Williamson Monoblöcke
- von Ernst Schlemm







Diese beiden Verstärker, die bis auf wenige Schaltungsänderungen dem Originalkonzept von D.T.N. Williamson aus dem Jahr 1947 entsprechen, stellen- um es gleich vorweg zu sagen- so ziemlich alles in den Schatten, was ich bisher gehört habe. Man fragt sich unwillkürlich: Wo bleibt der Fortschritt?!
Sie klingen sehr angenehm, das heißt sie wirken auch nach stundenlangem Hören nicht ermüdend, der Sound ist auffallend weich und gleichzeitig brilliant mit einem gewaltigen, präzisen und überraschend übersteuerungsfesten Bassfundament.
Diese Eigenschaften sind wohl in erster Linie der gelungenen Schaltung und den ca. 8 kg!! schweren Ausgangstrafos der Fa. Sowter.Ltd. England zu verdanken. Es lohnt sich die relativ hohe Investition von ca. 220 Britischen Pfund pro Ausgangstrafo auf jeden Fall !

Mechanik/Bauteile
Es ist nicht einfach, große Chassisausbrüche herzustellen. Wenn diese Ausbrüche dann auch noch sichtbar sind und das Ganze am Ende noch halbwegs gut aussehen soll, kommt man mit Feilen und auch mit Kreisschneidern schnell an seine Grenzen. Da hilft nur eine CNC-Fräse.
Glücklicherweise kann man das Programm "Frontplatten-Designer" von Schäffer- Apparatebau Berlin kostenlos runterladen und damit alle nötigen Umrisse, Radien, Bohrungen, Ausbrüche und auch Gravuren zeichnen und die Platten dann einfach per E-mail in Auftrag geben. Dieser Service funktioniert reibungslos und ergibt wirklich tolle Resultate.

Also, die Chassishauptplatte und Frontseite der Verstärker bestehen aus 4 mm, die Rückseite aus 2 mm und die Bodenplatten aus 3 mm silbereloxierem Aluminium (Schäffer-Apparatebau). Die Seitenteile sind aus schwarzeloxiertem Aluprofil (Meterware) von Fischer-Elektronik.

Alle Trafos und Drosseln stammen von Sowter, die Netztrafos sind zur Geräuschreduzierung auf mittelweichen Silentblöcken montiert (Conrad), die Potis sind von Alps und die Eingangswahlschalter von Elma (Funkerflohmarkt).






Es wurden 1% bzw. selektierte 5% Metallschichtwiderstände eingesetzt. Die Koppelkondensatoren sind MKT-Typen.
Die Potis R12, R16 und R21 sind 10-Gang 2W Ausführungen, die Gerätefüße aus Messing- Vollmaterial gedreht und mit Kork unterlegt. Die Drehknöpfe sind von Conrad.
Um eine bessere Optik zu erzielen, wurde die eigentliche Verstärkerschaltung auf einer Epoxy- Basisplatte untergebracht und mit 8 mm Abstandsbolzen an der Chassisunterseite befestigt.

Schaltung

Schaltbild
(Mit der Maustaste das Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)

Nach Durchlaufen von Eingangswahlschalter und Lautstärkepoti liegt das Signal am Gitter von V1, die zu Vermeidung von Phasendrehungen galvanisch an die folgende Phasenumkehrstufe gekoppelt ist (wer möchte, kann den 220 nF Kondensator vor V1 auch weglassen, wenn sichergestellt ist, daß keine Gleichspannung ans Gitter von V1 gerät).
Über je 220 nF gelangt das nunmehr vorverstärkte und phasengetrennte Signal an die Treiberröhre V3/V4, deren Verstärkungsfaktor durch R12 exakt symmetriert werden kann und danach zu den als Trioden geschalteten Endstufenröhren KT 66. Der gemeinsame Ruhestrom der Endstufe wird durch R21 festgelegt und mit R17 symmetriert.
Eine moderate Gegenkopplung erfolgt von der Sekundärseite des Ausgangstransformators über 12 K und 100 pF (Originalwert 1,2 K mal Wurzel Z sek.= 3,5 K) bei 8 Ohm Sekundärimpedanz zur Katode der Eingangsstufe. Eine zusätzliche Stromgegenkopplung ergibt sich durch Spannungsabfall an den nicht überbrückten Katodenwiderständen.
Die beiden 110 Ohm/6 W Widerstände vor der Gleichrichterröhre dienen der Vertilgung überschüssiger Spannung. Mit 37,5 F ist der Ladekondensator viel größer als der 8 F Originaltyp, der Netztrafo ist für die Kondensatororiginalbestückung ausgelegt.
Die Gleichrichtung der Heizspannung von V1 und V2 ergab völlige Brummfreiheit der Verstärker.
Die Masseführung erfolgt über eine Masseschiene (2 mm versilberter Cu-Draht); der Verbindungspunkt zum Chassis liegt nahe dem Eingangswahlschalter.

