strategos RS 282
Monoblöcke mit den Wehrmachtsröhren RS282 RL12P10 LD1
von Volker Kluft


Nachdem mich das Röhrenfieber 2007 voll erwischt hat, habe ich nach dem melomania, meinen Monoblöcken mit der 211, gleich weitergemacht und noch zwei große Monoblöcke in Angriff genommen.
Ziemlich schnell stand für mich fest: Zuerst dachte ich an die RS 237, doch hätte diese deutsche 211 wenig Neues gegenüber dem melomania gebracht, auch waren mir die Preise für zwei (vier) gute RS 237 zu hoch.
Nach einigen Überlegungen und Gesprächen mit netten Leuten im Forum fiel die Entscheidung zu Gunsten der RS 282 von Telefunken. Diese alte Sendetriode sieht nicht nur gut aus, sondern bringt ähnlich viel Leistung wie die 211, unterscheidet sich durch die indirekte Heizung aber deutlich von der 211 / RS237. Die Treiberstufe ist mit der LD1 und der RL12P10 aufgebaut, ebenfalls Wehrmachtsöhren von Telefunken, die noch gut zu beschaffen sind.


Gerd Reinhöfer hat mir erneut wunderbar geholfen. Die Schaltung stammt von ihm. Herzlichen Dank auch an ihn für die hervorragenden Trafos und Übertrager.
Die Schaltung braucht keine weitere Erklärung, sie versteht sich von selbst. Nur an den Gitter- und Katodenwiderständen habe ich herumexperimentiert und durch Messen, aber auch durch Hören, die angegebenen Werte für mich ermittelt. Hier bleibt jedem Raum, eigene Erfahrungen zu machen.
Andreas Willms, der den melomania zur Zeit nachbaut, hat dankenswerterweise das Netzteil gezeichnet. Es unterscheidet sich kaum von dem des melomania.

Die Schaltung

Das Netzteil
(Mit der Maustaste das jeweilige Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)

Die kleine LD1 habe ich aus ihrer militärischen Hülle befreit, indem ihr einfach direkt unter dem oberen Kranz der "Hut" abgesägt wurde. Mit ein bisschen Geduld und etwas Nitro-Verdünnung wird sie dann auch richtig sauber.
Gerd Reinhöfer hat spezielle Fassungen für die LD1 im Programm, so dass auch ohne die originale Wehmachtsfassung die LD1 wunderbar verbaut werden kann.
Die schönen Bakalit-Fassungen für die RL12P10 tauchen auch immer mal wieder auf, aber Vorsicht: sie halten die Röhre ziemlich fest, beinahe hätte ich mal beim Herausnehmen den Glaskolben vom Sockel getrennt.




Eine Fassung für die RS 282 ist leider nicht zu haben, also war Selbstbau angesagt. Auf eine Pertinaxplatte wurden drei Bananenstecker so montiert, dass sie eine Halterung für diese riesige Röhren bilden können. Zwei der Bananas sind gleichzeitig auch Heizungsanschlüsse der Röhre. Es ist möglich durch den dritten Stecker die Katode anzuschließen, doch habe ich mich der Symmetrie halber für den Anschluss über das linke Ärmchen der Röhre entschieden.
In der Größe des Röhresockels ist die Trägerplatte ausgeschnitten, die Röhre sitzt also auf dem Pertinax und den drei Stiften. Zusätzlich halten vier gebogene Flacheisen die Röhre, die genau in die Nut des Sockels fassen. Ich halte diese Sicherung für sinnvoll und nützlich.
Da ich den gesamten Verstärker in der ersten Zeit doch immer wieder mal in den Keller geschleppt habe, um das eine oder andere noch zu ändern, war ich froh, dass die RS282 wirklich fest auf dem Verstärker saß.




Es bleibt das Problem der fehlenden Anodenkappen für die RS 282 es gibt keine. Ralf Keil hat für seinen RS 282 extra Kappen aus Teflon angefertigt: www.jogis-roehrenbude.de/Leserbriefe/Keil-Amp/ET.htm
Leider konnte ich von Ralf keine Kappen für die RS 282 mehr bekommen, und so bleiben die Anoden erst einmal ohne Haube. Meine Familie weiß Bescheid, der Hund kommt nicht dran und ich bin vorsichtig. - Ein Vorteil: Das Messen der Anodenspannung ist auf diese Weise allerdings auch recht einfach.
Wenn hier jemand eine gute Idee hat, bin ich über jede Hilfe dankbar.


Nun fehlten nur noch deutsche Militär-Gleichrichterröhren im Netzteil.
Beim amerikanischen melomania habe ich mit den Quecksilberdampfgleichrichtern 866A sehr gute Erfahrungen gemacht. Diese Gleichrichterröhren sind mit zwei Hochvoltdioden in einer Graetzbrücke aufgebaut und stellen mit der anschleißenden Siebkette eine saubere und brummfreie Hochspannung zur Verfügung.
Für die Anodenspannung der RS 282 sollten jedoch nun auch Telefunkenröhren zum Einsatz kommen. An deutschen Röhren stehen hier die Hochvakuumgleichrichter RG62 und RG62D sowie die RGQ 7.5/06 (Quecksilber) von Telefunken zur Verfügung. Alle genannten Gleichrichter arbeiten mit 2,5V und 5A.
Damit war die Entscheidung getroffen: Rondo Müller lieferte wieder einen kleinen separaten Ringkerntrafo für die Heizung der Gleichrichter und die Inbetriebnahme sollte zeigen, welche Gleichrichter sich am besten eignen.
Besonders froh war ich, dass mir von den sehr seltenen RGQ 7.5/0.6 vier dieser Röhren zur Verfügung gestellt wurden. Herzlichen Dank, Friedel.
Da meine Erfahrungen mit den 866A von RCA sehr gut waren und die Queckies auch optisch einen großen Reiz haben, hatte ich die Hoffnung, das Netzteil mit den RGQ 7,5/0.6 aufbauen zu können. Leider war dies nicht der Fall. Da die RGQ 7,5/0,6 anscheinend asymmetrisch arbeiteten, ließ sich keine saubere Hochspannung erzeugen. Zum einen erstaunte mich der hohe Spannungsverlust beim Einsatz der RGQs, zum anderen bescherten sie mir einen rechten lauten Brumm, gegen den auch die Siebkette machtlos war.
Die Spannungsmessungen an der Anode der RS282 ergaben bei 70mA Katodenstrom: Mit der RG62 aber auch der 866A arbeitet der Verstärker völlig brumm- und rauschfrei.
Schweren Herzens habe ich mich von den RGQ 7,5/0,6 wieder getrennt und die Gleichrichtung erneut mit der 866A von RCA aufgebaut.

Zum Klang: kraftvoll, räumlich, bis ins kleinste Detail auflösend und gnadenlos gegenüber jeder schlechten Aufnahme mit den Worten meines Sohnes: geil !








Gruss, Volker

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