Mein PCL81-Brüllwürfelersatz
von Johannes Schmitz

PC-Lautsprecher (Brüllwürfel) auf dem Schreibtisch sind einfach stillos. Da musste etwas mit Röhren her. Ganz viel Leistung brauchte es nicht sein, aber schön klein.
Jogi hat mal zwei PCL 81 gestiftet, die sind echt schön. Außerdem brauchen sie 12 Volt Heizung. Wenn man da beide in Reihe schaltet, sind es 24 Volt, genau wie mein kleiner Steckertrafo....
Der Verstärker passt insgesamt in eine kleine Bohrerschachtel, die noch herumlag.


Die Röhre bringt 15 mA bei 65 V. Kann ja nicht viel rauskommen? - Kann doch! Für den Schreibtisch reicht es jedenfalls dicke. Und auch das Poti ist nicht sinnlos, meist muss man gehörig zurückdrehen.

Das folgende Schaltbild zeigt einen Kanal und das Netzteil:


Die PCL 81 zeigte eine Besonderheit. Der Gitterstrom an der Pentode setzt so markant ein, dass das Gitter sich negativ auflädt und den Arbeitspunkt verschiebt. Das gab zuerst hässliche Verzerrungen. Mit einem relativ kleinen Ableitwiderstand von 36 kW und einer negativen Gittervorspannung von 1,5 Volt wurde es besser.
Weil die Triode sich mit der Pentode eine Kathode teilt, konnte die Vorspannung nicht über einen Kathodenwiderstand erzeugt werden. Die Lösung waren zwei zusätzliche Dioden im Netzteil mit einem Spannungsabfall von zusammen 1,5 Volt.


Das ganze ist jetzt jedenfalls schreibtischtauglich. Die elektrische Sicherheit liegt im Steckernetzteil. Der Verstärker wird auch nicht besonders heiß. Anodenverlustleistung rund 1 Watt pro Kanal.
Am meisten heizen die Kathoden, und deren glühen sieht so richtig schön heimelig aus.


Im Gehäuse befinden sich die beiden Ausgangsübertrager, wie man sieht: einfache Netztrafos. Es waren 30-Watt-Typen mit 2 mal 115 Volt und 2 mal 12 V/1,25 A.
Die Verdrahtung ist fliegend aufgebaut. Bei so kleinen Spannungen kann man sich das leisten.


Die Röhre PCL 81 ist übrigens verwandt mit der legendären ECL 113. Eine echte Audio-Röhre, z.B. für Autoradios.
Als P-Röhre kam sie dann in Fernseher. Aber dass sie mal bei 60 V arbeiten würde, hat bestimmt keiner der Entwickler gedacht ...


Joahnnes schrieb mir per Mail noch die folgenden Zeilen dazu:
Hallo Jochen,
aus gegebenem Anlass möchte ich īmich nochmal für die PCL81 bei Dir bedanken. Wenn bei Dir mal wieder "Schüttgut" weg muss: einfach in meine Richtung kippen. Mir fällt schon was dazu ein ;-}.
Mein Brüllwürfelersatz macht einfach nur Spass, und dem ein oder anderen Hörer von der Sandfraktion ist hier bei mir zu Haus ziemlich weit die Kinnlade runter gefallen. "Das sind nur zwei mal ein Watt, glaube ich nicht, Du lügst". Das ist mehr.
Jetzt stehe ich als Lügner da. Kann ich mit leben.
Ich habe den Sandliebhabern (viel Watt = viel Krach) nicht verraten, dass sie in Wahrheit nur zwei halbe Watt (Sprechleistung), eher weniger, gehört haben. - Wie schon angedeutet: Die PCL81 kann auch mit nur 60 Volt reichlich Spass machen.

Gruss, Johannes
mailto:johannes.schmitz@bigfoot.de

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Nils Stahlhut baute sich diesen Amp nach. Auf der Homepage von Nils ("Nille") kann man sich den schönen und gelungenen Aufbau ansehen:
www.sedan.uni-osnabrueck.de/~stahlhot/verstaerker.html

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