MC-MM High-End Vorverstärker komplett in Röhrentechnik
von Klaus

Die Plattenspieler-Kette in kompletter Röhrentechnik.


Liebe Röhrenfreunde.
Nachdem die RIAA Vorverstärker der Versionen "1" und "2" viel Erfolg hatten, wurden diese immer weiter verbessert und nun ist die "Version 4" das Neueste des Plattenvorverstärkers.

In all den Jahren habe viele Anrufe bekommen, die immer wieder die Fragen enthielten "wie baue ich das Gerät selber auf" und "wie ist die Klangqualität".
Die Sache ist nicht einfach aufzubauen und es ist ein "schwerer Brocken" zu bewältigen nämlich das Teko Gehäuse Nr. 394 mit gefiedertem Schnappdeckel. Es muss komplett gebohrt und bearbeitet werden ganz sicher nicht einfach!! Auch für mich war diese Arbeit ziemlich diffizil!
Außerdem muss der Elcal-Profileinschub aus Stahlblech mit Bohrungen versehen werden, auch in der Rückwand.



Schaltungsbeschreibung des RIAA Version "4"

MC-MM Vorverstärker, bestückt mit 8 Röhren 4 x EC88 2 x 12AX7LPS und 2 x 6922.

Er ist in einen Elcal-Profileinschub eingebaut (Best.Nr. 012.01.L). Das Gehäuse ist 440 mm breit, 236 mm tief und 44 mm hoch. Die Frontplatte ist eloxiert und von links nach rechts mit 6 Schaltern versehen. Links der Kippschalter (wie bei den Klaus-Verstärkern) und daneben die (blaue) Leuchtdiode, dann weiter rechts der Umschalter für MM oder MC, dann der Schalter für die Anpassungswiderstände fürs System 10-176 Ω, weiter rechts der Schalter "V", = "Verstärkung für Lautstärkeanpassung der verschiedenen Systeme". Dann kommt der Schalter "C" für die Systemanpassung, und zum Schluss das Poti "P" zur Einstellung der Lautstärke für den Verstärker.


Die Drehknöpfe sind aus Alu gedreht und haben einen Ø von 28 mm und sind wahlweise in Schwarz oder in Gold ausgeführt.
Vorne links hinten sitzt der Ringkerntrafo mit MU-Metall Abschirmung, endfinish gekapselt und schaut ca. 20 mm aus der Abdeckung.

Rechts befinden sich die Röhren 4 x EC88, 2 x 12AX7LPS und 2 x 6922. Die Röhren sind ca. 20 mm in der Deckplatte (Hochglanz beschichtet) eingelassen. Alles, außer den Drehknöpfen, ist schwarz beschichtet.

Die Rückfront von links nach rechts:
Vergoldete Chinchbuchsen 2 x MC-Eingang, 2 x MC-Ausgang, 2 x MM-Eingang, 2 x Verstärkerausgang, getrennter Masseanschluss.
Dann weiter rechts die Sicherungen 1 x Röhrenheizung 2,5 A mtr., 1 x Hochspannung 0,2 A mtr., 1 x Netz 0,63 A tr., 1 x Netzbuchse mit Kabel (Netzfilter 1 A).


Die Schaltung:
In der heutigen Zeit ist es keine Kunst mehr, hochwertige MC-Vorverstärker mit Transistoren zu bauen. Dazu gibt es die SSM 2220 oder MAT 03 (Analog Devices) Doppeltransistoren. Diese PNP-Transistoren haben gegenüber den komplementären NPN-Typen einen sehr viel geringeren tieffrequenten Störpegel.

Bei einem Röhrengerät ist die Sache viel schwieriger zu lösen.
Bei MC-Vorverstärkern in Röhrentechnik ist besonderer Augenmerk auf das Rauschverhalten zu richten. In den 70iger Jahren sind viele so genannte Spanngitterröhren für Fernsehtuner und Antennenverstärkeranlagen entwickelt worden. Hierbei wurde besonderer Wert auf geringes Rauschen und Stabilität gelegt. Gerade diese Kriterien sind aber auch bei einem Moving-Coil Verstärker wichtig. Spanngitterröhren besitzen gegenüber konventionellen Gitterröhren ein straff und nahe an der Kathode liegendes eng gewickeltes Gitter. Dadurch rufen kleine Gitterspannungsänderungen große Anodenspannungsänderungen hervor. Hieraus ergibt sich eine Gitterspannungs- / Anodenstrom-Abhängigkeit von größter Steilheit, die darüber hinaus noch im Vergleich zu anderen Röhren sehr linear verläuft.

Es wurde die Röhre EC88 eingebaut. Es lassen sich auch andere Röhren verwenden, PC86, PCC88, EC88, E88CC usw.
Die EC88 hat folgende Daten: Ia=12,5 mA, S=13,5 mA/V. Pro Kanal werden 2 Röhren EC 88 parallel geschaltet.
Die Elektrodenabstände innerhalb der Röhre sind sehr gering (der Gitter-Kathodenabstand beträgt z.B. 45m). Werden nur kleine Ausgangsspannungen benötigt, kann mit geringen Anodenspannungen von 50 V oder weniger gearbeitet werden. Es wurde hier auf Konstantstromquellen verzichtet, aber auf geringe Versorgungsspannungswelligkeit Wert gelegt.

