Jegliche gewerbliche Nutzung - auch Internet-Auktionen - wird hiermit untersagt! Sämtliche auf dieser Seite enthaltenen Texte, Fotos und Grafiken unterliegen dem Copyright!
Es dürfen keinerlei Fotos und Texte, ausser für private Zwecke, kopiert werden !!


Die EL 503 – Story -




oder der Versuch einer Dokumentation.



Zunächst etwas zur Geschichte der EL503 :

Die EL 503 wurde vom Hersteller Valvo als Nachfolger der EL34 entwickelt und kam 1966 auf den Markt. Die neue EL503 kam mit einem gedrungeren Glaskolben, nur noch 76 mm Bauhöhe und mit einem neunpoligen Magnovalsockel.
Die Spanngitter-Endpentode (Beam-Power-Tetrode) EL 503 besitzt einige Charakteristiken, die quasi als Alleinstellungsmerkmal für diesen Typ anzusehen sind: Sie ist mit 23 mA / V sehr steil, hat einen niedrigen Innenwiderstand und kann, gespeist mit einer relativ kleinen Anoden- und Schirmgitterspannung, über einen Ausgangstrafo mit niedrigem Übersetzungsverhältnis (was für die Herstellung des AÜ von Vorteil ist!) eine vergleichsweise große Ausgangsleistung abgeben.
Mit einer solchen AB-Endstufe ist mit einer Andodenspannung von nur 265 V und einer Steuerspannung von 11,5 V eine Ausgangsleistung von 40 Watt möglich !
Dies schafft keine andere Endröhre, weder europäischen noch außereuropäischen Fabrikates!
Der etwa zur gleichen Zeit einsetzende Siegeszug der Halbleiter hatte jedoch zur Folge, dass eigentlich gar kein wirklicher Bedarf für Röhren-Neuentwicklungen dieser Art mehr bestand. So wurde die EL 503 nur relativ kurze Zeit (bis etwa Mitte 1967), und nur von einem Hersteller (Valvo, jedes andere "Fabrikat" ist lediglich aufgestempelt), produziert.

- So steht es, zumindest, in den meisten Veröffentlichungen...

Aber wenn man die im Bericht weiter unten verwendet Photos betrachtet, so fallen doch folgende Fakten auf - mb (Michael Boele) hat mich darauf aufmerksam gemacht :

  • (1) ALLE gezeigten Röhren, bei denen man den Philips-Batchcode lesen kann, auch die mit Valvo-Stempel, zeigen im eingeätzten Herstellungscode, der typisch für Philips-Röhren ist, den Herstellungscode '±' ("Plusminus") am Anfang der zweiten Zeile - und der steht i. A. für die La Radiotechniqe-Fabrik in Chartres / Frankreich.
    Dies ist ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass die Röhren aus französischer Philips-Fertigung stammen - jedenfalls wurde auf Röhren, die in jener Zeit bei Valvo in Hamburg gefertigt wurden, der Herstellungscode 'D' aufgetragen.

    Zur Erinnerung: Valvo in Hamburg war eine 100%ige Philips-Tochter. Es ist also denkbar, daß aus wirtschaftlichen oder wirtschafts-politischen Gründen die von Valvo entwickelte EL503 nicht in Deutschland, sondern im ebenfalls zu Philips gehörenden La-Radiotechnique-Röhrenwerk in französischen Chartres hergestellt wurde.

    (In der kommenden Woche werde ich eine große Anzahl neuer und neuwertiger EL503 zur Verfügung haben, von denen ich Fotos für diese Seite anfertigen werde. - Ich bin schon mehr als gespannt, welchen Batch-Code ich auf diesen Röhren entdecken werde, in anderen Worten, ob alle diesen code hatten, oder auch welche mit dem Valvo-D oder anderen Philips-Werken dabei sind...!)

  • (2) Alle sichtbaren Typencodes beginnen mit U3.
    Das bedarf der Betrachtung - war doch der Typencode für die EL503 laut allen Tabellen über Philips-Herstellungscodes ein anderer - nämlich 'tB'.
    'U3' hingegen steht für den Typ EL520.
    Also wurden hier Röhren des Typs EL520 als EL503 bestempelt.

