Herstellung eines Vernier-Kondensators
von Michael Edelmann

Beim Studium zahlreicher historischer Litaratur stoße ich immer wieder auf interessante und doch recht simple Dinge, die für heutige "historische Nachbauten" durchaus anwendbar sind.
Nachfolgend einen original Textauszug aus "Radiobastelbuch für Radioamateure" Hanns Günther & Hans Vetter; Kosmos 1924.
Doch zunächst der Hauptdarsteller selbst... der Ur-Ur-Ur-Großvater allerbekannten Quetscher und Quetschtrimmer-Kondensatoren. (Natürlich nur ein Nachbau...)



Ein einfacher Kondensator mit Feinstellung (Vernier-Kondensator)

Zitat (Bastelbuch für Radioamateure,1924): "Der im folgenden beschriebene Vernier-Kondensator, der in Verbindung mit einem Drehkondensator von 500 bis 1000 cm Kapazität zur Feinabstimmung verwendet werden kann, befriedigt die höchsten Ansprüche, die an einen solchen Aparrat gestellt werden können.
Die Veränderung der Kapazität erreicht man dadurch, dass man durch eine Stellschraube mit sehr feinem Gewinde den Abstand zweier Metallplatten, zwischen denen sich eine dünne Glimmerscheibe und ein kleiner Luftraum befindet verkleinert oder vergrößert.
Die Kapazität des Kondensators wächst, je näher man die Platten zusammenbringt, sie verringert sich, je weiter man sie voneinander entfernt...."


Abb. Mit der original zeitgenössischen Darstellung der Skizze

Im Prinzip handelt es sich hierbei eigentlich um nichts anderes als um einen Ur-Typ des noch weit bis in die Nachkriegszeit hinein verwendeten Quetschers oder Quetsch-Trimmers. Das Schöne daran ist doch, das er laut der damaligen Beschreibung sehr leicht selbst hergestellt werden kann.
Statt der Hartgummiplatte verwende ich eine schwarze PVC-Kunstoffplatte, statt der dargestellten Messingrändelschrauben / -Muttern geht’s auch mit gewöhnlichen Sechskantmuttern und ggf. mit Lötösen versehen, läß sich dieser Kondensator sogar recht gut in eine vorhandene Audio- / Detektorschaltung integrieren.
(Anmerkung : Die oben dargestellte Zeichnung wurde nicht wie üblich mit einem Flachbettscanner sondern mit einer WebCam aufgenommen, dadurch sind Verzerrungen nicht ausgeschlossen!)

Hier nun meine eigene Skizze zu diesem Feinstellkondensator


Die im Orginaltext verwendete Glimmerscheibe steht mir leider nicht zu Verfügung, ich habe ganz auf ein Dieelektrikum verzichtet und begnüge mich mit der Luft dazwischen.
In von mir schon von meinem Projekt "Wickelkondensatoren" her gewohnter Weise, werde ich auch diesmal wieder mit zahlreichen Fotos jeden Arbeitsschritt darstellen. Zuallererst fangen wir mit der Grundplatte an, zeichnen uns entsprechend der Skizzenvorgaben die Sägelinien an:



Hier die Längsseite...



dann die Breitseite...



Als hilfreich erweist sich beim Absägen von Kunstoff- und Metallplatten ein Alu-Profilschiene – das ergibt einen halbwegs sauberen und geraden Schnitt!



Vom Betrachter gesehen...



und hier beim Zuschneiden der Grundplatte...



fertig... man sieht der Schnitt ist doch einigermaßen gut....



hier nun die Längseite auf Maß eingespannt



und abgesägt...



hier nun die fertige Grundplatte



die Kanten sauber entgraten... (Die Feile liegt hier mehr oder weniger freihändig, da ich aber alles alleine machen muß. Maustaste bedienen, Webcam ausrichten und noch das Werkzeug halten... na, Ihr versteht schon..)



Damit nachher alles seinen richtigen Platz hat, hier zunächst mal die Mittellinie an der später die Anordnung der beiden Platten stattfinden wird.
Nun zu den beiden Metallplatten (Messingplatten) für unseren Vernierkondensator.



Längsmaß...



Quermaße...





Ausschneiden oder ggf. auch mit einer Blechschere, je nach Ausstattung der Bastelbude...



Den Messingstreifen aus dem jetzt die beiden Kondensatorplatten geschnitten werden...



erst wieder fest einspannen mit 2 Holzklötzchen und einer Schraubzwinge ... so einfach ...!



Die erste liegt links im Bild. Jetzt wird die 2. Platte abgesägt (rechts im Bild sichtbar)



Michael in Aktion.... *grins *



.. Wer jetzt genau hinsieht, da liegen sie, die beiden Platten. Vorher noch mit einer Feile die Schnittkanten sauber entgraten ....!!!



Markierungslinien zum späteren abbiegen der oberen Kondensatorplatte ...



Die Mittellinie der Längsseite (Zentrierung) entlang ....



Unterkante des Arbeitstisches mit einem Aluprofil. Darauf die zu biegenden Messingplatte und darüber ein Holzklötzchen – das alles mit 2 Schraubzwingen befestigt .... das Blech 2 mal abgebogen.....



Hier rechts oben im Bild ist das Ergebnis der "Biegeaktion" deutlich zu sehen....



Bohrloch markieren (ca. 1 cm vom Rand weg)



Vorbohren,



das Gleiche gilt auch für das Oberblech



Die Grundplatte....ebenfalls vorbohren





die Bohrlöcher entgraten...!!!!





So, nachdem alle Löcher sauber bearbeitet worden sind, kann man schon mal langsam mit der Vormontage beginnen...



Na. man sieht doch schon langsam, was es einmal werden soll.... Oberplatte....



Der Einfachheit halber setzte ich jetzt von unten durch die mittlere Bohrung die Markierung für das Loch durch die Oberplatte; später für die Stellschraube





.. hier wird bereits gebohrt....



Ober- und Unterplatte auf der Kunstoffgrundplatte vormontiert.......



Aufbohren des Mittellochs...





Fast fertig, unser Vernierkondensator. Alle weiteren Bilder lasse ich für sich sprechen.







Sorry – hier musste ich den Kondensator noch mal zerlegen. Die Schraube musste ja irgendwie in der Grundplatte befestigt werden. Für die Befestigungsmutter war es notwendig das Loch im unteren Blech aufzubohren (sonst wäre es ja ein Kurzschluß-Kondensator..)



Zum Schluß noch 2 Lötösen aufgeschraubt...



Fertig – unser Vernierkondensator
Angaben über die vorhandene veränderbare Kapazität dieses Feinstellkondensators kann ich derzeit nicht machen, mein "modernes halbleiterbestücktes RLC-Meßgerät" kann nicht unter 200 pF messen (...so en’ Kruscht...)
So – wer jetzt glaubt, ich hätte eine große Werkstatt mit allem Komfort... den muß ich jetzt enttäuschen....



Das ist mein ganzer Platz – hier im aufgeräumten Zustand (.. aber nur äußerst selten ! * grins *)

Einen lieben Gruß an alle bastelnden und auch nichtbastelnden Dampfradio-Freunde,
Euer Michael

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