Ein Mittelwellen-Super mit Subminiaturroehren
- von Ernst Rößler




Nachdem ich in den beiden letzten Jahren mehrfach mit Subminiaturröhren experimentiert und dabei diese wunderschönen Produkte der "Röhren-Endzeit" sehr ins Herz geschlossen hatte, entschloss ich mich nach mehreren Projekten im UKW-Bereich, mit diesen Röhren auch noch einen Mittelwellen-Superhet aufzubauen. Das nun fertiggestellte Ergebnis dieses Vorhabens soll in folgendem Beitrag kurz beschrieben werden, wobei die Funktionsweise und der Abgleich von Superhetempfängern als bekannt vorausgesetzt werden.

Schaltplan:

Schaltung
(Mit der Maustaste das Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)

Schaltungsbesonderheiten:

Da es in der Spezies der Subminiaturröhren offensichtlich kein Exemplar gibt, welches z. B. einer ECH81 nahekommt, musste für die Oszillator- und Mischstufe ein anderes Konzept gewählt werden, als es üblicherweise unter Verwendung von Triode-Mischheptode-Verbundröhren zur Anwendung kommt. Ein System einer 6111-Doppeltriode wird als Meissner-Oszillator betrieben. Das Oszillatorsignal wird vom Gitter auf das Gitter des zweiten Systems lose über einen keramischen Kondensator von 3,3pF ausgekoppelt. Dieser wird als einziges Bauteil auf der Lötseite der Platine direkt an die beiden Gitteranschlüsse gelötet. Er ist auf dem Bestückungsplan nicht eingezeichnet!


Das zweite System der 6111 arbeitet in Anodenbasisschaltung als Puffer und Impedanzwandler. Hiermit werden Rückwirkungen auf den Oszillator verhindert und das Oszillatorsignal auf die zur additiven Mischung mit Kathodenkopplung erforderliche Impedanz gebracht. Als Mischröhre arbeitet eine 5899, welche zusammen mit dem Oszillatorpuffer den gleichen Kathodenwiderstand benutzt und somit das Oszillatorsignal an ihrer Kathode einspeist. Das Eingangssignal gelangt nach der Vorselektion durch den Eingangskreis (oder die Ferritantenne) wie üblich auf das Steuergitter der Mischröhre. Ansonsten gibt es im weiteren Verlauf der Schaltung keine grossen Besonderheiten, wenn man von der Verwendung eines Systems der zweiten 6111 als Diode absieht, die zur Demodulation und Regelspannungserzeugung benutzt wird. Das Netzteil wurde so dimensioniert, dass ein vorhandener Trafo mit einer Anodenspannungswicklung von 150V verwendet werden konnte. Bei Trafos mit abweichender Trafospannung muss die Schaltung so angepasst werden, dass an C34 ca. 110-120V anstehen.

Aufbau:
Das Gerät wurde auf einer einseitig kupferbeschichteten Leiterplatte mit den Abmessungen 135 x 79 mm aufgebaut. Auf dieser sind alle Bauteile ausser Netztrafo, Ausgangsübertrager und LS-Potentiometer angeordnet. Zusätzlich ist noch ein N-Kanal Mosfet zur Stabilisierung der Anodenspannung auf einem Kühlkörper ausserhalb der Platine erforderlich. Der Empfänger kann wahlweise mit einer Aussenantenne betrieben oder mit einer Ferrit-Antenne ausgestattet werden, wobei man dann auf den Einbau des auf der Platine befindlichen Eingangskreises (L1,L2) verzichten kann. Für die Versorgung der Röhren mit Heizspannung sind auf der Lötseite die im Bestückungsplan blau eingezeichneten Brücken einzulöten.

Bestückungsplan:



Platinenlayout:

Das Platinenlayout massstabsgerecht als Postscriptdatei: Layout.PS

Spulenplan für Eingangs- und Oszillatorkreis:


Beide Spulen sind als Fertigspulen lieferbar (siehe Bezugsquellen).

Bezugsquellen für Bauteile:
Die für den Aufbau benötigten HF-Bauteile (Drehko, Spulen und Bandfilter) sind bei Gerd Reinhöfer ( www.roehrentechnik.de ) unter folgender Bezeichnung erhältlich:

Drehkondensator : HoptAM_FM
Eingangs- und Oszillatorspule : Sp-Satz MW : 1x 45.01, 1x 45.02
ZF-Bandfilter Ferritantenne (optional) : FA200
Folientrimmer C3 & C18 : Reichelt Elektronik ( www.reichelt.de ) Best.-Nr. TRIMMER 11279

Die Subminiaturröhren erhält man z. B. bei BTB-Elektronik, diese sind aber auf Grund der wenigen noch vorhandenen Stückzahlen leider nicht besonders preiswert...:

2x 5899 ( = EF71, EF731 )
2x 6111
1x 5902 ( = EL71 )

Die Röhrenanschlüsse werden mit ca. 8-9 mm Abstand zur Platine eingelötet. Sollte man statt dem Originaltyp einen entsprechenden Vergleichstyp mit nur kurzen Anschlussdrähten geliefert bekommen, so müssen an alle Anschlüsse ein dünner, leicht biegbarer Schaltdraht zur Verlängerung angelötet und durch dünnen Schrumpfschlauch (ca. 8–9 mm lang) gesichert werden.

Weitere Fotos:




Ernst Rößler DK3NO
email: e.roessler-az@t-online.de


Ich war von Ernst Projekt so begeistert, dass ich ihn sofort bat, mir eine Platine mit anzufertigen. Ernst machte mir daraufhin den Vorschlag, ich solle mir die Röhren und den AÜ besorgen; er würde die restlichen Bauteile beisteuern.
Einige der Röhren kaufte ich bei BTB (Link siehe weiter oben), einige bei Military Tubes, die unserem Kumpel Holm (Holm Tiffe) gehört.

Die folgenden Fotos wurden von mir angefertigt:





Hier der AÜ in einer Nahaufnahme; ich kaufte ihn bei Gerd Reinhöfer. Es ist ein kleiner und sehr preiswerter Hammond-AÜ, der genau zur Röhre passt und einen ordentlichen Frequenzgang bietet; für den Mittelwellenempfang hierbei mehr als ausreichend gut.





Ein Empfangs-Fazit von mir: Über Tag bekomme ich zwischen drei und vier Sender, recht lautstark und deutlich - was, im Vergleich zu meinen kommerziellen Geräten, einen zumindest gleichwertigen bis überdurchschnittlichen Eindruck bei mir hinterliess.
Am Abend, besonders nach 22 Uhr, ist das MW-Band voll; wobei auch hier eine gleichwertige bis überdurchschnittliche Empfangssqualitä und ebenso gute Trennschärfe beeindruckte.

- Jogi -


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