    Das ist bemerkenswert - zumindest auf den ersten Blick.
    Andererseits ist es aber auch konsistent mit Information über die Röhre EL520, die Micha einmal in vor Jahren in einem französischen Text entdeckt hatte, den er mal als Student in der Universitätsbibliothek in Lyon gelesen hat. Der Bericht stammte aus den späten 1960igern und erwähnte die Röhre EL520 als Neuentwicklung. Und enthielt einen Schaltplan als Applikationsvorschlag, der bis auf die Beschriftung und die Endröhren (EL520 statt EL503) identisch mit einem weiter unten auf dieser Seite gezeigten Valvo-Schaltungsvorschlag war..
    Der Text liegt leider nicht mehr Original vor - Micha hat nur noch eine Handskizze des Schaltplanes, den er sich damals ins Laborbuch kritzelte...

    Das lässt als Schluss zu, dass die beiden Röhren weitestgehend identisch sind.

    Zur Untermauerung der Argumentation - hier die Übersetzung einiger auf den Bildern lesbarer Codes:

  • Erstes Bild (liegende Valvo, ganz oben auf dieser Seite):
    U3? (EL520 - Version nicht lesbar)
    ±9?? (RT-Chartres - 1969 - Monat und Woche nicht lesbar)

    Zweites Bild - zwei Valvos auf Schachtel:
    U33 (EL520 - dritte Version)
    ±1L (RT-Chartres - Dezember 1971)

    Zerlegte französische Röhre:
    U33 (EL520 - dritte Version)
    ±??? (RT-Chartres - Datum nicht lesbar)

    Valvo - graue Anode (Sequenz - 'HKLA'):
    U33 (EL520 - dritte Version)
    ±5E3 (RT-Chartres - Mai 1965 (1975?) - dritte Woche)

    Valvo - graue Anode (Sequenz - 'HHWA'):
    U33 (EL520 - dritte Version)
    ±5C2 (RT-Chartres - März 1965 (1975?) - zweite Woche)

    Hochinteressant ...

    Jean Kehr stellte mir Fotos seiner EL 520, Hersteller-Aufdruck Mazda / Belvue zur Verfügung.


    Die Codes dieser Röhren: EL 503 :
    U33
    ± 5L1
    3 Punkte

    EL 520 :
    U31
    ± 3J3
    1 Punkt
    Jean schreibt dazu: Die Bleche beider Typen sind hellgrau, sie haben 3 Getter, die 520 hat zwei sternformige Glimmer, in der 503 ist der untere Glimmer rund.
    Alle meiner anderen EL503 haben schwarze Bleche, glänzend.

    Eine weitere EL520, jedoch mit Philips-Box und -Aufdruck, erhielt ich vor kurzem von einem guten Freund für meine Sammlung:



    Von Hans-Jürgen Imlau erhielt ich die folgenden zwei Fotos:




    Das zweite Bild zeigt eine mit Telefunken gelabelte EL503. Sie trägt den üblichen Ätzcode U33, zweite Reihe beginnt mit +- der Rest ist nicht erkennbar, 3. Reihe 5 Punkte. Sie wurde aber keinesfalls von TFK hergestellt, TFK hatte niemals EL503 im Herstellungsprogramm.
    Das andere Bild zeigt eine mit Philips EL503 gelabelte Röhre Ätzcode U31, zweite Reihe +- 3D5, eine dritte Reihe ist nicht zu erkennen. Diese Röhre ist auch vom Aufbau her eine EL520 (Pumpstutzen oben). Das sollte die Vermutung bestätigen das EL503 und EL520 gleich sind.

    Weitere Fotos einer von TFK gelabelten EL503 erhielt ich von JörgZ :


    Diese Röhre trägt den Ätzcode U33, in der Reihe darunter die Zeichenfolge +- 1K. - Dies bedeutet, sie wurde in Frankreich hergestellt. Der Herstellungszeitpunkt ist mir bisher, der Codefolge 1K nach, leider noch unbekannt.
    - Eine komplette, riesige Fotoserie (17 Fotos) von JörgZ, die die Röhre schrittweise rundherum zeigen, ist in diesem Link enthalten.



    Es ist sehr schade, dass die Batch-Codierung der geknackten 'Philips'-EL503 auf dem zweiten 'Konstruktions-Photo' (weiter unten) nicht mehr erkennbar ist - die Röhre scheint doch deutlich moderner, was Aufbaudetails angeht. Es wäre interessant zu wissen, ob diese auch 'U3' codiert war - oder aber 'tB'...
    (Nach einem Tel.-Gespräch mit Jürgen konnte ich diese Frage abklären - es ist eine mit '±' - Aufdruck...)





