Michael Meyers EL84-Amp
von Michael Meyer

Die Schaltung ist die vom Elektor mit 2x EL84 pro Kanal. Sie ist auf Jogis Seite, er darf also sehr stolz sein. ;-))
(Die Elektor-Unterlagen hatte ich allerdings separat schon länger herumliegen, die sind also nicht von Jogis Seite, aber das tut nichts zur Sache, denke ich mal...)

Wie das so ist: Ich hatte Jogi vor ein, zwei Jahren mal ein Bild geschickt mit einem Versuchsaufbau auf einer runden Holzplatte, sah ziemlich wüst aus das ganze. - Hier ein Foto dazu:


Schon länger wunderte ich mich, wenn Leute mit Röhrenamps so glasige Augen bekamen und ins Schwärmen gerieten, wenn sie von ihren Klangerlebnissen damit berichteten. Als stolzer Besitzer eines guten CREEK-Mosfet-Halbleiteramps kamen mir also meine Zweifel, ob da wirklich was dran ist an der Wiedergabe solcher Röhrenmöhren, denn mein CREEK klingt wirklich sagenhaft gut. Und das, was die Hifi-Gazetten so schreiben, kann man meistens ohnehin in die Tonne hauen, also blieb ich skeptisch. Gehört hatte ich bislang noch keinen industriellen Röhrenamp, konnte also nicht urteilen über den Klang von Hifi-Röhrenmöhren.... Also mußte ein Selbstbau-Röhrenverstärker her, der sich mit meinem CREEK messen mußte, und zwar gebaut nach den wirklich elektrisch und NF-mäßig schlechtesten Bedingungen, die es je geben kann (wenn schon, dann wird der schlechteste Fall provoziert):

  • 1. keine modernen Ringkerntrafos sondern alte gewaltige eckige Netztrafos mit großen Streufeldern.
  • 2. keine abgeschirmten Leitungen, diese allerdings recht kurz.
  • 4. Trafos so gestellt, daß sie magnetisch koppeln.
  • 5. keine Voodoo-Bauteile sondern normale, allerdings den Spannungen genügende Kondensatoren, normale Metallfilmwiderstände.
  • 6. alte herumliegende Ausgangsübertrager gemäß eigener Vorgaben.

  • Ein Wälzen von Aufbaubildern industrieller Hifi-Röhrenamps bestätigte meine überlegungen: das was die aufbauen, kann ich schon lange.....

    Einzige Bedingung: Verlegung auf vernünftige Leiterplatten und Heizungsanschluß gemäß NF-Technik, also symmetrisch gegen Masse und Schutzerdung.
    EL84 und weitere Röhren hat man als Radiobastler ohnehin herumliegen und die Elektor-Schaltung bot sich wie von selbst an.... Einziger Unterschied: Die Penthoden sind in Ultralinearschaltung angeschlossen, das brachten die Ausgangsübertrager aufgrund ihrer Anzapfungen so mit sich. Klingt außerdem rein theoretisch besser: halb Penthode, halb Triode. Als alter Röhrenbastler, der die Technik ohnehin im Blut hat, ging es also ans aufbauen.


    Naja, da stand eines Tages das Versuchs-Ding - und ich betrachtete es recht skeptisch. Das soll richtig spielen? Es wurde angeschlossen, das Ding, anstelle meines CREEK.
    Angeworfen, CD rein in den CD-Player ...
    Und ich hatte wirklich Tränen in den Augen. Ich hab' gedacht, ich hör' nicht mehr richtig....

    Kein erwarteter Brumm, keine Beeinflussungen der Trafos, eine_schillernde_Wiedergabe, daß ich glaubte, ich träume. Und das bei einem so schlechten Aufbau? Das heißt doch nichts anderes als daß bei hochteuren Industrieröhrenamps fast alles nur Geldschneiderei und Voodoo ist!!!!

    Dann ging es ans Konstruieren und Entwerfen eines Gehäuses - spielt so etwas als Versuchsschaltung, so ist ja noch lange nicht gesagt, daß das alles auch mal in einem Gehäuse verpackt, richtig funktioniert.
    Kabellage, lage der Bauelemente usw - alles will bedacht sein. Halbleiter- oder Röhrengleichrichter, was soll wo und wie stehen? Welches Design? Wohin mit der Strahlungswärme? Das hat sich jetzt ein Jahr hingezogen...

    So einfach war das. Und nun ist der Amp fast fertig, muß jetzt diverse Tests bestehen, muß noch die Kinderkrankheiten auskurieren hinsichtlich Netzstörungen beseitigen, Ausschalthieb in die Boxen beseitigen (ist schon erledigt), usw. - und meinen einst hochgelobten CREEK kann ich ruhigen Gewissens verkaufen...

