angebracht :



Skizze des Kondensatorwickels samt ungefährer Maßangaben....
(Die bildliche Darstellung entspricht nicht unbedingt der maßstabsgetreuen Darstellung)

In dieser Skizze sind zu einen die beiden Kupferfolien und zum anderen die beiden Papierstreifen, die als Dieelektrikum dienen zu sehen. Die Cu-Folien erhalten jeweils einen Anschlussdraht, der nachher nach außen zum anschließen in die Schaltungen vorgesehen sind. Die 4 Streifen sind am Ende übereinander und nach Möglichkeit halbwegs mittig zu legen !!!
Im folgenden die weiteren Schritte zum Aufbau des Wickelkondensators in einer Fotosequenz.... (Bilder sagen mehr als viele Worte).



Anzeichnen der Kupferfolie auf die geplante Breite (ca. 3cm)



Auf vorgesehene Länge markieren (ca. 10 cm).



Ausschneiden......



Abschneiden auf geplante Länge,



die beiden Folien mit einem sauberen Tuch und auf einer glatten Unterlage glattstreichen ....



die Anschlussdrähte an die beiden Cu-Folien anlöten....



... mit Drähten versehen, und weiter geht’s...



Die beiden Cu-Folien auf die beiden jeweils dafür vorgesehenen Papierstreifen sauber auflegen (ggf. mit UHU-Stift festkleben)



... mit UHU-Kleber die Papierstreifen einseitig komplett einstreichen....



mit einem sauberen Tuch die Folie auf den Papierstreifen feststreichen.

Und nun kommt der etwas schwierigere Teil der Übung, ich muß zugeben, an dieser Stelle habe ich auch noch gewisse Probleme....
Aufeinanderlegen der beiden Papier-Cu-Folien, ich setzte an einem Ende meist noch einen Klebepunkt, so daß nachher beim Aufwickeln das alles noch einigermaßen parallel bleibt....



Noch liegen sie schön sauber nebeneinander....



Hier an einer Stirnseite zusammenkleben, damit beim Aufwickeln nachher nichts verrutschen kann!



Der Kondensator wäre schon fast fertig....



... so ... und nun mal langsam voran, immer schön stramm wickeln und aufpassen ....



... und so sollte der Wickel nachher fertig aussehen...! - Ist doch was.... oder ....?



Den fertigen Wickel schieben wir nun in das vorher von uns selbst gefertigte Gehäuseröhrchen...



... Hurra, geschafft !!!!!!
(Ab den folgenden Fotos bitte auf den Daumen achten - man erkennt : ein echter Heimwerker-Daumen...!)



Die beiden seitlichen Öffnungen sauber mit einer Heißkleberpistole abdichten, abkühlen lassen....



Das Beschriftungsetikett bearbeiten, ausdrucken, ausschneiden....



mit einem schnelltrocknenden Kleber auf den Kondensator aufkleben....



FERTIG ist der Selbstbau-Wickelkondensator..... !!!!!

Und hier noch die Etiketten als Vorlage für eventuelle eignene Kreationen...:


Abschließend noch einige Anmerkungen zu diesem Projekt . . .
Es ist wohl klar, das es sich hierbei lediglich um eine Anregung für eingene Bauvorhaben handelt.
Diese Kondensatoren funktionieren sicherlich einigermaßen zufriedenstellend im NF-Bereich. Aus meinen Erinnerungen jugendlicher Sammel und Schlacht-Leidenschaften weiß ich, das es Kondensatoren gab die z.T. entweder in Glas- oder Pertinaxröhrchen untergebracht waren und deren seitliche Öffnungen mit einer teerähnlichen Masse vergossen war.
Gerne würde ich an diese "Tradition" anschließen, nur weiß ich Moment noch nicht wo man solche Pertinaxröhrchen in größeren Mengen noch beziehen könnte. Und statt dem milchig durchsichtigem Heißkleber wäre mir eine schwarze Vergussmasse lieber (auch schwarze Heißkleberpatronen) – So hätten diese Kondensatoren zumindest teilweise eine gewisse Stil-Treue gegenüber Ihren Orignal-Kondensatoren von einst....
Aber es freut mich trotz aller dieser etwas eigenartig anmutenden "Konstruktion", das es doch ein gewisses Interesse bei Dir, Jochen, und vielleicht auch bei dem einen oder andern Besucher Deiner Hompage erregt!
Einen lieben Gruß an alle Dampfradiofans.
Michael.

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