    Nun komme ich zum "Versuch einer Dokumentation" :
    Kurze Zeit, nachdem ich 2003 aus meinem Jahresurlaub zurück kam, erhielt ich von Jürgen Baranowsky (Projektleiter Audioröhre bei Perkin Elmer Optoelectronics - ehem. Heimann) einen sehr interessanten Anruf.
    Jürgen erzählte mir von einer High-End - Endstufenröhre, die er plant von seinem Arbeitgeber in Deutschland neu bauen zu lassen. Da Perkin Elmer heute noch im Röhrenbau (Fernsehaufnameröhren) tätig ist, die notwendige Fertigungstechnologie samt Meß-und Prüftechnik sowie auch die hierzu notwendige Chemie (Kathodenpaste, etc.) besitzt, wäre ein Nach- bzw. ein Neubau eine praktikable Möglichkeit.

    Jürgen erzählte mir, daß er über längere Zeit versucht hatte mich tel. zu erreichen (während ich mich im Urlaub befand), und sich deshalb (weil der Zeitrahmen inzwischen für ihn immer enger wurde) deshalb bereits schon mit Herrn Hunold ("Onkel frihu") in Verbindung gesetzt hatte.
    Es ging dabei darum, herauszufinden, welche Endstufenröhre interessant und vor allem wert genug sei, neu gebaut zu werden.
    Und dabei selbstverständlich auch lukrativ wäre, denn die auch in einer Röhrenfertigung unvermeidlichen Investitionskosten von mehreren Hunderttausend Euro zum Bau eines neuen Röhrentyps müssten natürlich wieder hereinkommen – und dabei sollte obendrein noch etwas hängenbleiben, denn für nichts bekommt man heute nirgendwo mehr Geld für Investitionen.

    Jürgen sagte mir, daß er sich von Anfang an mit mir in Verbindung gesetzt haben wollte weil er, aufgrund meiner "Röhren-Geschichtliches" -Seiten (darin mit der EL34-Story, und anderen), in mir "den Richtigen" sah.
    Er bat mich, ich solle mir doch zu einer neuen Röhre meine Gedanken machen.

    Wir verabredeten uns dann für ein weiteres Telefongespräch, ein paar Tage später.

    Ich sah mir dann die ausführliche Umfrage an, die Herr Hunold in seinem Forum erstellt hatte, eine Umfrage unter seinen Forumbesuchern.
    Auf dieser konnte man sehr komfortabel - auch visuell – bis zum Ende der Studie und noch einige Zeit danach stets das aktuelle Umfrageergebnis ablesen.
    Er fragte darin u.a., welcher Röhrentyp für den einzelnen am interessantesten wäre, weiterhin auch, welche Summe der einzelne für eine Neu- bzw. Weiterentwicklung bereit wäre zu bezahlen (der neue Typ sollte natürlich auch eine verbesserte und weiterentwickelte Röhre werden - das hatte Jürgen von Anfang an klar gestellt).
    Mit ca. 170 Teilnehmern gab es ausreichend viele Rückmeldungen und es kristallisierte sich - prozentual gesehen - die gut bekannte EL156 heraus (was auch durchaus auf der Hand lag, diese Röhre war auch mein allererster Gedanke).

    Allerdings stellte sich in Herrn Hunolds Umfrageergebnis heraus, daß sich ein Drittel der Umfrageteilnehmer einen Endverbraucherpreis von höchstens 30 Euro ( ! ) und ca. die Hälfte einen Preis von 50 - 90 Euro vorstellte - ein, wie auch Herr Hunold in seiner Zusammenfassung schrieb, ziemlich unrealistisches und enttäuschendes Gesamtergebnis, denn es war klar, daß eine nach heutiger Physik und Chemie in Deutschland gebaute hochentwickelte Röhre ein erhebliches mehr kosten würde - kosten müsste !

    Eine knappe Woche später telefonierten Jürgen und ich ein weiteres mal, und ich konnte Jürgen meine ersten Ergebnisse und meine Gedanken mitteilen.

