melomania VT-4-C / 211
von Volker Kluft



Der "melomania VT-4-C" ist mein zweites Röhrenprojekt nachdem Anfang 2007 die beiden Monoblöcke mit der 6C33C in der Schaltung von Ernst Rößler fertig geworden sind. Genau wie bei den 6C33C- Monos habe ich auch bei diesem Verstärker mit der 211 / VT-4-C auf bereits vorhandene Schaltungen und Ideen zurückgegriffen und nur weniges modifiziert und meinen Vorstellungen angepasst.




Die Idee überhaupt mit der 211 / VT-4-C zu bauen, kam mir durch Veröffentlichungen im www. Während der Auseinandersetzung mit möglichen Schaltungen reifte langsam der Entschluss, dass es keine SRPP-Treiberstufe für die 211 werden sollte, da diese unter den Möglichkeiten der 211 bleibt.
Gerd Reinhöfer stellte mir eine Treiberstufe mit einer 6SN7 und Anodendrossel zur Verfügung, die mich Überzeugte. Herzlichen Dank an Gerd Reinhöfer für seine Ideen, Ratschläge und seine große Geduld und schließlich die hervorragenden Trafos, Ausgangsübertrager und Drosseln. Großes Lob nach Meuselwitz in Thüringen.


Durch Diskussionen in Jogis Forum reifte dann auch der Entschluss im Netzteil mit Gleichrichterröhren zu arbeiten. Jürgen Imlau (rs237) war mir in der ganzen Zeit eine große Hilfe und immer ansprechbar.

Schaltung Netzteil
(Mit der Maustaste das Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)

Durch die Entscheidung mit Gleichrichterröhren zu arbeiten wurde das Netzteil recht aufwändig. Die Gleichrichterröhren, die ich vorgesehen hatte - die 866A, 3B25 oder 3B28 (schöne und alte RCA´s gibt’s bei Jan Wüsten), arbeiten alle mit einer Heizspannung von 2,5V und 5 Ampere. Da diese Röhren vor dem Anlegen der Anodenspannung eine gewisse Zeit angeheizt werden müssen, habe ich für die Heizung der Gleichrichter einen separaten Trafo gewählt.
Müller Rondo lieferte mir einen schönen Ringkerntrafo mit den entsprechenden Werten. So können der Haupttrafo und die Heizung der Gleichrichter unabhängig voneinander und zeitlich nacheinander geschaltet werden. Wem die Bedienung mit zwei Schaltern zu kompliziert oder zu unsicher ist, kann auch mit einem Timer den Haupttrafo mit der Anodenspannung verzögert zuschalten.

Da der Haupttrafo für die Anodenspannung der 211 / VT-4-C keine Mittelanzapfung vorsieht und ich auch nicht mit einer Spannungsverdoppelung arbeiten wollte, entschied ich mich für die Gleichrichtung der Anodenspannung über eine Graetzbrücke, die mit zwei Hochvolt-Dioden und zwei Gleichrichterröhren aufgebaut wurde.
Es gibt sicherlich elegantere Lösungen, aber der hier beschrittene Weg funktionierte von Annfang an hervorragend und liefert am Ende der Siebkette eine saubere Gleichspannung von satten 1200 V.
Sowohl die 866A als auch die 3B25 arbeiten in dieser Schaltung zuverlässig und ohne Probleme.
Als Ladekondensator habe ich einen alten 5,5uF MP-Boschkondensator von Jan Wüsten gewählt und gehe damit schon an die Grenze der Belastbarkeit der Gleichrichter, wenn, wie in diesem Fall, mit einer CLCLC - Siebkette gearbeitet wird.


Nach dem Ladekondensator wird mit 13H Drossel und 3 seriell geschaltet 100uF Kondensatoren gesiebt. Danach folgt eine 20H Drossel mit 3 seriell geschalteten 330uF Elkos. Unbedingt zu beachten sind die 270K Widerstände als Spannungsteiler über den Elkos.
Die Anodenspannung der 6SN7 wird mit CLC Siebung (150uF – 50H – 150uF) aufbereitet und steht mit sauberen 300V an der Anodendrossel zur Verfügung. Die Heizung der 211 / VT-4-C wird nach der Gleichrichtung nur grob durch den 4700uF Elko gesiebt.
In der Treiberstufe habe ich im Signalweg auf ausgesuchte Bauteile geachtete. Die Schaltung überzeugte mich in ihrem klaren und schnörkellosen Aufbau sofort. Das Signal gelangt nach dem Poti über den Eingangskoppelkondensator von 0,47uF auf das Gitter des 1. Systems der 6SN7. Über einen Koppelkondensator 1uF wird das Signal an das Gitter des 2. Systems der Röhre geführt. Ein 180K Widerstand (PR9372) holt in interner Gegenkopplung das Signal zur Linearisierung ans 1. System zurück. Über einen weiteren Kondensator 1uF geht die Treiberstufe ans Gitter der 211 / VT-4-C. Durch die Verwendung einer Anodendrossel stehen am Ausgang dieser Treiberstufe bis zu 300Vss zur Verfügung, was an dieser Stelle allerdings nicht notwendig ist, aber genügend Aussteuerungsreserven ermöglicht um eventuell auch Röhren mit höherem Gitterwechselspannungsbedarf anzusteuern.

Der mechanische Aufbau gestaltet sich nicht sonderlich kompliziert. Auf einer 1:1 Sperrholzplatte wurde die Anordnung der einzelnen Teile zunächst entworfen. Da mit Trafos und Drosseln allein schon 7 größere Bauteile unterzubringen waren, habe ich die Grundfläche der Trägerplatte mit 32cm x 38cm recht großzügig gewählt.
Heinz Moritz aus Unna hat mir bei den Ausschnitten und Bohrungen in seiner kleinen Werkstatt bestens geholfen. Auch die Gravuren konnten dort angefertigt werden. Ein Spleen: alle Beschriftungen sind lateinisch verfasst.




Während die Arbeitsphase hing die Trägerplatte im einem hier im Forum schon öfter beschriebenen Montagegestell.




Der endgültige Aufbau erfolgte in einem Holzrahmen den ich schon für den 6C33C – Amp verwendet habe. Stefan Jansen hat ihn für seinen Blue Man Tube hier in der Röhrenbude veröffentlicht.
Das Konstruktionsprinzip ist das gleiche, nur die Maße wurden geändert und angepasst.




Der melomania verhält sich beim Ein- und Ausschalten völlig gutmütig und geduldig. An der Rückseite wird der Schalter 1 zuerst geschaltet. Er gibt den Ringkern mit der Heizung für die 866A frei. Nach der groben Zeiteinheit 1 Tasse Kaffee aus der Küche oder 1 Bier aus dem Keller holen, wird an der Frontseite Schalter 2 (vis secunda) geschaltet und der Haupttrafo liefert die Betriebsspannungen. Auf der Primärseite des Trafos ist als zusätzlicher Schutz noch ein Heißleiter zwischengeschaltet.
In den Lautsprechern ist nur ein sanftes Wuuuuuup zu hören. Das Ausschalten geht völlig unspektakulär und still vonstatten.

In den Lautsprechern - abwechselnd Dynaudio Focus 140 (86dB) und Visaton Breitband (94dB) - ist weder ein Rauschen noch ein Brummen zu hören. Die Siebkette leistet ganze Arbeit. Durch das Entbrummpoti an der Heizung der 211 kann auch hier ein eventuell noch vorhandener Restbrumm minimiert werden.






Viel Freude beim Nachbau,
Volker

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