Con Fuego II - PCL86-SE-Amp
von Michael Fischer



Con Fuego II Verstärkerbau mit Feuer

Nach meinem ersten Kontakt mit Röhren Mitte letzten Jahres und dem daraus resultiernden Projekt 'Con Fuego' folgte im Herbst diesen Jahres 'Con Fuego II'. Dieser neue Verstärker sollte natürlich besser und leistungsfähiger werden als der alte. Das war relativ einfach zu erfüllen, verwendete der alte doch billige 100V ELA-Übertrager in einer SE-Anordnung (fehlender Luftspalt!), noch dazu in Fehlanpassung (1-W- Abgriff mit Ra = 10 kOhm) damit die Primärinduktivität möglichst gross war und wenigstens ein bisschen Bass rüber kam.

Con Fuego II nutzt zwar auch 'nur' Radioübertrager von Grundig, die aber einen Luftspalt besitzen, wie es für einen SE-Verstärker unbedingt nötig wird. Als Verstärkungsrohr kommt wahlweise eine ECL86 oder PCL86 pro Kanal zum Einsatz. Ein interner Umschalter für die Heizspannung macht den Einsatz beider Röhren möglich.



Im Netzteil gehen zwei Einweggleichrichter vom Typ PY82 in Greinacher-Anordnung zu Werke, die ebenso wie die PCL Typen (noch) billig zu haben sind. Da soweit kein Sand verbaut wurde, sollte die Betriebsspannungsanzeige natürlich auch standesgemäß ausfallen. Eine LED schied aus, stattdessen ziert eine Glimmlampe mit roter Abdeckung die Mitte der Frontplatte. Der Verstärker sollte durchweg symmetrisch aufgebaut werden, deshalb sitzt die Betriebsanzeige und der Ein-/Ausschalter in der Mitte und die beiden Potis rechts und links davon. Diese Symmetrie setzt sich auch auf der Rückseite fort, indem die 230 V - Buchse in der Mitte und die Cinch- und Lautsprecherbuchsen kanalgetrennt jeweils aussen sitzen.


Der Netztrafo ist von einem Bekannten nach meinen Vorgaben gewickelt worden, ebenso die Siebdrossel. Beide nutzen die Kerngröße EI84a, so dass auch hier wenigstens die optische Symmetrie gewahrt bleibt.




Die Drossel entstand durch Abwickeln der Sekundärwicklungen und Bewickeln allen Wickelraumes mit Draht gleichen Querschnitts wie die Primärwicklung. Es konnten sogar noch ca. 200 Windungen zusätzlich auf die Primärseite aufgebracht werden, so dass letztendlich 15H bei 0,4mm Luftspalt zur Verfügung stehen.
Der Netztrafo liefert alle benötigten Spannungen: 2 x 220 V für die Anode, 7 V für die Heizung bei Einsatz von ECL-Typen, weitere 8 V, die zusammen mit den 7 V den Einsatz von PCL-Typen ermöglichen, sowie 19 V für die Gleichrichterröhren.
Die geringfügig zu hohe Spannung (7 V statt 6,3 V und 15 V statt 13,3 V) wird durch zwei Vorwiderstände verringert. Dadurch wird in geringem Maße auch ein etwas sanfterer Anlauf beim Aufheizen der Verstärkerröhren erreicht.


Die Zuleitungen für die Heizungen wurde mit 1mm Litze verdrillt und für jede Röhre einzeln zum Trafo geführt. Alle restlichen Verbindungen bestehen aus Draht mit 0,8 mm Durchmesser in verschiedenen Farben.
Die NF-Kabel sind natürlich geschirmt, wobei der Schirm nur einseitig auf der Quellseite aufgelegt ist. Dass zwei Stereopotis verwendet wurden, liegt einzig daran, dass mir der passende Wert nicht als Mono-Version vorlag. 12,5 kOhm erscheinen relativ wenig, sind hier aber der einzig gangbare Weg gewesen, die Schwingneigung in den Griff zu bekommen. Die Symmetrierung der Heizung erfolgt mit einem 500 Ohm Trimmer, da bei 13,3 V Heizspannung ein Spannungsteiler mit 2x 100 Ohm zu niederohmig wäre und unnötig viel Leistung verbraten würde.