    Ich hatte inzwischen von einem großen deutschen Händler erfahren, der von der Schweizer Armee sämtliche in den Lagern befindliche EL156, NOS-TFK, aufgekauft hatte (angeblich weit über 10.000 Stück), und diese jetzt zu einem Preis von etwa 110 bis 115 Euro verkaufen würde.
    Dieser Preis deckte sich nun mit einem anderen Ergebnis von frihus Internet-Studie; nämlich, daß immerhin jeder vierte der Studienteilnehmer durchaus bereit ist, für Topqualität einen realistischen Preis von ca. 120 Euro (oder sogar mehr !) zu bezahlen.
    Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, daß Jürgen anhand von Zahlen aus dem Ratheiser von 1956 (und Daten des Statistischen Bundesamtes aus dieser Zeit) einmal ausgerechnet hatte, wieviel die damals für 18 DM erhältliche und seinerzeit gerade erst vor ein paar Jahren auf den Markt gekommene - für damalige Verhältnisse als "High-Tech"-Röhre anzusehende - EL34 wohl auf das heutige Einkommen umgerechnet kosten würde, und gab diese Studie zur Veröffentlichung an frihu weiter.
    Jürgen ermittelte dabei einen Preis von 140 - 160 Euro!
    Allerdings gaben in Frihus Forum etliche zu Bedenken, daß die im Ratheiser und alten Katalogen angegebenen Preise Endverbraucherpreise seien und im Großhandel – und der sei ja hauptsächlich von den Röhrenfabriken bedient worden – je nach Stückzahl Preise bis herab zu 12 DM üblich gewesen seien, was dann einem umgerechneten Fabrikabgabepreis von ca. 100 Euro entsprechen würde.

    Diese von frihu veröffentlichten Studien und die begleitenden Postings zeigten ein Bild der Preisgestaltung von damals und projizierten ein realistisches Bild der Preisgestaltungsentwicklung in die heutige Zeit.


    Für Jürgen, der sich innerlich schon fast für die EL156 entschieden hatte, sich schon gut mit ihr "angefreundet" hatte, war die Nachricht von den aufgekauften EL156 natürlich ein Schock – denn, falls eine Röhre von seinem Arbeitgeber hergestellt würde, dann müsste sie natürlich – wie schon gesagt - auch ein vernünftiges Ergebnis, sprich: einen den Aufwand rechtfertigenden Gewinn erzielen !
    Und wie sollte dies möglich sein, wenn er gleich zu Anfang gegen eine sofort abrufbare Konkurrenzmenge von aus seiner Sicht 1 - 2 Jahresproduktionen guter Qualität antreten müsste ?

    Also war die EL156 "gestorben", da zudem auch noch in China eine inzwischen sehr gut funktionierende EL156 hergestellt wurde, sogar im Oktal-Sockel (womit das schwierige Problem der Beschaffung der ansonsten notwendigen 10-poligen Stahlröhrenfassung auch gelöst war).

    Welche Röhre käme also noch in Frage, welche Röhre würde ein "garantierter" Erfolg werden?

    Hier kam, für mich, nur eine Röhre in Frage, und dies vertrat ich mit meiner vollen Überzeugung: die EL503.

    Nachdem ich Jürgen diese Röhre und einiges über sie und ihre Geschichte erzählte hatte, Jürgen sich in den darauf folgenden Tagen mit Datenmaterial versorgte und ich ihm (mit doch etwas schwererem Herzen) zwei Exemplare zur Verfügung stellen konnte (wobei von Anfang an feststand, daß sie "geschlachtet" werden müssen, ich sie also niemals wiedersehen würde), war auch Jürgen von ihr überzeugt.

    Ab jetzt hieß es für ihn also: Vorarbeit. Es war eine gewaltige Entwicklungs-, aber auch Überzeugungsarbeit bei Geschäftsführung, Kaufleuten, Vorgesetzten und den Kollegen zu leisten.
    Jürgen erstellte Röntgenbilder der beiden von mir gelieferten Röhren, und es wurden von ihm an einer geöffneten Röhre Fotos und Konstruktionszeichnungen sämtlicher Bauteile, die die Röhre enthielt, erstellt, die Chemie der Kathode ermittelt und erste Überlegungen zur Fertigung der Kathode erstellt, ein firmeninternes Projektteam aus hochkarätigen Röhrenspezialisten aufgestellt (welche sich sogleich heftig an die Arbeit machten), über alle möglichen Kanäle eine Menge EL503-Röhren und auch Verstärker für diese Röhre besorgt und akribisch vermessen, das Geschäftsmodell erstellt und ausgefeilt etc., etc. ...

    Das folgende Excel-Datenblatt zeigt den errechneten Fertigungsaufwand einer EL503, wie er von Jürgen berechnet wurde - allerdings ohne Daten, wie die Minutenangabe sowie dem daraufhin zugrundliegenden Preis. (Firmengeheimnis...)

    Einige interessante, bisher überwiegend unbekannte Details stellten sich bei diesen Untersuchungen heraus, insbesondere beim verwendeten Getter – und daß es 2 Ausführungsformen der Röhre gab, obwohl Valvo doch der alleinige Hersteller gwesen sein sollte...? (s.o.)
    Beiden Röhren gemeinsam ist das Barium-Getter mit seinem Getterspiegel – aber unbekannt war, daß es bei beiden noch ein zirkoniumlegiertes Getter gab. Beim ersten Typ wurde das "Zirkonium"-Getter auf der Rückseite des Bariumgetters angebracht (ein sogenanntes Kombigetter), beim zweiten Typ wurde es, verdeckt vom Anodenblech, auf dem Bündelstrahl-Leitblech ("Gitter" 3, Bremsgitter), angebracht.

