Die Geschichte vom RIM-Verkäufer und der Weg zum Hula–Loop
von Lothar Harz



Liebe "Fan Gemeinde" von Jogis Röhrenbude,
ich möchte mich nur kurz vorstellen, es mag sein, daß mich – Lothar Harz - der Eine oder Andere noch aus der guten Röhrenzeit kennt.
In den sechziger Jahren kam ich von einer kleinen Stadt in Nordbayern zu einem Besuch nach München. Ich war ein begeisterter Hobby-Radiobastler mit einem gesunden Halbwissen. Der erste Weg vom Hauptbahnhof führte mich über die Straße zu RADIO-RIM gegenüber. Fast alle Träume aus dem RIM-Katalog lagen da im Schaufenster.
Dann ging ich in den Keller, in die damals noch so genannte Bastelabteilung. Für mich war das wie im Wunderland.
Ich stieß auf Herrn Mannhardt, den ich mit Fragen löcherte. Dann pries ich sein Glück, in so einem feinen Geschäft mit diesen wunderbaren Dingen den ganzen Tag umgeben sein zu können. Ich sagte ihm, dass ich als Verkäufer in einem Kfz-Zubehör-Handel arbeite und da nicht sehr glücklich sei.
Er nahm mich am Arm, führte mich zu Herrn Siegfried Wirsum (der auch als Autor recht bekannt ist), und sagte: "Da hätte ich jemand der gern bei uns arbeiten würde!". - Minuten später war ich RIM Verkäufer in spe.

Nach kurzer Zeit zog ich von Unterfranken nach Oberbayern und begann in der Bastelabteilung an der "langen Theke". Da ging es um den Verkauf von Widerständen, Kondensatoren, Batterien, Sicherungen, Zerhacker-Patronen, Potentiometern und so weiter. Eigentlich ein anstrengender, aber kurzweiliger Job, und wenn es die Zeit gestattete fragte ich die Kunden was sie so bauen würden. Nach kurzer Zeit hatte sich mein Wissen vervielfacht und ich konnte wiederum den Kunden besser Auskunft geben.
Zuhause waren die RIM-Baumappen die Ersatz-Bibel auf meinem Nachttisch, ebenso wie alle Fachbücher, die ich mir auslieh. Berge von gelesenen Funkschau-Heften bekam ich geschenkt.
Man wurde auf mein Interesse aufmerksam, von dem Kleinverkauf weg wurde ich zum Verkauf von Röhren (und deren Prüfung), Transformatoren, Görler- und Nogoton-Tunern, RIM-Bausätzen sowie der Elektroakustik "geadelt".
Später wollte ich meinen Horizont erweitern und ging woanders hin. Gute Jobs woanders waren aber nicht so zufrieden stellend, und ich kehrte zweimal zu RIM zurück, bis nach dem Zusammenbruch von RIM – ich hatte bis zum bitteren Ende durchgehalten und war ich auch noch im letzten Ladenlokal in der Kolpingstraße.

Eine Karriere in der Welt der Mikrocomputer wurde durch den Ausbruch einer tödlichen Erbkrankheit sehr abrupt beendet. Der bereits zweite Defibrillator schützt mich vor dem Schlimmsten, aber frühere, längere Herzstillstände haben mir Teile der Erinnerung genommen. Oft aber genügt ein kleiner Impuls, um wieder ein Türchen im Kopf aufzumachen.
Beim Aufräumen fand ich eine RIM-Spule M 216, die nicht mit der Schaltung in meiner Erinnerung identisch war. Im RIM-Katalog von 1961 fand ich dann die mir bekannte Spule.
Mit der neueren M 216 baute ich mir – nach fast 50 Jahren wieder – einen Detektorempfänger.