Als Abdeckung für Netztrafo, Siebdrossel und Übertrager dient ein Kästchen aus 6mm Sperrholz, das farblich identisch zum unteren Gehäuseteil aus Siebdruckplatte lackiert wurde.
Die Farbe wurde aus rot, gelb und blau entsprechend gemischt.
Um das Gehäuse etwas interessanter zu gestalten, wurden die Wangen nicht parallel zur Aussenkante des Holzes, sondern um 45 gedreht ausgesägt, so dass das Siebdruckmuster jetzt diagonal verläuft. Als Deckplatte dient ein 12mm Kiefernsperrholz mit kräftiger Maserung.






Die Bodenplatte besteht aus Aluminium und trägt die vier Füße.

Um die häßlich gelb chromatierten Halterungen für die Röhrenfassungen optisch aufzuwerten und um die nie ganz rund ausgesägten Löcher der Elkos abzudecken habe ich mich für große Unterlegscheiben entschieden. Die Röhrenfassungen bekamen Muttern für M24, die Elkos solche für M36.






Zur Schaltung selbst ist eigentlich nichts besonderes zu sagen. Die Gleichrichterröhre PY82 ist für einen maximalen Strom von 180mA bei 60F Ladeelko ausgelegt. Da die beiden Röhren während der Sinushalbwellen abwechselnd arbeiten und die Gesamtstromaufnahme bei nur ca. 90mA liegt, wurde der Ladeelko mit 68 F etwas größer bemessen. Der geforderte Schutzwiderstand von 65 Ohm wird allein durch den Gleichstromwiderstand der Sekundärwicklungen (je ca. 145 Ohm) bereitgestellt. Hinter dem gemeinsam genutzten Ladeelko und der Siebdrossel, erfolgt ab hier die Spannungsversorgung kanalgetrennt mit je 120 F Siebelko pro Kanal. Die Masseverbindung ist nicht nur kanalgetrennt, sondern auch noch nach Vorstufe (Triode) und Endstufe (Pentode) getrennt verlegt, um gegenseitige Einflüsse zu minimieren. Die Eingangs- und Ausgangsmasse läuft dann direkt auf den Fußpunkt an der jeweiligen Stufe.




Die Gegenkopplung über 3,9 kOhm und 330 nF sorgt dafür, dass der durch den relativ kleinen Radioübertrager bedingte Bassabfall etwas kompensiert wird, indem die mittleren und hohen Töne durch die Gegenkopplung etwas abgesenkt werden.
Nachdem der 180 kOhm Anodenwiderstand eine zu hohe Verstärkung lieferte, wurde er in 33 kOhm + 150 kOhm aufgeteilt und nur der Spannungsabfall über die 33 kOhm zur Pentode weitergeleitet. Ein Weglassen des Katodenelkos brachte zwar auch eine Verringerung der Verstärkung, jedoch blieb der Brumm unverändert hoch. Durch die Aufteilung des Anodenwiderstandes verringerte sich jedoch der Restbrumm am Lautsprecher auf 4,0 mV / 3,5 mV (links/rechts).
Die Empfindlichkeit liegt jetzt immer noch bei ca. 400 mV für Vollaussteuerung, der Frequenzgang verläuft linear ab 32 Hz (-3 dB).


Nach diesem erfolgreichen Projekt wurde 'Con Fuego' (also mein erstes Bastelprojekt) von seinen 100V-Übertragern befreit und spielt jetzt wesentlich linearer und mit weniger Klirr auf.

Und, wie es nun einmal so ist, alle guten Dinge sind drei:
Ich träume von 'Con Fuego III', einer PPP Endstufe mit 8 x PL84 und ECF80 in der Vorstufe. 2 x 35W sollten laut Datenblatt drin sein. Die meisten Teile habe ich schon, das Gehäusekonzept steht auch, alles was fehlt ist Zeit.
Meine Frau meint, ich hätte auch noch eine Familie. Ich habe ihr versprochen, dass nach dem dritten Projekt mit der Röhrenbastelei Schluss ist. Ob ich aber der Versuchung widerstehen kann?

10.11.2005
Gruss, Michael Fischer alias 'Mikee'

Zurück zur Hauptseite