    Während den weiteren Vorarbeiten und Versuchen im Labor konnte Jürgen auch die Chemie der Kathodenpaste soweit verbessern, daß ein Emissionsstrom von deutlich über 2 Ampere pro cm² erreicht wurde.

    Es sah alles sehr gut aus.

    Nur – leider - nicht bei der Überzeugungsarbeit... hier wurden die Hürden mit der Zeit sogar immer höher und schwieriger.
    Viele von Jürgens Kollegen hielten das ganze ohnehin nach wie vor für eine "Totgeburt", für pure Nostalgie.

    In dieser Situation wandte sich Jürgen wieder an mich, und ich riet ihm, trotz der strikten und notwendigen Geheimhaltung der wir uns verschrieben hatten - uns verschreiben mussten! - einen weiteren Fachmann mit "ins Boot" zu holen.
    Dieser Fachmann war Gerhard Haas, Fa. Experience Electronics.

    Herr Haas war, als ich mit ihm telefonierte und ihm von dem Vorhaben berichtete, sofort sehr angetan von der Röhre und den fantastischen Möglichkeiten, die diese bieten würde. Er war, wie man so schön sagt, sofort "Feuer und Flamme".

    Und er war genau der richtige, der mit Unterlagen (Schaltbildern) und fundiertem Fachwissen aus seiner langjährigen Röhrenverstärkerpraxis, aber auch – was für die Interessen des Röhrenherstellers am wichtigsten war - mit kaufmännischen Daten überzeugen konnte.

    Der folgende Link zeigt einen Brief, den Gerhard Haas an Jürgen Baranowsky schrieb.

    Der folgende Link zeigt einen Brief, den Gerhard Haas an Perkin Elmer zum Thema Markteinführung der EL503 schrieb: Das EL503 - Projekt.

    Herr Haas leistete Überzeugungsarbeit bis hin zu Telefonkonferenzen (hier die Fa. Perkin Elmer - mit etlichen Gruppen- und Abteilungsleitern – dort am Telefon, Herr Haas ).

    Letztendlich konnte alles geregelt werden, die Verantwortlichen konnten überzeugt werden – jetzt fehlte "nur" noch das OK der Mutterfirma in den USA.
    Und diese, natürlich an Fakten und Zahlen und nicht am (für sie "nostalgischen") Produkt selbst interessiert, stellten diesbezüglich die entsprechenden Forderungen auf, wie sie heutzutage in jedem modernen Unternehmen üblich sind.

    Und hieran scheiterte dann das gesamte Projekt.
    Es scheiterte, wie mir Jürgen sagte, an etwas zu hohen Investitionskosten und damit letzten Endes an wenigen $ pro Röhre im erzielbaren Verkaufspreis....

    Denn um die Röhre für Grosshändler attraktiv halten zu können, durfte ein bestimmter max. Verkaufspreis unter keinen Umständen überschritten werden. Die Kalkulation war offenbar so knapp, daß nur wenige Prozent Gewinn pro Röhre erzielt und die Investitionskosten erst nach Jahren wieder eingefahren worden wären.
    Und das war der amerikanischen Mutterfirma natürlich zu wenig, weshalb sie - völlig emotionslos - getreu ihrer den Aktionären gegenüber zu vertretenden Investitionspolitik das Projekt einstellen musste.

    Und damit waren mit sofortiger Wirkung auch sämtliche Arbeiten im Zusammenhang mit dieser Röhre einzustellen !
    Diejenigen die, wie Jürgen, einen nicht unerheblichen Teil ihrer Arbeitszeit in diese Röhre gesteckt hatten, wurden mit sofortiger Wirkung anderen Projekten zugeteilt.

    Das war nun die Geschichte einer Röhre, die es absolut wert gewesen wäre, wiederbelebt zu werden.
    Eine der besten HiFi-Endstufenröhren die jemals, von Valvo / Philips am höchsten Punkt der Röhrenentwicklung fabriziert wurde - und leider viel zu früh wieder vom Markt genommen wurde, weil die Transistoren auf den Markt drängten und man – zu Unrecht - keine Chance mehr für diese Röhre sah.
    Die EL503 sollte damals die EL34 ablösen – was sie auch, aufgrund ihrer überragenden Eigenschaften - sogar ganz locker gekonnt hätte.