    Gruß, Michael

    Hier noch die Bilder meines neuen Amps. Abdeckung und Front (besteht aus einem Teil) sind noch bei einem Freund, sie werden seidenmatt-schwarz Pulverlackiert. Danach folgen weitere Fotos...




    Und nun zu den Schaltzeichnungen, die ich zu meinem Verstärker anfertigte. Sie zeigen den linken Kanal, bzw. die Stromversorgung des linken Kanals. Die rechte Seite ist identisch aufgebaut.

    Schaltung vom Michael-Mayer-Amp (linker Kanal)

    Netzteil

    Mittlerweile habe ich die Abdeckung, Pulverlackiert, zurückbekommen:



    Hier noch einmal das Abdeckblech vor der Pulverbeschichtung:



    * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

    Die folgenden Fotos zeigen den Amp, fertig zusammengebaut (in voller Pracht) :






    Es folgen zwei Fotos, die den Amp mit verschiedener Beleuchtung von innen zeigen:




    Noch etwas zum Innenaufbau: Links unten erkennt man die Entstörplatine mit den beiden dicken blauen 650 V-Ko's. Oben ist der Netzfilter zu sehen.
    Die Hochspannungsplatinen stehen senkrecht. Achtung: Die Siebwiderstände sind zwar in Luflochnähe des Bodenbleches, aber das macht wenig, wenn - wie bei mir - der Ladeelko ziemlich dicht in Richtung der aufsteigenden Wärme montiert ist. Entweder drehen, so daß die Siebwiderstände im Betrieb oben liegen, oder anderes Layout wählen, bitte auch daran denken! - Oder kleinen (230V?) Lüfter einbauen.
    Die Blechlöcher (Durchführungen) der Röhrenfassungen sollten so groß sein, daß zwischen Fassung und Abdeck- und/oder Montageblech Luft hindurchziehen kann(Kamineffekt).

    Zum Abschluß noch ein impressionistisches Foto meines Amps.



    Gruß, Michael.

    Vom Mikel bekam ich noch ein älteres Foto zugemailt; es zeigt seine Bastel-Werkstatt - auf dem Arbeitstisch liegt der (auf dieser Seite weiter oben gezeigte) runde "Holzverstärker". Hier erkennt man auch, bei näherem Hinsehen, einen flachen Holzgriff an der Vorderseite von Mikels Verstärker-"Chassis".
    - Nein, es ist nicht der Griff zum wegwerfen, Mikel benutzte offensichtlich die Schublade seines Nachtschranks als Chassis. (Was wohl seine Frau dazu meinte? ;-)


    Außerdem "kämpfe" ich mit Mikel um die Zusendung des Platinenlayouts zu seinem Amp, mitsamt dem Bestückungsplan. (Hierbei bin ich ganz zuversichtlich...)

    Das folgende Bild zeigt nochmals Michaels Werkstatt. Er hat nun doch den Griff seines Amps benutzt... eigentlich schade. Hatte etwas, dieses Design. Etwas Wild-Romantisch-Rustikales.
    Das Innenleben dieses Amps (war nur der Versuchsaufbau...) befindet sich jetzt, sorgfältig verdrahtet, im obigen - wirklich fantastisch gut aussehenden - Gehäuse.



    Mittlerweile ist Mikels Amp komplett fertig, hier sind die Bilder vom endgültigen Stand:









    Nun endlich sind die Platinenlayouts eingetroffen. Michael schrieb mir dazu, daß sämtliche Layouts vom Christian erstellt worden sind. Christian hat, abweichend von Mikels urtümlichem Netztransformator, goile, aber einschaltstrommächtige Ringkerntrafos verwendet und dazu das Layout des Netzteiles zugunsten einer Softstarteinrichtung abgewandelt. Weitere Infos dazu folgen noch vom Christian, ich werde sie dann mit hier veröffentlichen.

    Das erste Bild zeigt die Leiterseite, das nächste die Bestückungsseite der Verstärkerplatinen.
    (Um die Bilder in voller Größe auf den Bildschirm zu bekommen, das betreffende Bild einfach mit der li. Maustaste anklicken.)

    Leiterbahnseite der Verstärkerplatine

    Bestückungsseite der Verstärkerplatine

    Die folgenden beiden Bildergruppen zeigen die gleiches für die Netzteilplatine.

    Leiterbahnseite der Netzteilplatine

    Bestückungsseite der Netzteilplatine

    Es folgt der Schaltplan des geänderten Netzteils:

    Schaltplan des geänderten Netzteils

    Und nun eine Durchsicht von Leiter- und Bestückungsseite für den Softstart des Verstärkers.

