1-V-2 Kurzwellenempfänger für das 80m Band mit 4 x 12 SH 1 L
von Jürgen Dahms

(eine kleine Aufbaubeschreibung)


Vorwort
Immer wieder überrascht die Empfindlichkeit eines einfachen Rückkopplungsempfängers. Wer einen modernen Kurzwellen- Super sein Eigen nennt, wird feststellen, er wird nicht eine schwache CW Station finden, die er nicht auch mit dem Audion im Kopfhörer hören kann und das schon mit nur einer einzigen Röhre!
Wer gerne mit alten Röhren bastelt, sollte vielleicht zuerst damit anfangen, bevor er sich größeren Röhrenprojekten widmet. Ich will versuchen, mein Konzept kurz vorzustellen und auf einige Besonderheiten eingehen, die mir dabei wichtig erscheinen.

Alles fing damit an, als ein Bekannter von mir wie aus heiterem Himmel plötzlich anfing, provisorisch auf einem kleinen Chassis ein Audion mit der kleinen Röhre RV 12 P 2000 aufzubauen und ich bei ihm im Kopfhörer Amateurfunkstationen im 80m Band hören konnte. Ich war davon so begeistert, dass es mir keine Ruhe mehr ließ.
Die Entscheidung stand an, entweder mit der P 2000 und Subchassis zu bauen, oder auf die russische Kopie 12 SH 1 L zurückzugreifen. Aus Aufbaugründen, aber auch der Preis spielte eine Rolle, entschied ich mich für die russische Röhre.
In den Röhrenseiten bei Jogi war das "Entpellen" der wunderschönen kleinen Röhre aus seiner Aluminiumbehausung beschrieben, da gab es kein Zögern mehr! Achtung beim Herausziehen aus der Alu- Behausung: Unbedingt vorher mit Filzstift Anschluss 1, rechts neben der Mittelstiftnase, markieren!

Soviel zur Vorgeschichte.



Zuerst habe ich mich etwas mit den Grundlagen befasst. Hierzu gibt es eine einfach verständliche Seite "Der Röhren-Einkreiser" von Dieter Rauschenberger http://www.d-ra.de.

Wer keine große Bastelkiste aus alten Tagen besitzt, wird Mühe haben, bestimmte Bauteile für den Aufbau des Audions zu finden. Es sind u.a. passender Luftdrehko, geeigneter Wickelkörper für die Audionspule und vor allen Dingen eine schöne alte Zeigerscheibe mit Feintrieb.
Aber unter Freunden hilft man sich aus, vieles kann man auch noch im Internet ersteigern.
Zuerst habe ich mit den zur Verfügung stehenden Bauteilen auf einer einseitigkaschierten Epoxydplatte einen Versuchsaufbau erstellt und dann fing das große Suchen nach der richtigen Frequenz an, d.h. die richtige Dimensionierung des Schwingkreises. Damals besaß ich noch kein Induktivitäts- und Kapazitätsmessgerät, hörte aber plötzlich beim x-ten Mal durch Austauschen von verschiedenen Parallel- und Serienkondensatoren zu meinem Schwingkreisdrehko Rundfunkstationen des 40m Bandes - jetzt war ich auf dem richtigen Weg.
Durch Anziehen der Rückkopplung konnte ich die Pfeifstelle meines kleinen "Senders" in meinem kommerziellen Kurzwellentransceiver TS 120 wahrnehmen.
Das alles sollte dem Newcomer erspart bleiben, deshalb an dieser Stelle der Hinweis auf ein recht genaues Kalkulationsprogramm: Das Programm Hamxls5.zip, hier Thomson.xls, zu finden im Download- Bereich bei http://www.darc.de/f27/html/berechnung.html → F27 Download → Berechnung → 5 Schwingkreis.
Hierbei muss aber die ungefähre Anfangs- und Endkapazität des verwendeten Drehkondensators bekannt sein und Frequenzanfang und -ende, denn ohne Werte funktioniert kein Rechenprogramm.

Nachdem ich die richtigen Kondensatorwerte gefunden hatte, konnte die entgültige Konstruktion festgelegt und der eigentliche Aufbau beginnen.