    So berühmte Firmen wie z.B. Klein & Hummel, Dynacord, Klemt (Echolette), Hohner, sogar Radio RIM u.v.m. bauten inzwischen (heute bereits legendäre) Verstärker mit dieser Röhre, es wurden sowohl HiFi- als auch Gitarrenverstärker mit diesem kleinen Kraftpaket entwickelt und gebaut, die z.T. nicht größer waren als vergleichbare Transistorverstärker (z.B. der Klein & Hummel: Saba Telewatt VS 110) !

    Unverständlich, aus der Sicht eines Hobbyelektronikers, Sammlers und Musikliebhabers, daß diese Röhre nach so kurzer Zeit wieder vom Markt verschwand. Leider sind es meist – wie auch bei Perkin Elmer - die Zahlen unterm Strich, sind es die Kaufleute, die die Entscheidungen treffen, damals so wie auch heute.
    Das Produkt zählt nicht, da man es nicht versteht und sich daher auch nicht voll mit ihm identifizieren kann.
    Da bleibt kein Raum mehr für den Idealismus, den die Gründerväter der Röhrenfirmen noch hatten.

    Aber - vielleicht erfährt die Firma Ei in Nis (Süd-Serbien, Yugoslavia) hiervon, oder vielleicht liest ja ein Mann wie Jan Jurko (JJ-Electronic) diese Seite und gibt dieser Röhre eine Chance? Wenn sonst überhaupt jemand diese Röhre bauen kann, dann Ei oder JJ, beide mit den Erfahrungen, den Maschinen, dem gesamten Know-How, um eine solche Röhre in ihrer ganz speziellen Spanngittertechnik bauen zu können.
    Sie wäre es ganz sicher wert.
    Und hiermit endet diese Geschichte. (Vorerst?)
    Sie endet aber nicht auf dieser Seite. Ich werde hier im weiteren Verlauf eine Fülle von Infomaterial, Fotos, Detailfotos, Röntgenaufnahmen und diverse, teils berühmte Schaltungen von Verstärkern mit dieser legendären Röhre vorstellen.

    Die ersten gezeigten Bilder - es folgen eine Fülle, wie angekündigt - zeigen die von Jürgen zerlegte EL 503, in einer Übersichtsaufnahme:




    - Weitere Fotos kommen in den nächsten Tagen, sie zeigen in einzelnen Groß- und sogar Makroaufnahmen die Einzelteile dieser zerlegten Röhre.
    Vorab eine mit einem Mikroskop erstellte Makroaufnahme, die die Oberfläche der g1-Kühlfahne dieser zerlegten Röhre überdeutlich zeigt:


    Hier der Vermerk, den Jürgen dazu machte:

    Gitterkühlflügel-Material EL503 ( frz und Philips )
    ----------------------------------------------------------------
    Die Gitter-Kühlflügel bestehen gemäß REM-Analyse aus 100µm dickem Eisenblech,
    welches ca. 15-20µm dick mit Aluminium-Nadeln von ca. 10µm Länge beschichtet ist.
    Es ist am EDX ein geringer Kohlenstoffanteil erkennbar.

    Die Art der Beschichtung lässt ein Besprühen des Eisenblechs mit in Binde-oder Lösungsmittel
    gelöstem, gemahlenem Aluminium mit anschließendem Einbrennen vermuten.
    Dies ergibt eine große, dunkle Oberfläche zur optimalen Wärmeabstrahlung.

    17.04.03
    J.Baranowsky

    Eingestellte Vergrößerung am REM für g1-Kühlflügel-Bild: 2000 (50um gesamte Bildbreite)

    ----------------------------------------------------------------

    Die beiden folgenden Bilder zeigen die Kathodenoberfäche:

    Kathodenbeschichtung 100um-Bildbreite:



    Kathodenbeschichtung 20um-Bildbreite






    Die beiden in den folgenden Fotos zu sehenden EL503 stammen aus meinem 60-Watt-Monoverstärker, den ich auch, in diesem Link, mit einigen Detailfotos vorstelle.





















    Einen weiteren EL503-Amp, ein Gitarren-Kombo den ich seit einiger Zeit besitze und der sich in meiner Sammlung befindet, stelle ich in diesem Link vor.


    Das nächste Bild ist der Scan aus einer Funkschau-Seite aus dem Jahr 1966, hier wurde die EL503 erstmals (in der Funkschau) vorgestellt:

    Vorstellung der EL156 in der Funkschau, 1966
    (Mit der Maustaste das Bild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)


    Röntgenbilder wie das folgende findet man in diesem Link, mit einem begleitenden Text von Jürgen der auch die Röntgenfotos erstellte.