    Durchsicht Leiter- und Bestückungsseite Softstart


    Hallo, Jochen - ich habe ich mal den Frequenzgang meines Röhrenverstärkers gemessen, verglichen mit (m)einem CREEK 4240-Hifi-Mosfet-Amp (Class A).


    Mikel versicherte mir, daß das Marmorteil im Bild KEIN getarntes Bassreflexrohr, sondern eine schlichte Vase sein soll. - Na, wer's glaubt... ;-)

    Frequenzgangmessung an Lautsprecherbox

    Equipment an MT-BOX:

    1. Verstärker CREEK 4240 und
    2. Röhren-Eigenbauverstärker.

    Tongenerator GF2 (16Hz – 25KHz)

    NF-Röhrenvoltmeter MV1 (16Hz – 100kHz) Meßbereich 150mV

    Multimeter Z 4313 (20Hz – 50KHz) Meßbereich 3V

    Das Multimeter wurde vorher mit dem NF-Röhrenvoltmeter parallelgeschaltet und über den gesamten Frequenzbereich auf seine Brauchbarkeit getestet.

    Meßtabelle

    f [Hz]

    Ua [V]

    CREEK

    Ua [V]

    Röhre

    f [kHz]

    Ua [V]

    CREEK

    Ua [V]

    Röhre

    20

    1,72

    1,80

    5

    1,69

    1,67

    30

    1,71

    1,70

    6

    1,69

    1,67

    40

    1,71

    1,68

    7

    1,68

    1,65

    50

    1,71

    1,68

    8

    1,68

    1,62

    60

    1,71

    1,72

    9

    1,66

    1,61

    70

    1,71

    1,72

    10

    1,65

    1,59

    80

    1,71

    1,72

    11

    1,62

    1,59

    90

    1,71

    1,72

    12

    1,62

    1,57

    100

    1,71

    1,68

    13

    1,60

    1,53

    200

    1,71

    1,68

    14

    1,59

    1,51

    300

    1,71

    1,70

    15

    1,58

    1,48

    400

    1,71

    1,72

    16

    1,56

    1,47

    500

    1,71

    1,72

    17

    1,53

    1,45

    600

    1,71

    1,72

    18

    1,51

    1,42

    700

    1,71

    1,72

    19

    1,50

    1,40

    800

    1,71

    1,72

    20

    1,49

    1,39

    900

    1,71

    1,72

    21

    1,47

    1,36

    1000

    1,71

    1,72

    22

    1,45

    1,32

    1500

    1,71

    1,70

    23

    1,42

    1,30

    2000

    1,71

    1,65

    24

    1,40

    1,29

    3000

    1,69

    1,66

    25

    1,39

    1,27

    4000

    1,69

    1,67

         

    Gemessen wurde am rechten Kanal unter folgenden Bedingungen:

    • Eingangsspannung: Ue = 50mV = konstant.
    • Eingangsfrequenz: 20Hz £ fe £ 25kHz Sinus.
    • Einstellung Volume-Regler: Röhre voll auf.

    CREEK derart, daß Ua CREEK » Ua Röhre als Referenzpunkt bei 1kHz.

    • Einstellung Balance-Regler: Röhre entfällt.

    CREEK voll rechts.

    • Aufstellung der Boxen: Sie wurde bei beiden Verstärkermessungen nicht verändert.

    Interessantes Detail am Rande: Der Volume-Regler des CREEK mußte schon sehr weit aufgedreht werden, um gleiche Ausgangsspannung zu erreichen, wie die Röhre.

    Kurvendiskussion:

    CREEK

    absolut linearer Frequenzgang bis 2kHz, dann erfolgt ein leichtes Absenken der Ausgangsspannung mit weiterer Linearität bis etwa 7 kHz, anschließend kommt der kontinuierliche Abfall.

    Röhre

    mehr oder weniger linearer (!) Frequenzgang bis 1kHz. Die geringen Abweichungen resultieren aus dem Aufbau des Ausgangsübertragers, zusammen mit der Beschaltung der Gegenkopplung. Bei 1,5 kHz erfolgt ein Einbruch, der zwar noch mal abgefangen wird (3kHz – 6kHz), dann erfolgt der Abfall.

    Die Ausgangsspannung liegt im Bassbereich höher als beim CREEK und fällt höhenmäßig schneller ab.
    Und das hört man.

    Die Kurve des Röhrenverstärkers hat die tatsächlich typischen "Ausgangsübertragerknicke".