Jetzt hatte ich Blut geleckt! Andere Spulen in verschiedenen Varianten wurden gewickelt, mit vielen Anzapfungen zum Probieren. Da meine Antennen aber nur sehr kurz waren und der Kopfhörer meine Ohren schweißnass werden ließ, habe ich – Röhrenfreunde, verzeiht mir – eine kleine Lautsprecherbox über einen LM 386 angeschlossen. Jetzt gab es Sender aus Kroatien, der Türkei, Holland und Skandinavien und viele weitere.
Beste Ergebnisse bei der Trennschärfe brachten große Spulen, mit einer zweiten zum Antenne ankoppeln. Auch eine lose Antennenspule über die M 216 gelegte, brachte mit meiner Antenne gute Leistung.

Dann fand ich nach längerem Suchen in einem Buch von Herrn Wirsum neben vielen Detektorschaltungen (mit und ohne Sand-Verstärkerstufen) im Anhang beide RIM-Spulen-Typen beschrieben, und das mit den Daten auch zum Selbstbau. Ich möchte sie Euch nicht vorenthalten.


Irgendwann gab ich in Google "Detektor" ein und landete auf Jogis Seite. Mit großer Freude habe ich mich durch seine unschätzbar wertvolle Sammlung an Informationen durchgearbeitet.
Dann fand ich die Infos zum Bau von Rahmenantennen. Also habe ich schnell ein Holzkreuz gemacht und Draht herumgewickelt. Mich hat es von den Socken gehauen!
Aber daß Aussehen gefiel mir so gar nicht. Von einem Einkauf brachte ich dann einen Hula-Hoop-Reifen mit. Der ist aus härterem Plastik als ein Gartenschlauch und mit einem Plastikstück an beiden Enden zum Kreis gefügt.
- Aber bitte die Plastikversion, die Stahlversion ist unhandlicher.... ;-)
Ich habe 10 Windungen CuL mit 0,5 mm Durchmesser eingezogen, davon 8 als Einzelwindungen, um so besser experimentieren zu können. - Hineinschieben lassen sich bestenfalls 3 Windungen von dem dünnen Draht, jede ist etwa 2,7 m lang. - Da ist ein Drahteinzieher aus der Installationstechnik schon eine große Hilfe:




Die Antenne habe ich Hula–Loop getauft, sie ist handlicher als das Holzgestell. Der Empfang ist mindestens gleichwertig!
Mein Germanium-Dioden-Vorrat ist klein – dachte ich. Dreißig Jahre hing vor meiner Nase als Dekoration eine Platine aus einem frühen Computer mit Logikschaltungen, noch diskret ausgebaut. Da fiel mein Blick auf die Dioden.


Ein Blick durch mein Mikroskop zeigte mir schöne Spitzen-Dioden. Die gehen prima im Detektor. Diesen Vorrat werde ich sicher nicht aufbrauchen.




Dazu kann ich nur aus einer Seite von B. Kainka zitieren: Ohne Schrott im Haus
kommt der Erfinder nicht aus.
(Dietrich Drahtlos)
Um meinen Defibrillator nicht zu gefährden (Einbaukosten 40 000.- Euro), halte ich mich von hohen Spannungen fern.
Über Jogis Seite bin auf Röhren gestoßen, die mit Niederspannung arbeiten. Erste Versuche mit billigen Russentypen haben mir gezeigt, dass die Rückkopplung viel weicher arbeitet als damals die Halbleiterschaltungen mit dem OC 71. - Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich vergaß noch zu erwähnen – diese Loopantenne sitzt als Schwingkreis in einem simplen Detektor.
Dieser braucht damit jedoch etwas Nachverstärkung (bei mir ist es ein LM386), ansonsten geht nur leise der Ortssender.

Nicht nur Jogi, auch allen Anderen, die ihr Wissen in der Röhrenbude quasi als Geschenk weitergeben, danke ich herzlich. Mir hier auf dem Lande bringt es viel von dem zurück, was mir früher bei RIM so gefiel.
Sitze ich am Rechner, klicke ich nach dem Einschalten in der Röhrenbude auf "Neu", bevor ich in meinen Mail-Briefkasten schaue!

Gruß, Lothar.

Zurück zur Hauptseite