    Ich stelle mit der folgenden Fotoserie EL503 mit verschiedenen Hersteller-Aufdrucken vor, wobei zu beachten ist: sie wurden allesamt von Valvo hergestellt.

    Die zuerst gezeigte ist mit dem Logo Philips Made in France gelabelt:




    Die nächste wurde mit dem Siemens - Logo gelabelt:



    Das folgene Foto, welches mir Dieter Wolbart zukommen liess, zeigen in zwei verschiedenen Werken hergestellte EL503.
    Die linke, mit Batchcode P, stammt aus Papesa / Argentinien, die rechte mit Code ± aus Chartres / Frankreich.


    Die folgende EL503, deren Fotos mir Jorgen zur Verfügung stellte, wurde von der Firma Pope, Nederland, gelabelt.
    In 1889 wird in Venlo die Glülampenfabrik Goosens, Pope & Co. errichtet. De treibende Kraft des Unternehmens war der englische ingenieur Frederic Pope. In 1920 kaufte Philips das Unternehmen, es wurde somit eine Philips-Tochter.








    Achim van Duren sandte mir diese Fotos seines Pope EL503-Quartetts zu:







    Der eingeätzte Herstellercode lautet U33 (= EL520 - dritte Version) ±1G (= gebaut RT-Chartres, Frankreich - Herstellungszeitpunkt ist mir noch unbekannt)





    Um die Getterringe sichtbar zu machen (die Röhre ist sehr stark verspiegelt) wurde sie auf dem Kopf stehend fotografiert:




    In diesem Bereich stelle ich etliche verschiedene EL503 vor, deren Messungen und die Beschreibung des Messverfahrens, sowie Vergleichsmesswerte, die Jürgen zu den einzelnen von ihm numerierten Röhren erstellte, um EL 503-Paarungen zu ermitteln - und, als weiteres, werden hochinteressante Zusatz-Beschriftungen die auf den einzelnen Röhren erkennbar sind, aufgezeigt.


    In diesem Teilabschnitt stelle ich Datenblätter zur EL503 (PDF-Files) vor, von verschiedenen "Herstellern".

    Als erstes das Datenblatt vom Entwickler Valvo

    Es folgt ein Datenblatt von Mazda aus 1966

    Als nächstes folgt ein Datenblatt von Mazda-Belvu (Cifte) aus 1968. - Was ziemlich merkwürdig ist, denn angeblich wurde die Produktion der EL503 in 1967 bereits wieder eingestellt.

    Noch merkwürdiger ist das Datenblatt von Philips aus dem Jahr 1970 - 1972...!


    In diesem Teilabschnitt stelle ich Schaltungen von verschiedenen Herstellern vor, Verstärkerschaltungen mit der EL503.
    Zunächste eine Musterschaltung, herausgegeben von Valvo:


    Das folgende Schaltbild ist ebenfalls ein Schaltungsvorschlag aus dem Valvo-Labor:



    Das nächste ist der Scan aus einer Funktechnik-Seite aus dem Jahr 1966, hier wurde ebenfalls die EL503 vorgestellt (Michael Sauerbier stellte mir die Scans als PDF-File zur Verfügung). Hierin wurde der Fehler in der Valvo-Publikation behoben - es fehlt der Koppelkondensator zwischen den beiden Hälften der ECC82.

    Es folgt eine Schaltung von Radio RIM, ein 80/100 - Watt - Mischpultverstärker mit 4 x EL503 in Parallel-PP-Schaltung, der Musikant 100:



    Schaltung RIM Musikant 100
    (Mit der Maustaste das Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)


    Ein weiterer EL503-Verstärker von RIM ist der RMV 1000:



    Schaltung RIM RMV 1000
    (Mit der Maustaste das Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)


    Von Hohner stammt die folgende Schaltung eines kräftigen Musiker-Verstärkers, dem Orgaphon 60 MH:



    Schaltung Hohner Orgaphon 60 MH - Vollverstärker
    (Mit der Maustaste das Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)


    Von Klemt stammt der berühmte Echolette M120:

    Schaltung Klemt Echolette M120 - Vollverstärker
    (Mit der Maustaste das Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)


    Der italienische Hersteller Geloso brachte mit dem Vollerstärker G 1/1110 A 110/140-Watt Leistung zu Gehör:



    Schaltung Geloso G1/1110 A - Vollverstärker
    (Mit der Maustaste das Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)