Schaltbild MC Vorverstärker EC88
Schaltbild MC Vorverstärker EC88

Schaltbild MM Vorverstärker Trenn-und Ausgangsstufe
Schaltbild MM Vorverstärker Trenn-und Ausgangsstufe

Der Trennverstärker ist eine Hälfte der 6922 über C12 und der anderen Hälfte 6922 geht es zum Ausgang des Stufenschalters.

Sockelschaltbilder und Fassungen
Sockelschaltbilder und Fassungen

Die Verstärkung der sehr schwachen Ausgangssignale eines Low-Output-MC Systems von durchnittlichen 250V erfordert umfangreiche Maßnahmen. Die aktive Schaltungstechnik muss weit von Trafos usw. entfernt sein, damit Brummeinstrahlungen keine Chance haben in die Schaltung zu gelangen. Dazu wurden sämtliche Röhren in ein HF-festes und gegen magnetische Störfelder geschütztes Gehäuse verpackt.






Da die meisten Plattenspieler einen asymmetrischen Ausgang haben ist es wichtig, die Betriebsmasse und die Gehäusemasse getrennt zu führen. Sämtliche NF-Leitungen haben einen isolierten Tefloninnenleiter und laufen doppelt geschirmt zwischen Hauptgehäuse und Röhrengehäuse. Alle Röhrenheizungen sind HF-mäßig abgeblockt und werden mit Gleichspannung betrieben.
Der Netztrafo in Ringkerntechnik ist mit einen Stahlband verklebt (zur Abschirmung) und mit einer Schirmwicklung versehen. Die Masseleitungen laufen getrennt zu einem gemeinsamen Punkt innerhalb des Schirmgehäuses und gehen dann getrennt zum Hauptmassepunkt.

Der MC-Verstärkerausgang wird über ein verkürztes NF Kabel zum Eingang des MM-Verstärkers gelegt. Alle Leitungen im MM-Verstärker wurden so kurz wie möglich gehalten. Sämtliche Stufen sind mehrfach entkoppelt.
Die RIAA-Entzerrung ist mit 1%igen Kondensatoren bestückt. Die Spannung für die verwendete Röhre beträgt 300 V- und die Röhrensockel sind aus Keramik mit versilberten Kontakten.
Auf dem Mittenmassesteg der Keramiksockel im MC-Amp sitzen die Arbeitswiderstände.

Über die Eingangspannungsteiler kann man mit dem Drehschalter "P" (5stellig) die Spannung an den Verstärker anpassen.
Der Drehschalter mit 1%igen Widerständen (5-stellig) Innenwiderstand 2 K&Omega liegt am Ausgang der Schaltung und beeinflusst positiv das Rauschverhalten des Verstärkers.
Über den doppelt geschirmten NF-Weg geht die Spannung zur Ausgangs-Chinchbuchse. Der Schutzleiter liegt zur Sicherheit auf allen Gehäuseteilen, auch auf dem Abschirmgehäuse.















Techn. Daten: Gewicht des Gehäuses: ca. 4 kg
Leistungsaufnahme: 40 Watt
Maße: 435 mm breit, 232 mm tief, 44 mm hoch.

Eingangsempfindlichkeit Low-Output MC-System:
250V (0,3mV) / 33Ω Moving Coil-System
Frequenzgang (-3 dB) 15 Hz 150 kHz

Eingangsempfindlichkeit MM-System:
2,5 mV/47 kΩ Moving Magnet
Ausgang: 150 mV/ 47 kΩ
Ausgangsverstärker: 1 V / 324Ω, Widerstand steigend
RIAA-Abweichung: >0,5 dB
Verzerrungen: < 0,4 %
Rauschabstand: 68 dB
Das Netzteil für den RIAA "Version 4"

Der RK (Ringkern-Transformator) mit Mu-Metall Abschirmung hat sek.2 Spannungen 300V (0,1A) 12,6 V (2A).
Die 12,6V Wicklung wird gleichgerichtet und mit den Präzisionsspannungsregler LT 1086 GT stabilisiert. Die Heizung ist mit einem Softstart versehen. Der RIAA ist mit einem Netzfilter ausgestattet. Die Anodenspannung 300V 0,1A wird gleichgerichtet und mit den RC - Gliedern gesiebt. Zwischen R4 und R6 ist ein Zusatznetzteil angeschlossen. Die Zenerdioden 36V und Q301 bringen die Betriebsspannung auf 36V. Die Anpassglieder für S 1/S 2/S 3/ sind wichtig für das Arbeiten der Schaltung.

Schaltbild Netzteil MC-MM
Schaltbild Netzteil MC-MM


Mit freundlichen Grüßen,
Klaus

E-Mail: 6c33c@gmx.de
Tel.: 09287-500824


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