Inbetriebnahme und Abgleich
Den Verstärker zunächst ohne Röhren (außer Gleichrichter) und ohne Gegenkopplung möglichst über ein Wattmeter und einen Regeltrafo ans Netz bringen (ersatzweise 40 W Glühbirne). Einen Lautsprecher anschließen und ein Voltmeter an C8 legen. Potis R12, R17 und R21 in Mittelstellung. Die Netzspannung langsam hochfahren und dabei das Wattmeter und die Betriebsspannung beobachten. Bei Ub 450 V darf die Leistungsaufnahme nur ca. 20 W betragen (Heizung 5U4 und Netztrafoverluste).
Jetzt die übrigen Röhren einsetzen, die Netzspannung erneut langsam bis auf 230 V hochfahren und die Betriebsspannung (450 V) und alle anderen Spannungen überprüfen. Der Lautsprecher muß ruhig bleiben.

Statischer Abgleich:
Den gemeinsamen Ruhestrom der beiden KT 66 mit R21 auf 125 mA einstellen, dazu Milliamperemeter in die Zuleitung zum Mittelanschluss des Ausgangsübertragers legen.
Dann Voltmeter an die Anodenanschlüsse des Ausgangsübertragers und die Endstufensymmetrie mit R17 einstellen (0 V auf Voltmeter).

Dynamischer Abgleich:
Einen Ausgangsübertrager (z.B. aus einem alten Radio) mit seiner sekundären (niederohmigen) Wicklung in die Zuleitung zum Mittelanschluss des Ausgangsübertragers legen. An die Primärwicklung dieses Hilfstrafos einen Kopfhörer oder besser ein Oszilloskop anschließen, die eine Seite der Primärwicklung aus Sicherheitsgründen unbedingt mit Masse verbinden!!
Dann ein sinusförmiges Signal an den Verstärkereingang legen (400 Hz) und mit R12 auf minimale Lautstärke im Kopfhörer oder gleiche Amplituden auf dem Oszilloskop einregeln.
Jetzt arbeitet die Treiberstufe symmetrisch.

Gegenkopplung:
Zum Schluss die Gegenkopplung anschließen, die Verstärkung muß zurückgehen, falls der Ton lauter wird, oder der Verstärker zu heulen beginnt, Anodenanschlüsse umpolen.

Messwerte
Die verzerrungsfreie Leistung beträgt ca 16 W. Rechteckverhalten siehe Schirmbilder.

300 Hz :


1 kHz :


10 kHz :

Leichte Überschwinger habe ich toleriert, sie sind durch Erhöhen des Wertes des 100 pF Parallelkondensators zum Gegenkopplungswiderstand zu beseitigen, klanglich schien mir die hier gewählte Version aber besser.
Nach den Originalangaben liegt die totale harmonische Verzerrung bei Vollaussteuerung unter 0,1%. Der Frequenzgang ist zwischen 10 Hz und 20 kHz linear (innerhalb 0,2 dB).

Fazit
Die Williamson Verstärker sind einfach aufzubauen und unproblematisch, besonders hervorzuheben ist die hohe Qualität der Sowter- Ausgangstrafos, die Bässe sind gigantisch!
Die Leistung ist mit 16 W für meine Ohren absolut ausreichend, die Verstärker laufen bei mir an Quadral Vulkan MkII Lautsprechern in einem kleineren Raum.

PS : Wegen eines Kameradefekts sind die einzig erhaltenen Bilder des Versuchsaufbaus leider unscharf, vermitteln aber hoffentlich noch einen Eindruck von der herrlich chaotischen Ausgangssituation.
Gruss, Ernst Schlemm


Die weiteren Bilder, die den Amp in verschiedenen Blickwinkeln zeigen, sowie den Innen- und den Probeaufbau, werden zufällig und kommentarlos dargestellt.


























































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