    Norbert Malek, DF3HN, sandte mir die Fotos seines Geloso - G1/1110A z, mit den folgenden Worten:

    Hallo Jogi,
    ein Freund machte mich auf Ihre Seite aufmerksam. Der Grund ist, daß ich einen alten Geloso-Verstärker besitze, der mit 4 x EL503 bestückt ist. Es ist der G.1 / 1110 - A.
    Ich fand das gute Stück 1986 auf dem Sperrmüll in Hamburg - ohne Röhren. Eine Nachfrage bei der Fa. Amptown (Bühnentechnik), ob man dort denn die EL503 hätte, wurde mir positiv beantwortet. Man hatte noch 5 Stk. Ich holte mir 4 davon ab und setzte den Geloso wieder in Betrieb. Nur leider war eine der EL's faul, es gab im Inneren Überschläge.
    So tauschte ich sie gegen die 5. Röhre von Amptown ein. Nun ist alles OK.
    Der Verstärker steht hier noch herum und ich hüte die Röhren, wie meinen Augapfel.






    So viel zu der Geloso-Geschichte. Da Sie die Geschichte der EL 503 so ausführlich beschrieben haben, möchte ich auch einen kleinen Beitrag zu der Röhre leisten.
    Die Röhren, die auf Ihrer Seite abgebildet sind, weisen allesamt eine andere Bauweise auf, als meine Röhren. Meine Röhren sind an der Oberseite anscheinend "verschmolzen". Es sieht aus, als ob der Glaskörper vierfach, also aus vier Dreiecken verschweißt wurde. Auch die Labelung ist verschieden.
    Der Hersteller RTC ist mir unbekannt.

    Hinweis: Die Labelung 'P', die auf der im Verstärker sitzenden Röhre erkennbar ist, zeigt daß sie im Philips-Werk in Papesa / Argentinien hergestellt wurden.




    Ansonsten möchte ich ein Lob auf Ihre Seite aussprechen. Es ist im die einzige Seite, auf der ich etwas Verwertbares zu meinem Geloso-Verstärker finden konnte.

    In der Anlage fínden Sie einige Fotos meiner Röhren und des Verstärkers. Leider fehlt die "Haube", ohne die er aber auch spielt.

    Viele Grüße
    Norbert Malek


    Hinweis zur Firma RTC :
    RTC bedeutet Radiotechnique Compelec, der Sitz war in Paris avenue Ledru-Rollin, und hatte eine Fabrik in Chartres seit 1953. Wahrscheinlich eine Schwester-/Tochter-Gesellschaft von Philips.
    Das folgende Bild zeigt die RTC Fabrik von Chartres, hier produzierten ab 1953 1100 Arbeiter 18 Millionen Röhren, davon 50 verschiedene Typen. Die Hälfte dieser Röhren waren für den Export bestimmt.



    Während man in Norberts Geloso-Verstärker RTC-gelabelte Röhren zu sehen bekommt, zeigt das folgende Foto eine von Geloso selbst gelabelte EL503, welches mir Ralf zusandte :



    Von Feylon, Belgien, stammt dieser Verstärker:

    Schaltung Feylon Studio 100

    Die Vorstufe zu diesem Verstärker:

    Schaltung Vorverstärker Feylon Studio 100
    (Mit der Maustaste das jeweilige Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)

    Ebenfalls von Feylon stammt der P 200, den ich von Harry Huysentruyt zur Verfügung gestellt bekam:

    Schaltung Feylon P200

    Von FBT - einem mir unbekannten Hersteller mit mir unbekanntem Urprungsland stammt der Bassorgan:

    Schaltung FBT Bassorgan - Gitarrenkombo
    (Mit der Maustaste das Schaltbild anklicken, es wird dann in voller Auflösung dargestellt.)

    Peter Haaf schrieb mir zur Firma FBT folgendes:
    Bei FBT handelt es sich um eine italienische Firma, die Musikelektronik im unteren Preissegment produziert hat. In D wurden FBT Geräte, meines Wissens, durch die Dortmunder Firma Voss vertrieben (ob es die noch gibt ????).
    FBT hat hauptsächlich Verstärker, aber auch Orgeln und Akkordionelektronik gebaut.

    Das folgende Foto zeigt einen PP-Amp-Gitarrenamp von FBT; Bozo stellte es mir freundlicherweise zur Verfügung. Bozo schrieb zu den im Amp steckenden Philips-Miniwatt-Röhren, daß sie mit den Codes U33 ±1C (Resrt unbekannt), die zweite mit ± U33 8D5 gelabelt sind.



    Wird fortgesetzt !



    Zurück zur Hauptseite