Das Audion sollte durch eine regelbare Vorstufe ergänzt werden. Danach mussten noch eine NF- Vorstufe und schließlich eine Endstufe folgen, ich wollte ab und zu auch mal mit einem kleinen Lautsprecher hören. Bei der ereichten NF- Leistung von nur ca. 0,5 Watt eignen sich hier recht gut aus alten Kofferradios ausgebaute Oval- oder Rundlautsprecher, die man einfach in ein Holzgehäuse aus Sperrholz einbaut.

Zum Aufbau allgemein
Passende Montagechassis aus punktgeschweißtem Aluminiumblech gibt es noch bei der Fa. Bürklin in Düsseldorf.


Die 12 SH 1 L braucht wie die P2000 als NF- Endröhre betrieben einen recht hohen Anodenaußenwiderstand von ca. 10KOhm. So musste speziell hierfür ein kleiner Ausgangsübertrager angefertigt werden, ebenso wurde ein passender Netztrafo gleich mit in Auftrag gegeben. Beide Trafos müssen auf dem Chassis um 90° versetzt und mit ausreichendem Abstand voneinander montiert werden, denn bei Kopfhörerempfang ist jeglicher NF-Brumm störend.
Mein gezeigter Empfänger hat einen Schönheitsfehler, den echte Röhrenfreaks natürlich nicht akzeptieren – es fehlt die Gleichrichterröhre im Netzteil, aber derartige Röhren aus der damaligen Zeit wären recht groß gewesen und passten irgendwie nicht ins Bild. Hier also moderne Halbleitergleichrichtung, das gleiche gilt auch für die Gleichrichtung der Heizspannung, auch diese Maßnahme reduziert weiter das Brummen auf ein Minimum. Mir kam es lediglich auf das Basteln mit der 12 SH 1 L an!
Die einzelnen Bauteile der beiden Netzteile habe ich auf einer breiten doppelseitigen Lötleiste versteckt im Seitenteil des Chassis senkrecht montiert untergebracht.


Eine gute Masseführung zwischen den einzelnen Röhrenfassungen sollte selbstverständlich sein, diese darf nur an einer einzigen Stelle an das Chassis geführt werden, bei mir ist es die Abschirmwand der HF-Vorstufe.

Der Drehkondensator des Audions und die Audionröhre sind so dicht wie möglich nebeneinander anzuordnen.
Auch wenn der Drehko zwangsmäßig auf dem Chassis montiert wird, sollte die Massefahne am Drehkogehäuse dennoch mit einen dicken Kupferdraht durch das Chassis an die gemeinsame Masseleitung geführt werden.


Alle längeren Leitungen, die HF tragen, sind mit Resten von abgeschirmten Koaxkabel aus der Bastelkiste ausgeführt. Das gilt auch analog für die NF- Zuführungsleitungen zum Lautstärkeregler.

An einem Netzfilter sollte nicht gespart werden.

Die aus 3mm starkem Alublech bestehende Frontplatte ist über 20mm lange Abstandsbolzen mit dem Trägerchassis verschraubt, so gewinnt man Platz zum Unterbringen von Kippschaltern, Potis und natürlich auch für den nach hinten überstehenden Übersetzungstrieb der Zeigerskala. Ansonsten wird jeder sein Gerät so aufbauen, wie es ihm seine Bauteile erlauben.
Achtung beim Verlegen von Netzspannungsleitungen quer durch das Chassis: Wenn vom Aufbau her nicht anders möglich, hier Kabel mit Abschirmgeflecht verwenden!

Zur HF- Vorstufe, Audion- und Endstufe

Schaltbild HF-Vorstufe
(Mit der Maustaste das jeweilige Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)
Schaltbild Audion

Schaltbild NF-Vor- und Endstufe

Schaltbild Netzteil

Es macht wenig Sinn, hier Wickeldaten mit exakten Windungszahlen für einen bestimmten Spulenkörper anzugeben, jeder wird sich hier etwas anderes Passendes als Wickelkörper suchen. Trotzdem habe ich die einzelnen Windungszahlen meiner Spulen im Schaltbild als Anhaltswerte mit angegeben.

Ich verwende z.B. in Ermangelung von passenden Spulenkörpern alte ausgebaute Hochspannungs-Keramikstützpunkte, die zufällig auf beiden Seiten metrisches M5-Gewinde haben, so konnte ich diese mit einer Messingschraube auf einer kleinen Epoxydplatine aufschrauben und diese wiederum über Abstandsbolzen unter dem Chassis befestigen.


Es sollten möglicht im Durchmesser große Keramikkörper für die Audionspule verwendet werden (leider hatte ich solche nicht). Bei den Spulen ist auf gleichen Wickelsinn und auf die Anschlussfolge (wie im Schaltbild skizziert) zu achten, sonst funktioniert das Audion nicht einwandfrei. Jede Windung sollte straff aneinander über der nächsten liegen. Grundsätzlich wird möglichst einlagig gewickelt. Spulenanfang und –ende fixiert man am besten mit einem Tropfen Sekundenkleber. Später kann die komplette Spule ebenfalls mit Sekundenkleber allseitig bestrichen werden, danach austrocknen lassen.
Sehr lange wird man mit der Windungszahl der Rückkopplungsspule und deren Abstand zur Gitterwicklung experimentieren müssen – die Rückkopplung soll weich einsetzen und möglichst beim Durchdrehen des Rückkopplungspotis in der Mitte des Potis einsetzen, so muss hier auch die richtige Widerstandskombination gefunden werden. Am besten arbeitet man zuerst mit Trimmpotis, bis der richtige Wert gefunden ist.
Alle frequenzbestimmenden Festkondensatoren sollten nach Möglichkeit einen neutralen Temperaturkoeffizienten haben (NP0). Dadurch wird die Langzeitstabilität des Audions verbessert. Derartige Rohrkondensatoren bekommt man noch bei der Fa. Oppermann in Steyerberg.
Zum Einstellen der gewünschten Frequenz von Bandanfang und –ende und zur Bandspreizung empfiehlt sich das feste Einlöten von Lufttrimmern, diese sind nebst keramischen Lötleisten ebenfalls noch bei der Fa. Oppermann zu beziehen.

Es wird mit der Kombination von Festwertkondensatoren meist nicht exakt der gewünschte Bereich erreicht.
Beim Drehko für das Audion ist auf beidseitige Lagerung der Achse zu achten, der Achsenanfang sollte hierbei kugelgelagert sein.
Die HF-Vorstufe wird sorgfältig mit einem Weißblechrahmen eingehaust, die Abschirmwand ist so anzuordnen, dass sich die Anschlüsse von Ein- und Ausgang der Röhre nicht sehen, d.h. das Blech wird über die Fassung geführt!


Die Einkopplung der HF- Vorstufe in die Audionspule muss so lose sein, das beim Abstimmen der Vorstufe und deren Einstellung der Verstärkung beim Empfang eines CW- Signals dieses in der Tonhöhe sich so gut wie nicht ändert! Der Frequenzbereich des Vorstufenkreises sollte leicht über die Bandgrenzen (ca.100kHz) hinausgehen.
Besonders ist auf ausreichende und kurzdrahtige Abblockung direkt an den Röhrenfassungen des HF-Traktes zu achten!

Zur NF- Vorstufe und zur Endstufe gibt es keine Besonderheiten, werden die Widerstandswerte in etwa eingehalten, dürfte es keine Probleme geben.
Die Kondensatoren des NF-Filters sind hier Folienkondensatoren, dies gilt auch für alle Koppelkondensatoren im NF-Trakt. Ich habe sie von der Fa. Reichelt in Sande bezogen. Leider zeigte hier meine Bastelkiste große Leere.
Als Anhaltswert habe ich in jedem Schaltbild meine gemessenen Spannungswerte beim Betrieb des Empfängers eingetragen. Besonders beim Audion können sich aber beim Nachbau individuelle Unterschiede der Werte ergeben.

Zur Verdrahtung der Heizung
Für die Verdrahtung der Heizung habe ich zwei unterschiedliche Farben beim Draht gewählt, so sind nach dem Verdrillen der Drähte Anschlussverwechselungen an den Heizfahnen von vorn herein ausgeschlossen. Es muss immer die gleiche Seite von Fassung zu Fassung angeschlossen werden. Der Minuspol der gleichgerichteten Heizspannung liegt immer bei der Röhrenfassung an der Heizfahne neben dem Gitter 1- Anschluss. Bei dieser Polarität wird das Minimum an Heizungs-Brumm erreicht (Fassungsbelegung ist im Schaltbild Röhre 1 HF- Vorstufe zu finden).
Weitere Aufbaueinzelheiten sind auf den Fotos zu erkennen.

Nun wüsche ich beim Basteln mit dieser schicken kleinen Russenröhre viel Erfolg!

Jürgen Dahms, DCØDA

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